Do, 18. Jänner 2018

Wie im Märchen

03.03.2008 15:07

Im Butlers Cafe werden Frauen zu Prinzessinnen

Der Butler am Eingang trägt Anzug. "Willkommen im Butlers Cafe, Prinzessin", säuselt er und setzt der jungen Japanerin ein funkelndes Diadem auf. In Japan sehnen sich viele Frauen nach einem charmanten Prinzen, wie er in westlichen Märchen beschrieben wird. Ein Cafe in Tokio hat diese Marktlücke erkannt und erfüllt Prinzessinnen-Träume am laufenden Band…

Die Mädchen müssen nur über die Schwelle treten, um in eine andere Welt einzutauchen. Eine Welt, fernab von der Metropole Tokio. Eine Welt, in der ein gut aussehender Mann aus dem Westen auf die Knie geht und fragt: "Ja, meine Prinzessin?" Die Speisekarte offeriert selbst gemachte Speisen und Getränke. Darüber hinaus können die Prinzessinnen auf Zeit ein Foto mit ihrem Lieblingsbutler bestellen oder Englischunterricht bei ihm nehmen.

Cafe hat 2.000 Stammkundinnen
Seit das Lokal Mitte 2006 seine Pforten öffnete, hat es rund 2.000 Stammkundinnen gewonnen. Dazu gehören die 23-jährige Tagesmutter Yuki Nozaki und ihre Freundin. Beide kommen mindestens einmal im Monat, um einen flüchtigen Moment der Romantik zu erleben. Erst sei sie skeptisch gewesen, sagt Nozaki. "Aber alle Butler sind total süß und fröhlich. Vor allem die Tatsache, dass sie Ausländer sind, hilft uns, für einen Moment der Realität zu entkommen."

Obwohl sie schon oft da waren, sind sie und ihre Freundin aufgeregt, wenn sich die Tür öffnet. "Ich brauche diese Art von Spannung in meinem Leben", gesteht Nozaki. Ein Abend mit Tee und Kuchen ist für sie zudem erschwinglicher als ein Besuch in einem Host-Club, wo Frauen für einen Wein an der Seite eines gepflegten Japaners Hunderte Dollar blechen müssen.

In gewisser Weise ist das "Butlers Cafe" das Gegenstück zu den zahlreichen Clubs, wo Männer von Frauen in Dienstmädchenuniform bedient werden. Die Idee hatte Mitbesitzerin Yuki Hirohata in ihrem früheren Büro-Job. Sie suchte nach einer Möglichkeit, um ihrer stressigen Welt zu entkommen. "Erst habe ich alle möglichen Beauty-Salons und Wellness-Zentren probiert."

Ein bißchen Trost für eine Tasse Tee
Teure Clubs habe sie sich kaum leisten können, erzählt die 36-Jährige. "Dann wurde mir klar, dass der Trost für Frauen nicht zu teuer sein darf. Es muss ihn auch schon für eine Tasse Tee geben."

Gesagt getan. Hirohata befragte ihre Mitbürgerinnen und erstellte eine Wunschliste, auf der eine romantische Kulisse und die Möglichkeit, Englisch zu lernen, ganz oben standen. Die Japanerinnen waren neugierig auf westliche Männer, aber sie wollten keine betrunkenen Nächte in Bars in Kauf nehmen.

"Was sie brauchen, ist ein bisschen Würze in ihrem Leben. Und das bekommen sie schon durch kleine Gesten, zum Beispiel, wenn der Herr der Dame in den Mantel hilft. Frauen brauchen Wertschätzung", sagt Hirohata. Doch die bekommen sie von den als dominant und verschlossen geltenden japanischen Männern offenbar nur selten. Und so träumen sie eben vom Prinzen, über den sie schon als kleine Mädchen in westlichen Märchen gelesen haben.

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