Mo, 23. April 2018

Duisburger Morde

17.08.2007 16:13

Phantombild liefert erste Hinweise

Auch zwei Tage nach der Ermordung von sechs Italienern in Duisburg hat die Polizei noch keine heiße Spur von den Killern, die zur italienischen Mafia gehören sollen. Mit der Veröffentlichung des Phantombildes von einem der Tatverdächtigen (siehe Bild) seien aber neue Hinweise eingegangen, so die Duisburger Kripo.

Unterdessen dauerte die Auswertung von Überwachungsvideos, die in der Nähe des Tatortes gemacht wurden, an. Die Aufnahmen seien von schlechter Qualität und die technische Aufarbeitung werde wohl über das Wochenende hinaus dauern, sagte der ein Polizei-Sprecher.

Fotos vom Tatort in der Diashow, siehe Infobox

Nach bisherigem Ermittlungsstand wird angenommen, dass Marco M. (25) das Hauptziel des Killerkommandos gewesen ist. Bei den Morden soll es sich um eine gezielte Racheaktion der Mafia gehandelt haben. Marco M. gilt als Hauptverantwortlicher für die Ermordung von Maria Strangio (33), der Ehefrau von Giovanni Nirta. Sie war am Christtag 2006 erschossen, ihr fünfjähriges Kind verletzt worden.

Phantombild am Donnerstag veröffentlicht
Am Donnerstagabend hat die Polizei ein erstes Phantombild veröffentlicht. Bei dem dunkelhaarigen Mann handele es sich um den Fahrer eines Wagens, der sich kurz nach der Tat Mittwoch früh mit hoher Geschwindigkeit fluchtartig aus der Umgebung des Tatortes entfernt habe, hieß es. Nach Angaben der Polizei hatten Zeugen in unmittelbarer Tatortnähe zwei Männer gesehen, die in eine auf dem Mittelstreifen der Straße geparkte größere, dunkle Limousine stiegen.

Der italienische Innenminister Giuliano Amato befürchtet, dass die Bluttat von Duisburg neue Rachemorde nach sich ziehen könnte. In San Luca, der Heimat von Marco M., wurden die Polizeikontrollen drastisch verschärft. Alle Spitzen der kalabrischen Polizei mussten aus dem Urlaub zurückkehren. Schließlich gab es in der Geschichte der Ndrangheta noch nie einen einzigen Vergeltungsschlag mit so vielen Toten. In Duisburg ermitteln Mafia-Jäger aus Kalabrien gemeinsam mit ihren deutschen Kollegen.

Bereits 18 Tote durch Mafia-Krieg
Hintergrund des Massakers ist der Krieg der Familien Strangio-Nirta und Pelle-Romeo, der schon im Jahr 1991 bei einer Faschingsfeier in San Luca begonnen hatte. Jugendliche beider Clans standen nebeneinander, erst flog ein Ei, dann ein Böller, es kam zum Streit. Seither kostete der misslungene Faschingsscherz bereits 18 Menschen das Leben.

Mächtigste Mafia-Organisation erreicht neue Dimension
„Die 'Ndrangheta (die Mafia in der süditalienischen Region Kalabrien) ist die mächtigste und blutrünstigste kriminelle Organisation in Italien. Um diese Art von Kriminalität zu bekämpfen, muss man die flüchtigen Mafia-Köpfe festnehmen und die finanziellen und politischen Verstrickungen der Clans verfolgen“, sagte Pisanu.

Die 'Ndrangheta habe eine immer internationalere Dimension errungen und sei immer stärker in Finanzkreisen verstrickt. „Gegen die Mafia braucht man nicht das Heer zur Kontrolle des Territoriums, sondern gut geschulte Ermittler, die die neue internationale Dimension der Mafia kennen“, betonte Pisanu.

Mordopfer waren zwischen 16 und 38 Jahre alt
Die sechs Italiener im Alter zwischen 16 und 38 Jahren waren nahe der Bahnhofs-Pizzeria in zwei Autos mit zahlreichen Schüssen regelrecht hingerichtet worden. Es sei ein „Blutbad“, ein kontrolliertes „Abschlachten“ gewesen, schilderten Zeugen den Tatort.

Die überwiegend aus Kalabrien stammenden Männer hatten in dem Lokal zuvor den Geburtstag eines 18-jährigen Lehrlings gefeiert, der ebenfalls zu den Opfern zählt. Die Tat ereignete sich kurz nach 2.00 Uhr. Eine Fußgängerin hat die Schüsse gehört und einen Streifenwagen angehalten, der zufällig in der Gegend war.

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