Fr, 24. November 2017

Soziales Bauwesen

20.01.2008 15:48

Bauen für die Zukunft

Anna Heringer, die an der Linzer Kunstuni studiert hat, zählt zu den jüngsten, aber auch erfolgreichsten Architektinnen für sozialen Naturbau. Ihre Dorfschule aus Lehm, Stroh und Bambus steht in Bangladesh. Das umweltfreundliche Projekt erhielt kürzlich den höchstdotierten Architekturpreis der Welt.

Als ich Anna Heringer in ihrer Wohnung in Salzburg erreichte, ist sie gerade aus Bangladesh zurückgekommen: „Ich habe dort meinen 30. Geburtstag mit einem Glas Kokoswasser und einer zerquetschten Mozartkugel gefeiert“, erzählt die energiegeladene Architektin. Sie pendelt derzeit zwischen Bangladesh und Österreich. Das Dorf Rudrapur im Norden ist gewissermaßen ihre zweite Heimat geworden.

Mit Linz ist Heringer ebenfalls verbunden, sie studierte hier und hat nun einen Lehrauftrag an der Linzer Kunstuniversität. Sie hat sich auf soziales Bauen in der so genannten „Dritten Welt“ spezialisiert: „Ich will beweisen, dass man in jeder Klimazone auch mit lokalen Materialien bauen kann“, erklärt sie ihre Grundidee.

Derzeit betreut sie den Bau eines Schulgebäudes und plant Familienhäuser aus Lehm, Stroh und Bambus. Die bewährten Kenntnisse der lokalen Baumeister verknüpft sie mit klimatisch optimiertem Bauen. „Wir machen ein Fundament mit Feuchtigkeitssperre, planen natürliche Belüftung und Belichtung ein.“

Heringer plant aber nicht nur, sondern legt auch selbst Hand an: „Mein Tag beginnt mit Frühstück auf der Baustelle, dann folgt meine Begrüßungsrede in einem bengalischen Slang. Ich mache aber nicht nur Bauaufsicht, sondern stecke auch Wände mit einem speziellen Spaten ab. Am Abend dreh´ ich noch eine Runde mit dem Rad im Dorf und hoffe auf warmes Wasser in meiner Unterkunft.“ Sie wohnt in einem kleinen Zimmer der Entwicklungsorganisation „Dipshikha“, die ihre Projekte unterstützt: „Ohne lokale Anbindung funktioniert das nicht“, sagt Heringer. „Das Schwierigste ist, die Bevölkerung zu überzeugen, ihr sauer verdientes Geld nicht in einen untauglichen Wellblechbau zu stecken.“

Haben Naturmaterialien Zukunft? Für das Bauen in den Entwicklungsländern ganz sicher. Nicht nur, weil das Material billig und ökologisch gut verträglich ist, sondern auch, weil die Anbindung an traditionelle Bauweisen Identität schafft: „Auf seine Region und auf sein Können stolz zu sein, ist die Basis für Entwicklung“, sagt Heringer. Am Mittwoch, 30. Jänner, hält sie an der Linzer Kunstuni um 19 Uhr einen Vortrag über „ihre“ Schule in Bangladesh.

Spenden an Partnerschaft Shanti-Bangladesh; Kontonummer: 514 53 516 701, BLZ 12.000, Bank Austria;  Infos: www.shanti.de

 

Foto: Hoerbst

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