Sa, 20. Jänner 2018

"Sanft entschlafen"

13.08.2007 11:49

Regisseur Franz Antel gestorben

Filmregisseur Franz Antel ist in der Nacht auf Sonntag im 95. Lebensjahr im Pflegeheim "Haus an der Türkenschanze" in Wien-Währing gestorben. Ein Sprecher von Antels Frau Sybille gab die traurige Nachricht am Sonntagvormittag bekannt. "Frau Antel wünscht, dass wir mitteilen sollen, der Regisseur sei sanft entschlafen." Von den vielen Vertrauten Antels meldete sich auch Karl Merkatz, Antel-Freund und Hauptdarsteller der "Bockerer"-Filme, zu Wort. "Er war ja immer voller Pläne", erinnert er sich an den Altmeister des heimischen Unterhaltungskinos. Laut Merkatz wollte Antel sogar noch einen fünften Teil der "Bockerer"-Serie drehen.

„Mir tut die Nachricht weh“, trauert Schauspieler Karl Merkatz („Mundl“) um Franz Antel. „Es berührt mich wirklich, weil wir uns sehr angefreundet haben. Ich bin berührt, aber nicht verblüfft, denn es ging ihm zuletzt sehr schlecht.“ Man habe sich schon einige Zeit nicht persönlich gesehen, „aber wir haben immer wieder miteinander telefoniert. Er war ja immer voller Pläne. Er wollte noch einen fünften 'Bockerer', und als das nicht ging, hatte er Pläne für einen anderen großen Film. Er konnte nicht aufhören. Aber er wusste, dass jede Geschichte einmal zu Ende geht.“

„Er war ein sehr ehrenhafter Mensch“, versichert Merkatz, „und er stand noch mit 90 wie ein Junger immer voll hinter der Sache.“ Antel habe seine Filme immer selbst finanziert und bei seinem großen Flop mit dem Johann-Strauß-Film dafür auch bitter bezahlen müssen. Obwohl Antel zunehmend schlechter stehen konnte, habe er bei den Dreharbeiten nie sitzen wollen. „Er stand immer neben oder hinter der Kamera.“ Obwohl er durchaus auch Meinungsverschiedenheiten mit ihm gehabt habe, könne er sagen: „Er ließ mich laufen.“

Merkatz zum „Bockerer“: „Ich war sehr froh über diese Arbeit“
Für die Hauptrolle im Film „Der Bockerer“ habe er damals freudig zugesagt, denn einerseits habe sich ja kein anderer Regisseur für die Verfilmung des Theaterstücks von Ulrich Becher und Peter Preses interessiert, anderseits habe Antel in „Oberst Redl“ mit Größen wie Ewald Balser und Oskar Werner oder bei „Hallo Dienstmann“ mit Hans Moser und Paul Hörbiger gearbeitet gehabt.

„Ich war sehr froh über diese Arbeit, die mir auch einigen Erfolg gebracht hat. Beim ersten ‚Bockerer’ stehe ich hundertprozentig dahinter.“ Bei den späteren Fortsetzungen habe er Bedenken gehabt, schließlich sei die Rolle des Bockerer nur für die Nazizeit schlüssig gewesen. „Aber Antel wollte es unbedingt machen, und es hätte mir leidgetan, Nein zu sagen.“

Antel war ins einem Leben an über 100 Film- und Fernsehproduktionen beteiligt. Der Sohn eines Postbeamten und einer Hausfrau wurde mit Titeln wie "Der alte Sünder", "Hallo Dienstmann", "Oberst Redl" oder "Der Bockerer", aber auch mit seinen berühmt-berüchtigten Sexfilmchen der 60er und 70er Jahre zum Inbegriff des heimischen Unterhaltungsfilms. Außerdem war der Regisseur über Jahrzehnte einer der wenigen Fixsterne am österreichischen Society-Himmel.

Programmschwerpunkt im ORF
Der ORF ändert anlässlich des Todes von Franz Antel sein Programm und zeigt von Montag bis Sonntag auf ORF2 insgesamt neun Filme des Regisseurs und am Mittwoch ein Porträt des Altmeisters.

Zu sehen sind alle vier "Bockerer"-Episoden:
"Der Bockerer" am 14.8. um 22.30 Uhr
"Der Bockerer 2 - Österreich ist frei" am 15.8. um 23.30 Uhr,
"Der Bockerer 3 - Die Brücke von Andau" am 17.8. um 22.45 Uhr
"Der Bockerer 4 - Prager Frühling" am 19.8. um 21.55 Uhr

Außerdem wird der legendäre Streifen "Hallo Dienstmann!" (15.8., 13.50 Uhr) gezeigt sowie "Johann Strauß - Der König ohne Krone" (15.8., 11 Uhr), "Ooh... diese Ferien" (18.8., 13.10 Uhr), "Liebesgrüße aus Tirol" (18.8., 14.35 Uhr) und "Kaiserball" (19.8., 14.25 Uhr).

Aktiv bis ins hohe Alter
Bis ins hohe Alter war Franz Antel aktiv. Noch im Vorjahr hatte er sein letztes, im Molden Verlag erschienenes Buch "Servus Franz, grüß Dich!", in seinem Stammcafe Bellaria vorgestellt. Die Präsentation des Bandes, der sein Leben in Fotos und Anekdoten nachzeichnete, wurde - wie meist, wenn die österreichische Filmlegende persönlich auftrat - zu Society Event und Labestation: Unter Freunden war sein Szegediner Krautfleisch, das es sogar als "Dosenfutter" gibt, ebenso legendär wie sein Filmschaffen.

Nach einem Sturz blieb dem bis dahin hoch agilen Regie-Altmeister nichts anderes mehr übrig, als sich in Pflegebetreuung zu begeben. "Es ist das schönste Seniorenheim in Österreich", rühmte er das "Haus an der Türkenschanze". Seinen 94. Geburtstag feierte die österreichische Filmlegende, die 2005 vom Fachverband der Kinos Österreichs zum Jubiläum "75 Jahre hinter der Kamera" geehrt wurde und 2006 den Udine-Preis für das Lebenswerk eines Nachwuchsförderers erhielt, vor wenigen Wochen ohne rauschende Feste.

"Auch ein schlechter Ruf verpflichtet!"
Antel, geboren am 28. Juni 1913 in Wien und seit 1930 in der Filmwirtschaft tätig, arbeitete zuerst als Regie- und Kameraassistent, dann als Produktionsleiter. Nach der Rückkehr aus der russischen Gefangenschaft drehte er ab 1948 als Regisseur Unterhaltungsfilme, deren Spektrum von Sexfilmchen bis zu anerkannten Streifen wie "Hallo Dienstmann" oder "Der Bockerer" (dem er drei Fortsetzungen folgen ließ) reichte. 2001 gab Antel seine Memoiren "Verdreht, verliebt, mein Leben" heraus, und fasste seinen Umgang mit der öffentlichen Meinung über ihn so zusammen: "Auch ein schlechter Ruf verpflichtet."

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