Di, 23. Jänner 2018

Wurstproblem

06.03.2008 12:30

Schweiz in Sorge wegen Mangel an Rinderdärmen

Im Schweizer Parlament geht's um die Wurst - nämlich um die Rettung der Cervelat, von der jährlich 160 Millionen Stück verspeist werden. Das Problem: Die Vorräte an Därmen des brasilianischen Zebu-Rindes, aus der die Haut hergestellt wird, reichen wahrscheinlich nur noch bis Ende des Jahres. Und nur diese Häute sorgen für die richtige Krümmung und Schälbarkeit der Cervelat.

Weitere Importe von Zebu-Därmen sind nicht möglich, da sich die Schweiz dem BSE-bedingten Einfuhr-Stopp der EU per 1. April 2006 angeschlossen hat. Da die Rettung der Cervelat, wie die Schweiz sie kennt, in naher Zukunft nicht zu erwarten ist, wurde ein Notfallkonzept erstellt. Dieses hat mit der Krümmung der Wurst zu tun, wie Bundesrätin Doris Leuthard im Ständerat erklärte.

Gerade Wurst "zumutbar"
Dieser "Plan B" sieht vor, dass die Wursthüllen zumindest vorübergehend aus alternativen Materialien wie Kollagen oder künstlichem Darm hergestellt werden dürfen. Dies würde dazu führen, dass die Cervelat weniger gut schälbar ist - oder weniger krumm. Für Leuthard keine Tragödie: "Den Konsumenten ist eine geradere Cervelat zuzumuten."

Langfristiges Ziel ist es, wieder Zebu-Därme zu importieren. Das BSE-Risiko soll auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen neu bewertet werden.

Rinderdarm mit Nationalstolz
Fleischverbandspräsident Rolf Büttiker rief dazu auf, die Problematik nicht zu unterschätzen - und setzte zum Lob auf die Cervelat an: Im Rinderdarm stecke eine Mischung aus Einfachheit, Bodenständigkeit, Lagerfeuerromantik und Nationalstolz. Die Cervelat werde in der Baubaracke gegessen und im "Pfadilager". Die Antwort des Bundesrates auf seine diesbezügliche Anfrage zeige, dass man von einer Lösung noch weit entfernt ist.

Der Fleischfachverband hatte in Folge des Importverbots zusammen mit dem Bundesamt für Veterinärwesen, dem  Großhandel sowie den Schweizer Darmhändlern eine "Task Force" zur Rettung der Cervelat gegründet. Schließlich geht es um 30 Prozent der nationalen Wurstwarenproduktion. Die Eignung alternativer Materialien beurteilt die Fleischbranche skeptisch.

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