Sa, 18. November 2017

Aufruhr um Jopi

16.02.2008 23:53

Anti-Nazi-Proteste bei Heesters-Auftritt in Holland

Dass er auf seine alten Tage unter massiven Sicherheitsvorkehrungen einen Auftritt abliefern muss, hätte sich der 104-jährige Entertainer Johannes Heesters wohl nicht gedacht: Weil Demonstranten bei seinem ersten Konzert seit 40 Jahren in Holland, seiner Heimat, gedroht hatten, die Veranstaltung mit Nazi-Kostümen zu stürmen, stellte das De-Flint-Theater in Amersfoort Sicherheitsschranken vorm Eingang auf. Hintergrund des Aufruhrs ist die Vergangenheit Heesters, der im Hitler-Deutschland Karriere gemacht hatte. Vor dem Theater bauten Demonstranten Transparente auf: "Mein Großvater war auch in Dachau", hieß es auf einem Plakat.

Im Internet hatte es am Samstag Aufrufe gegeben, am Abend in Nazi-Uniformen zu dem Konzert zu erscheinen. Das Konzert war bereits ausverkauft - vermutlich gingen aber nicht alle Karten an Fans des 104-jährigen Sängers, dämmerte es den Veranstaltern.

Also entschloss sich das De-Flint-Theater in Heesters Heimatstadt Amersfoort zu außergewöhnlichen Sicherheitsmaßnahmen: Sicherheitsschranken am Eingang, eine obligatorische Kontrolle der Personalien und das Verbot provokanten Verhaltens. Jedem, der in "schockierender" Kleidung erscheine, werde der Zutritt verweigert, warnte das Theater unter Anspielung auf den Internetaufruf.

Zeitung verhöhnte Heesters mit Karikatur
Bei seinem letzten Auftrittsversuch in den Niederlanden vor 25 Jahren war Heesters im Amsterdamer Carré-Theater vom Publikum mit Hitlergruß empfangen und dann verjagt worden. Noch am Samstag zeigte die Tageszeitung "Het Parool" den in Bayern und Österreich lebenden Künstler in einer Karikatur, wie er selbst sein Publikum mit ausgestrecktem rechtem Arm begrüßt. Für den Abend war in Amersfoort aus Protest gegen den Auftritt ein Konzert mit Werken von Künstlern geplant, die in Konzentrationslagern ums Leben kamen. Es gab auch eine Demo (siehe Bild links) mit ungefähr 100 Beteiligten, die wiederum von Neonazis, die unangekündigt "für Heesters" aufmarschierten, mit Eiern beworfen wurden.

Auftritt verlief ungestört
Im De-Flint-Theater ist der Auftritt Heesters offenbar wie geplant über die Bühne gegangen. Fans begrüßten den Entertainer mit "Willkommen zuhause"-T-Shirts, zeigen Bilder aus Holland. Die Sicherheitsmaßnahmen der Veranstalter dürften gewirkt haben.

Mit kräftiger Stimme sang Heesters noch einmal Beispiele seiner Paraderollen wie "der Bettelstudent". Auf den Streit um seine Vergangenheit ging er in seinen kurzen und launigen Bemerkungen in deutscher Sprache nicht ein. Mit den Worten "das war für mich der schönste Abend" beendete der greise Sänger das Programm, durch das ihn seine Frau Simone Rethel begleitete.

"Will erleben, dass ich in meiner Heimat willkommen bin"
Die Niederländer werfen Heesters vor, der 1935 nach Berlin kam und große Erfolge im Dritten Reich feierte, seine Karriere den Nationalsozialisten zu verdanken. Dass er selbst ein Anhänger der Nazis gewesen sei, wollte man Heesters nie andichten. Jedoch gilt er in den Niederlanden als "der, der für Hitler sang".

Heesters betonte im Vorfeld auf seiner Website (siehe Infobox): "Mit der Ideologie der Nazis und ihrem Rassenwahn habe ich nie etwas anfangen können". Auch wenn er im Hitler-Deutschland Karriere gemacht habe, habe er sich nichts vorzuwerfen. "Ich bin und bleibe Niederländer", schrieb Heesters. "Und mein größter Herzenswunsch wäre es, dass ich es in diesem Leben noch erleben darf, dass ich in meiner Heimat willkommen bin."

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