Mi, 17. Jänner 2018

Angriffslust

21.08.2007 11:44

Sony Ericssons P1i im Test

In Zeiten, wo jeden Tag ein iPhone auf den Markt kommen könnte, ist es vielleicht etwas gewagt, ein Non-Apple-Device ob seines berührungsempfindlichen Displays zu loben. Aber es ist der gewisse “Tatsch”, der Sony Ericssons neues Business/Freizeit-Handy P1i interessant macht. In anderen Bereichen, wie etwa der Logik des Menüs, könnte der neue Star aus dem japanisch-schwedischen Handy-Ensemble aber ruhig noch ein paar Nachhilfestunden beim Früchtchen aus Cupertino, California nehmen.

P1i-Eckdaten: 10,6 x 5,5 x 1,7 Zentimeter Größe, 124 Gramm schwer, 240 x 320 Pixel großer Touch-Screen, UMTS und GSM-Triband, 3,2 Megapixel Digicam mit Autofokus und Blitz + VGA-Cam für Videotelefonie, Bluetooth, WLAN, USB, 160 Megabyte interner Speicher mit Memory Stick erweiterbar, E-Mail-Unterstützung, SE-Player-Architektur, Radio, Bedienungsstift.

Die Tradition des Organizer-Handys pflegt man bei Sony Ericsson schon seit dem P900 – mit Erfolg. Beim P1i hat man aber nicht nur das Klappendesign des noch koexistierenden Vorgängers P990i geknickt, sondern sich bei Gehäuse und Auftreten an “normalen” Handys (konkret am M600i) orientiert. Dem Organizer/Freizeittelefon-Hybriden fehlt nun zwar die vollwertige QWERTZ-Tastatur und das klobige Äußere – dadurch nimmt man Kritikern gleichzeitig jede Basis, das Handy als “Sakkotaschen-Beule” und “Fummel-Computer” zu verhöhnen.

Was aber ist nun so anders am P1i als an vergleichbaren Modellen? Berechtigte Frage, zumal sich am von Sony Ericsson mit Opera-Browser (“wunderbar!”) und Musikplayer-Architektur (“von der Sony Audioabteilung aufs Auge gedrückt”) verfeinerten Symbian-Betriebssystem nicht viel geändert hat. Auch die integrierte Digitalkamera gleicht in Qualität (“Bilder auf Pennymarkt-Digicam-für-69,90-Niveau”) und Funktionalität (“schnelles Initialisieren, etwas zittriger Autofokus”) denen des Parade-Fotohandys K800i.

Was im Vergleich zu anderen Touchscreen-Handys dazukommt, ist Handschrifterkennung und besser auf das Display zugeschnittene Schaltflächen im Betriebssystem. Das hat zur Folge, dass man den an der Seite herauszuziehenden Bedienungsstift erst zur Hand nimmt, wenn man längere SMS oder Kalendereinträge tippt. Da die Handschrifterkennung auch dann nur eine feine Linie übers Display zieht, wenn man mit der ganzen Fingerkuppe aufsetzt, wird das Suchen von Kontakten und das Tippen bzw. Schreiben von kurzen “Heute Abend, 20 Uhr, Stadthalle”-SMS zum Kinderspiel.

Wer für längere Texte eine Tastatur braucht, kann entweder auf die improvisierte QWERTZ-Tastatur am Gerät (improvisiert, weil nicht jeder Buchstabe eine eigene Taste hat, sondern sich auf einer Taste immer ein Zeichen an jeder Kante befindet; also insgesamt zwei…) oder auf ein virtuelles, im Programm aufklappbares Keyboard, das durchaus Vorzüge bietet, zurückgreifen.

Aber eigentlich braucht man beide selten: Die Handschriftenerkennung reagiert schnell, aber gerade zeitverzögert genug, dass man aus dem kleinen L am Display mit einem Punkt noch ohne Hektik ein i machen kann. Auch bei der Digicam wird die Touchscreenfunktion gerne eingesetzt - wahrscheinlich um vorm tastenlosen iPhone nicht ganz nackig dazustehen. Dennoch “fliegt” man ganz geschmeidig und ohne Ruckler mit zarten Fingerbewegungen über große Fotos oder den herangezoomten Horizont bei der Live-Aufnahme.

Der Spaß am Fingerballett wird erst dann ein wenig trübe, wenn man versucht, große Konfigurationen am P1i vorzunehmen. Während man bei Menü-Meistern wie Nokia eine Grundeinstellung (Klingelton, Umgebungsprofile, Internet-Settings, Menü-Skin) in Sekunden hinbekommt, dauert’s bei Sony Ericsson etwas länger. Durch viele Untermenüs und weit (“weeeeeeiiiit!”) verzweigte Navigationsäste verliert man im Dickicht der Funktionen auch als geübter “Handy-Einsteller” schnell die Übersicht. Sind die Regeln aber einmal festgelegt, wird man von einer virtuell aufklappbaren Programmablage begrüßt, die sage und schreibe 15 Anwendungen von der Bildergalerie bis zum Pocket-Office beherbergt. Das Labyrinth der Systemsteuerung wird man ab diesem Moment nur mehr selten zu Gesicht bekommen.

Akkulauftzeit:
 444 Stunden Standby sind – no na – ein Witz, über den man auch bei Sony Ericsson lachen können wird. Allerdings sind die durchschnittlichen drei Tage Standby bei moderatem Telefonier-, Fotografier- und WLAN-Einsatz ganz in Ordnung.

Alarm: Beule am Kopf und frühmorgendliches Herzrasen. Wer die Lautstärke beim P1i-Alarm nicht drosselt, erwacht mit einem Herzkasperl und dem Schock seines Lebens.

Materialien: Vorne Metall (gebürstetes Aluminium?), hinten Plastik, das wie Metall aussieht oder aussehen solll – alles in allem aber ansprechend und solide verarbeitet.

Videoaufnahmen: Sind optisch okay, bei hoher Qualitätseinstellung aber nur mit Memory Stick zu bewerkstelligen. Ein echtes Greuel ist der Ton, da das Mikrofon bei etwas mehr als Zimmerlautstärke schon übersteuert und sich auch nicht drosseln lässt.

Display: Man achte darauf, immer saubere Hemden zu tragen, damit das Display beim häufigen Abwischen nicht schmutzig wird…

Browser: Der Sony-Ericsson-Symbian-Browser ist ganz nett. Wer wirklich surfen will – geht nur über WLAN, da kein HSDPA und UMTS viel zu lahm – sollte auf den etwas versteckt untergebrachten Opera-Mini-Browser zurückgreifen.

Preis: Gesehen ohne Anmeldung um 549,- Euro.

Fazit: Der Preis ist (verdammt) heiß, allerdings ist das Gebotene auch nicht von schlechten Eltern. Da wäre zum einen das vollwertige Organizer-Handy im Design-Schafspelz und zum anderen die im Gegensatz zum iPhone zwar weniger ausgeflippte, dafür aber flüssig und ohne eine einzige Macke umgesetzte Touchscreen-Bedienung, die noch dazu keine Wünsche offen lässt. Wer “Tatsch” will, kann hier nach Herzenslust zugreifen – die vergleichbaren Schwestermodelle aus der Haussschmiede kann man von nun an links liegen lassen.

 

Christoph Andert
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