Skurriler Job

Als Food-Stylist wird Geschmack sichtbar gemacht

Jeder kennt die wunderschönen Bilder in Kochbüchern, Magazinen und auf Produktverpackungen. Damit die Speisen darauf auch so appetitanregend aussehen, müssen sie entsprechend drapiert werden - von Food-Stylisten. "Man muss den Geruch, die Temperatur und Textur sowie den Geschmack allein über den Sehsinn spürbar machen", erklärt Saša Asanović , der seit zwölf Jahren als Food-Stylist tätig ist.

Hinter den Hochglanzfotos von zubereiteten Speisen in Kochbüchern und Magazinen steckt sehr viel Arbeit. Der Food-Stylist ist dafür verantwortlich, die Lebensmittel nicht nur besonders schön anzurichten, sondern ihren Geschmack und Geruch über das Bild erlebbar zu machen. Das ist nicht immer einfach und erfordert auch viel Zeit. Von einem Gericht müssen oft zahlreiche Fotos gemacht werden, bis es so aussieht, wie der Kunde es sich vorstellt. "Man muss die Frische des Produkts wiedergeben, damit der Konsument am liebsten sofort reinbeißen will", weiß Stefan Hobel, der seit 2004 als selbstständiger Food-Stylist und Food-Fotograf arbeitet. Diese Konstellation hält er für sehr wichtig: "Man braucht beides in diesem Metier. Man muss auch wissen wie ein Fotograf denkt, um das Beste für den Kunden herauszuholen."

#Herausforderungen

Das ist jedoch nicht immer einfach. "Die Kunden sind sehr anspruchsvoll und qualitätsorientiert. Manchmal müssen Produkte zu Jahreszeiten fotografiert werden, wo sie bei uns aber nicht erhältlich sind. Dies ist dann oft wirklich eine Herausforderung, weil sie auch mal von der anderen Seite der Welt extra eingeflogen werden müssen", so Hobel. Aber nicht nur die Auftraggeber sind eine Herausforderung: Nicht jedes Lebensmittel lässt sich gerne schön drapieren. "Gebäck ist relativ dankbar, Salat und Kräuter sind sehr heikle Zeitgenossen", weiß Food-Stylist und leidenschaftlicher Koch Franz Karner von foodworx. Die größte Herausforderung ist für ihn, die Originalprodukte für Verpackungen relativ unverfälscht gut aussehen zu lassen. Für Saša Asanović von food artists sind die vermeintlich einfachsten Gerichte die schwierigsten: "Eis, Pizza und Ragouts sind eine eigene Wissenschaft."

#Es muss natürlich wirken

Wichtig ist vor allem, dass die Kamera mehr sieht, als das Auge beim Betrachten der Speise. "Frische, Appetite Appeal und das, ohne künstlich oder gestaltet zu wirken, 'homemade' soll es aussehen, aber nicht schlampig oder gar ungustiös", bekräftigt Karner. Der Job bringt immer neue Herausforderungen, auch für Models. "Wenn wir mit ihnen arbeiten, können sich manche trotz strikter Anweisung nicht an das 'Du darfst nicht ungefragt essen, was am Set ist' halten. Das ist dann oft ganz lustig", schmunzelt Asanović , der sich unter anderem für die lachenden Würstel von Mautner Markhof, die Bilder vom Strudel von Landtmann sowie das Östereich-Schnitzel von AMA verantwortlich zeichnet.

#Jeder hat seinen Preis

Aufträge für Food-Stylisten kommen von Magazinen, Lebensmittel- und Getränkeherstellern sowie Restaurants. "Ich schätze besonders Jobs für Kunden, die meinen Vorstellungen von Political Correctness entsprechen", betont Karner. Das Honorar ist stets unterschiedlich. "Je nach Aufwand und Auftragsvolumen verlange ich 800 bis 1200 Euro Tageshonorar. Das ist aber bei jedem Food-Stylisten anders", erzählt Asanović . Stefan Hobel ist laut Eigenbeschreibung Perfektionist: "Viele können sich gar nicht vorstellen, wie viel Aufwand hinter einem Bild steckt. Da arbeitet man für ein Projekt schon einmal drei Tage lang." Zu seinen Kunden zählen unter anderem Kotanyi, AMA und Lidl.

#Food-Stylist vs. Food-Blogger

Eine Konkurrenz für Food-Stylisten sind die zahlreichen Blogger, die gerne jede Speise auf ihrem Teller für ihre Follower fotografieren. Diese Veränderung spürt auch Karner, der seit 2004 als Selbstständiger in diesem Metier arbeitet: "Sagen wir mal so, es wird nicht leichter. Wieviel Erfahrung und Engagement hinter meinem Beruf steht, ist mit Food-Blogging nicht zu vergleichen." Auch Asanović spürt die Veränderung. "Es wird viel mehr mit 'shabby' Porps gearbeitet wie altes Holz und rostige Löffel und so vom eigentlichen Produkt abgelenkt", meint er. Die Dekoration für die Fotos ist ebenfalls Sache des Food-Stylisten. Hobel sieht die Blogger vor allem als Konkurrenz zu den gewerblichen Fotografen. Auftraggeber wären nicht mehr bereit, so viel zu bezahlen. "Das Positive ist aber, dass sie neue Ideen auf den Markt bringen", findet Hobel.

#Lieblingsessen

Produkte, die nicht perfekt sind, perfekt zu machen, ist eine weitere Herausforderung. "Das klassische Beispiel dafür ist die Wurstsemmel. Man möchte gar nicht glauben, wie schwierig sie aufzubereiten ist", erläutert Hobel. Zu perfekt darf es jedoch auch nicht sein. "Es darf nicht zu steril wirken, sondern soll natürlich und appetitlich aussehen. Denn die Hausfrau traut sich das Gericht eher nach zu kochen, wenn es nicht zu perfekt aussieht. " Und was ist eigentlich das Lieblingsessen von Food-Stylisten? "Jedes, das mit Liebe zubereitet wurde", sagt Karner. Für Asanovič sind es "die Kutteln von Mama". Tafelspitz mit Röstkartoffeln und Spiegelei ist Stefan Hobels Leibspeise. Schöne Fotos können sie von den Gerichten sicher alle machen. Wer ebenfalls Appetit darauf bekommen hat: Saša Asanović, der in Hollywood die Masterclass of Food-Styling absolviert hat, bietet die ersten Workshops dieser Art auf Profi-Niveau in Europa an.

Jänner 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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