Do, 26. April 2018

Selbstüberschätzung

22.01.2018 09:22

Ein Appell an die Vernunft auf der Skipiste

Laut aktuellen Erhebungen der Alpinpolizei steigt die Zahl der Verletzungen am Berg: 7807 waren es österreichweit im vergangenen Jahr - die "Krone" berichtete. Zahlreiche Unfälle passieren im gesicherten Skiraum. Die Gründe dafür sind vielfältig, mehr Vernunft auf der Piste könnte das Gefahrenpotenzial aber senken.

"Skipisten sind wie Autobahnen", sagt Peter Veider, Geschäftsführer der Bergrettung Tirol. Das Problem dabei: Zu wenig Menschen halten sich an die "Verkehrsregeln". Dabei gibt es zehn Regeln der "Federation Internationale de Ski", (siehe unten), durch deren Einhaltung viele Unfälle vermieden werden könnten. "Die Regeln muss man nicht auswendig lernen, nimmt man aber die Vernunft mit auf den Berg, ergeben sie sich von selbst," schildert Peter Veider. Denn wie beim Autofahren sollte man auch auf Skiern vorausschauend fahren, um im Fall rechtzeitig bremsen zu können.

Selbstüberschätzung

Viele Wintersportler seien aber viel zu schnell unterwegs und überschätzen zudem ihr Können. Die Gründe dafür sieht Peter Veider unter anderem in der Entwicklung des Sportes: "Früher konnte man aufgrund der Pistenverhältnisse und Skier gar nicht so schnell fahren wie heute. Auch werden die Aufstiegsmöglichkeiten immer schneller. Während man vor ein paar Jahren noch 15 Minuten im Lift saß und somit eine Ruhezeit hatte, ist man heute in fünf Minuten am Gipfel - der Körper kann sich nicht erholen", erklärt Veider.

Sicherheitsausrüstung

Aber nicht nur Ski, Snowboards und Co. haben sich entwickelt, auch die Sicherheitsausrüstungen und die Bewusstseinsbildung rund um das Thema sind immer besser geworden. Kaum jemand ist heute noch ohne Helm auf der Piste. Das ist eine erfreuliche Entwicklung, trotzdem darf man das Risiko nicht außer Acht lassen, wie Veider erklärt: "Nur, weil ich einen Airbag habe, fahre ich doch deswegen auch nicht schneller." Von Strafen hält der Alpinist aber nichts: "Am Beispiel Helm sieht man, dass durch Prävention und Bewusstseinsbildung viel mehr erreicht werden kann."

Sensibilisierung

Wie die Erhebungen der Alpinpolizei ergaben, ist der Tod am Berg männlich: Es verunglückten österreichweit im vergangenen Jahr 38 Frauen und 245 Männer. "Das ist extrem erschreckend", sagt Veider und appelliert an alle Männer: "Weniger riskieren - und viel vernünftiger werden." Alle Wintersportler sollten aber mehr auf den eigenen Körper hören: Ruhepausen einhalten, regelmäßig Fitness betreiben und Alkohol erst dann konsumieren, wenn die Skier abgeschnallt sind.

Die FIS-Pistenregeln:

  • Rücksichtnahme auf andere Skifahrer : Jeder muss sich so verhalten, dass er niemand anderen gefährdet oder schädigt.
  • Beherrschung der Geschwindigkeit und Fahrweise, auf Sicht fahren. Geschwindigkeit und Fahrweise auf Können, Verhältnisse & Dichte anpassen.
  • Wahl der Fahrspur: Der von hinten Kommende muss seine Fahrspur so wählen, dass er Skifahrer vor sich nicht gefährdet.
  • Überholen: Dem überholten Skifahrer genügend Raum für seine Bewegungen lassen.
  • Einfahren und Anfahren: Vor dem Losfahren nach oben und unten vergewissern, ob keine Gefahr besteht.
  • Anhalten: Enge oder unübersichtliche Stellen zum Anhalten vermeiden - nach einem Sturz so schnell wie möglich räumen.
  • Aufstieg und Abfahrt: Immer den Rand der Abfahrt benutzen.
  • Beachten der Zeichen
  • Hilfe: Bei Unfällen ist jeder zur Hilfeleistung verpflichtet.
  • Ausweispflicht: Jeder Skifahrer, ob Zeuge oder Beteiligter, ob verantwortlich oder nicht, muss im Falle eines Unfalles seine Personalien angeben.

Anna Haselwanter, Kronen Zeitung

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