Sa, 18. November 2017

„Mein Kampf“

24.02.2008 19:18

Witz hält Händchen mit Schrecken

Es wird viel gelacht an diesem Abend in den Linzer Kammerspielen - obwohl die Geschichte doch eine todtraurige ist. Aber es ist eine Farce von George Tabori und bei diesem Theatergiganten liegen das Lächerliche und die Katastrophe stets nah beieinander. Auf dem Spielplan: Taboris „Mein Kampf“, nach Eigendefinition des Autors ein „theologischer Schwank“.
In einem tristen Männerwohnheim treffen sich der scheiternde Kunststudent Hitler, der Bibeln verkaufende Jude Schlomo Herzl und der Koch Lobkowitz alias Gott. Ausgerechnet Schlomo nimmt sich des verzogenen Muttersöhnchens aus Braunau an, verpasst ihm seinen markanten Bart und die berüchtigte Frisur. Taboris Witz geht händchenhaltend mit dem Schrecken, der auf diese Welt noch zukommen sollte.


Regisseur Christian Wittmann hat diesem verdichteten Textgewebe etwas gar viel Respekt entgegengebracht. Nur dem Text zu dienen ist, wie die Inszenierung zeigt, zu wenig. Dieser Aufführung mangelt es an Sinnlichkeit, Poesie und Gestaltungswillen. Freilich ist Vasilij Sotke die Rolle des Schlomo Herzl quasi auf den Leib geschrieben und er füllt sie auch mit Inbrunst aus. Umso auffälliger ist die papierene Kunstfigur, aus der Sebastian Hufschmidts Hitler zweieinviertel Stunden nicht herausfindet. Eine Paraderolle für Silvia Glogner ist „Gott“ Lobkowitz.


Man sollte nicht vergleichen, ich weiß, aber „Mein Kampf“ war in Linz schon wesentlich beeindruckender zu sehen…


Foto: Norbert Artner
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