Mo, 11. Dezember 2017

Mauracher rockt

10.01.2008 10:43

"Loving Custodians"

Hubert Mauracher hätte Küchenchef in Innsbruck oder auch Skilehrer werden können. Stattdessen benutzte er aber schon mit 17 seien Hände lieber dazu, um in Rockbands auf Trommelfelle einzuprügeln. Später entdeckte er Wien, elektronische Musik und landete mit seinem Debüt "29 Degrees" einen Achtungserfolg. Mit "Kissing My Grandma" fand der 32-Jährige vor zwei Jahren wieder zum Rock zurück - und ab da war es nur mehr eine Frage der Zeit. 2007 krallte sich Universal Music den Alpen-Exilanten, mit dem am 25. Jänner erscheinenden Album "Loving Custodians" und seiner vier Mitglieder umfassenden Live-Band präsentiert, sich Mauracher nun als experimentierfreudiger Songwriter und willkommene Abwechslung in der heimischen Klanglandschaft.

Ein Exote ist Hubert Mauracher (rechts neben dem Gummihirsch) aber immer noch. Er kombiniert komplizierte Soundkulissen mit röhrenden Gitarrenriffs, Fröhliches mit Traurigem, Ernst mit Zynismus, Berg mit Flachland - das kommt davon, wenn man Tirolern Wiener Humor anlernt. 

Mit seinen Mitstreitern Maja Racki (lead voc), Martin Weismayr (ba), Daniel Grailach (guit) und Sasa Nikolic (dr) - Hubert Mauracher selbst werkt an Synthesizern und Keyboards - erweckte der 32-Jährige zwölf persönliche, tiefgehende und private Songs auf "Loving Custodians" zum Leben, die er in Deutschland aufnahm und im renommierten New Yorker Sterling Sound Studio masterte. 

Schon allein weil Mauracher, wie bei seinem rockigen Zweitling "Kissing My Grandma", auch diesmal die Nase weit über den Tellerrand streckte, geriet das neue Album zu einem musikalischen Puzzlespiel, bei dem man nach dem ersten Durchhören höchstens die vier Ränder beisammen haben kann. "Auch wenn sich das Album für manche vielleicht erst nach mehrmaligem hören erschließt, irgendwann packt es einen, und lässt nicht mehr los. Das war mir wichtig", sagt Hubert Mauracher, der beim Komponieren - so scheint es - einfach Leben und Erlebnisse die Feder führen ließ.

Betende Mädchen, mordende Entenviecher,...
Die erste Single "Rosary Girls" schrieb er nach einer unheimlichen Begegnung mit zwei Rosenkranz betenden Mädchen in einem Zugabteil, die ihn arg strapazierte. In "Sensitive Rocket" arbeitet er den Krebstod seines Hundes auf. "Ich habe einmal an einem See eine Ente beobachtet, die eine Biene gefressen hat, obwohl ich als Ablenkung versucht habe, sie mit Brot zu füttern", erzählt er die Geschichte von "The Duck Killed The Bee", wo ein Kinderchor zu schmetternden Gitarren Ohrwurmmelodien vorträgt.

Die Wechselwirkung von Vertrautheit und Panik beschreibt "Quiet", soundmäßig, dank dem görenhaften Timbre von Sängerin Maja Racki, zwischen Garbage und Skunk Anansie angesiedelt. Die skurrilsten Anekdoten stecken hinter den beiden letzten Songs "Free The Dogs" und "Tirana". Ersteren schrieb er über ein bulgarisches Dorf, wo Hunde in Weitschleuderwettbewerben als Geschosse missbraucht werden. "Tirana" entstand auf dem Rückflug von der albanischen Hauptstadt, als eine voll besetzte Boeing 737 eigens wegen Mauracher auf der Startbahn umdrehte, um die vom Flughafenpersonal vergessenen Instrumente einzuladen.

Was soll man da noch sagen? Diese Musik stoppt Turbinen!

9 von 10 Bergfexen im Flachland


Christoph Andert

PS: Mauracher gastiert am 19. Jänner in der Wiener Arena beim Geburtstagsfest von FM4 und tourt ab dann durch die Lande.

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