Di, 16. Jänner 2018

Foto-Affäre

24.08.2007 21:01

Strache gibt Kontakte zur "Wiking Jugend" zu

FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache hat vor Gericht Kontakte zur "Wiking Jugend" zugegeben. Ein veröffentlichtes Foto hatte diesen Verdacht nahegelegt. Er sei jedoch kein Mitglied der Organisation gewesen, sagte Strache nach der Verhandlung. Seit 1990 will er mit der "Wiking Jugend" allerdings nichts mehr zu tun gehabt haben. Die neonazistische Jugendorganisation ist in Deutschland 1994 verboten worden. Um das Foto, das Strache zeigen soll, herrschte am Donnerstag Verwirrung, nachdem ein Szene-Kenner behauptet hatte, dass es sich bei der fraglichen Person auf dem Bild nicht um den FPÖ-Chef, sondern um den bekannten Rechtsextremisten Andreas T. handeln soll.

Bei der Verhandlung im Wiener Straflandesgericht wurden zudem die "Spielkameraden" des FPÖ-Obmanns identifiziert, die der Öffentlichkeit durch verpixelte Fotos von wehrsportähnlichen Übungen bekannt sind. Geklagt hatte die Zeitung "Österreich".

Stadler-Einvernahme
Einvernommen wurden am Donnerstag einer von Straches damaligen Gefährten und der frühere innerparteiliche Strache-Rivale Ewald Stadler. Der FPÖ-Chef gab nach der Verhandlung zu, Kontakt zur "Wiking Jugend" gehabt zu haben. Er sei allerdings mit keiner verbotenen Organisation in Berührung gekommen. Er habe auch keine strafbaren Handlungen gesetzt, so Strache. Seine in Medien kolportierte angebliche Verhaftung an der innerdeutschen Grenze 1989 stellte Strache als Anhaltung zwecks Identifizierung dar.

Eine Tageszeitung hatte ein Foto publiziert, auf dem Strache im Kreise der "Wiking Jugend" abgebildet sein soll. Strache erklärte am Donnerstag, zu Silvester 1989 an der deutsch-deutschen Grenze an einer Aktion teilgenommen zu haben, bei der auch Mitglieder der Organisation anwesend gewesen seien. Ziel der Versammlung sei es gewesen, DDR-Bürgern "Care-Pakete" über die Grenze zu reichen. Danach will Strache mit der "Wiking Jugend" nichts weiter zu tun gehabt haben. Er wisse auch nicht, was mit der Bewegung passiert und wieso es zur Auflösung gekommen sei.

Im Gegensatz dazu sprach der im Zuge der Foto-Affäre aus der Partei ausgetretene Ewald Stadler vor Gericht von einem "Brotwunder" und einer "skurrilen Erklärung" Straches bei jener Parteivorstandssitzung im Jänner 2007, bei der die Jugendfotos besprochen wurden. Demnach habe Strache im Parteigremium erklärt, nicht verhaftet, sondern nur festgenommen worden zu sein. Der Parteichef hat laut Stadler außerdem behauptet, nach Deutschland gefahren zu sein, um "Brotkörbe über die Grenze zu werfen.

Verwirrung um Strache-Foto bei Wiking-Jugend
Jürgen H., aus der Szene ausgestiegen, sagte auf Anfrage, er könne nicht sagen, ob es sich auf dem Foto der Wiking-Jugend um Strache oder um T. handelt. Beides sei möglich. Er wollte auch nicht ausschließen oder bestätigen, dass er sich selbst auf dem Bild befindet. "Ich kann es nicht sagen, ich weiß es nicht", sagte er.

"Es kann sein, es kann aber auch nicht sein" - auch die FPÖ will sich nicht darauf festlegen, ob auf dem jüngst aufgetauchten Foto von angeblichen Mitgliedern der verbotenen "Wiking-Jugend" ihr Parteichef zu sehen ist. Strache und seine Mutter könnten nach "genauer Betrachtung des Fotos weder bestätigen noch ausschließen, dass es sich hierbei um ihn (Strache) handelt". Außerdem sei das Foto "völlig harmlos" und stelle "nichts Verbotenes" dar, hieß es in einer Stellungnahme der FPÖ-Generalsekretäre Herbert Kickl und Harald Vilimsky.

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