Di, 23. Jänner 2018

Am Set von Valkyrie

17.10.2007 16:58

Tom Cruise im Exklusiv-Interview

Hollywood-Star Tom Cruise stand drei Monate lang in Berlin für die Hauptrolle in „Walküre“ (Valkyrie) vor der Kamera. Er spielte den Hitler-Attentäter Claus Graf von Stauffenberg. Die „Krone“ bekam ein Exklusiv-Interview bei den Dreharbeiten. Und Cruise war über einige Fragen, die Hollywood-Expertin Elisabeth Sereda stellte, nicht sehr glücklich...

Elisabeth Sereda: Die deutsche Regierung verweigerte Drehgenehmigungen für mehrere historische Schauplätze - haben Sie sich überlegt, den Film woanders zu drehen und die Originalschauplätze nachzubauen?

Tom Cruise: "Nein, es gibt keinen anderen Ort, diesen Film zu drehen. Hier spielt die Geschichte. Eine andere Location stand niemals zur Diskussion. Wir filmten in einem Haus, in dem ich die Besitzerin kennen lernte, die 18 war, als man ihren Vater verhaftete. Er war ein Widerstandskämpfer. Und Stauffenberg war oft zu Gast in diesem Haus. Die Bombe, die Hitler umbringen sollte, wurde in diesem Haus versteckt."

Sereda: Hollywood hatte es bisher nicht oft geschafft, diese Story zu verfilmen. Was faszinierte Sie an der Geschichte?

Cruise: "Ich bewundere Stauffenberg aufrichtig. Es gab viele Menschen, die sich gegen Hitler und die Nazis stellten. Er widersetzte sich bereits 1938. Er war sehr offen in seiner Ablehnung. Das fand ich erstaunlich - er sprach sich offen gegen Hitler aus. Stauffenberg steht stellvertretend für alle Menschen, die damals gegen den Nationalsozialismus und die Nazis waren und wofür sie gestanden sind. Er wusste, er muss etwas unternehmen, und das kostete ihn letztlich sein Leben. Wenn ich mir historische Dokumente aus dieser Zeit ansehe, finde ich es noch immer schockierend, was da passiert ist."

Sereda: Kannten Sie Stauffenbergs Geschichte, bevor Sie beschlossen, diesen Film zu machen?

Cruise: "Nein, bevor ich Chris McQuarries Drehbuch las, wusste ich nichts über Stauffenberg. Ich hatte gehört, dass es mehrere Attentatsversuche auf Hitler gab. Aber ich wusste nichts über die Tiefe und Bandbreite des deutschen Widerstands. Ich engagierte sogar eine Person, die ich mit der genauen Recherche beauftragte, um herauszufinden, wie präzise das alles war. Denn das Letzte, was ich tun wollte, war einen Nazi zu spielen."

Sereda: Was passiert in der Szene, die Sie gerade drehen?

Cruise: "Stauffenberg kommt von der Front zurück, und seine Frau Nina überrascht ihn. Sie ist aus Bamberg zurückgekehrt, um ihn zu sehen. Berlin ist nicht mehr sicher zu diesem Zeitpunkt, es fallen Bomben. Seine Kinder sehen ihn zum ersten Mal ohne Hand, zwei Finger fehlen, er trägt eine Augenklappe, weil er ein Auge verloren hat. Es ist ein wunderbarer Moment im Film, denn er zeigt die Beziehung zwischen ihm und Nina."

Sereda: Stauffenbergs Sohn hat sich offen gegen Sie in der Rolle seines Vaters ausgesprochen - haben Sie jemals versucht, mit ihm zu kommunizieren?
(An dieser Stelle des Interviews unterbricht United-Artist-Chef Dennis Rice: Man möge sich doch mit Stauffenbergs Enkel Philipp von Schulthess unterhalten, der eine kleine Rolle im Film hat.)

Cruise: "Es gibt viele Familienmitglieder. Sie können sich ja mit Chris McQuarrie (dem Drehbuchautor) unterhalten."

Sereda: Haben Sie andere Familienmitglieder getroffen?

Cruise: "Ja. Und der Autor traf sie, und ihm haben sie viele Geschichten erzählt. Das war sicher sehr hilfreich, um die Beziehungen zu verstehen."

Sereda: Es wurde in den letzten Wochen sehr viel über den Widerstand der Deutschen gegen Sie und diesen Film geschrieben...

Cruise: "Ich möchte darüber wirklich nichts sagen... Ich will nur diese Geschichte erzählen. Alles andere ist nicht erwähnenswert. Ich fühle die Verantwortung, diese Geschichte zu erzählen. Dieser Film ist weder eine Biografie noch eine Dokumentation, okay. Jeder, der ihn sieht, soll selbst subjektiv entscheiden, wie sich das anfühlt, was dieser Mann durchgemacht hat. Das Drehbuch ist wundervoll. Die deutsche Crew ist ungeheuer hilfreich, so empfinde ich das. Und Berlin ist fantastisch. Tolle Parks, und es ist wunderschön. Ein sehr netter Platz zum Leben. Man kann auch nachts durch die Parks spazieren. Ich habe in New York gelebt, und für mich ist das sehr seltsam. Es ist sicher hier. Und jedes Mal, wenn ich einen Ostdeutschen treffe, zwinge ich ihn, mir seine eigene Geschichte zu erzählen. Ich kann gar nicht genug kriegen von Geschichten über den Fall der Mauer."

Sereda: Sie haben nun dieses legendäre Filmstudio United Artists gekauft, das früher die Bond-, die Rocky-, die Rosarote-Panther-Filme produzierte, "Das Schweigen der Lämmer", "Der mit dem Wolf tanzt" und viele Werke von Woody Allen. Was wollen Sie damit machen? Welche Art von Filmen wollen Sie produzieren?

Cruise: "Wie immer möchte ich das Beste machen, Storys finden, die interessant und packend sind, so wie "Walküre". Ich habe vor Jahren einen Film für United Artists gemacht, "Rainman", und genau nach solchen Projekten suchen wir. Ich möchte meine mit Filmemachern weiter fördern und mit ihnen gemeinsam Projekte entwickeln. Ich möchte künstlerfreundlich sein. Dafür ist United Artists immer gestanden. Ich bin immer noch das Kind, das nicht fassen kann, wie viel mir in meinem Leben schon passiert ist. Ich kann heute jeden Film machen, den ich machen will."

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