Mi, 25. April 2018

Raub-Serie:

19.01.2018 22:27

Überfälle waren "spontan und zufällig"

Sieben Raubüberfälle innerhalb von nur 20 Tagen: Nein, keine Schwerverbrecher, sondern acht Jugendliche (zwischen 17 und 18 Jahren) saßen deswegen im Landesgericht Salzburg. Kellner, Trafikanten aber auch Passanten waren die Opfer. Jedoch ging es ihnen nicht um Geld, vielmehr war den Burschen einfach langweilig.

In unterschiedlichen Besetzungen soll das Oktett die Raubserie verübt haben: "Immer mit Waffe und Maskierung", betonte Anklägerin Karin Sperling zu Prozessbeginn. Die Hälfte der Angeklagten war im Tatzeitraum - 23. Juni bis 12. Juli - arbeitslos, zwei sind Lehrlinge, einer Schüler. Bis auf zwei Afghanen und einen Russen sind alle Österreicher - die meisten mit Migrationshintergrund. Und keiner hat Schulden: Geldnot war auch nicht das Hauptmotiv. "Man hatte einfach zu viel Zeit und zu wenig zu tun", fasste es Verteidiger Peter Lechenauer zusammen. Diesen Gedanken teilten Prozessbeobachter im fast vollen Verhandlungssaal, als der Hauptangeklagte - ein unbescholtener Schulabbrecher (17) - in der Mitte saß: "Wir haben uns zufällig getroffen und dann spontan einen Raub gemacht", erzählte er über den ersten Überfall auf das Maxglaner Gasthof Einkehr. Der eigentlich Geständige konnte sich dann nicht mehr erinnern, woher die Waffe kam. Erst auf Nachfrage gab er zu: "Ich habe sie mir ausgeliehen."

Acht junge Angeklagte, sieben Raubüberfälle, ein Prozess

Diese Schreckschusspistole trug er laufend bei sich - sie kam bei Überfällen auf einen Imbiss, zwei Trafiken und drei Passanten ebenso zum Einsatz. Auf Nachfrage meinte der Bursch: Sie gäbe ihm Sicherheit. Weil: "Er hatte keine Intention Gewalt anzuwenden. Sobald es Widerstand gab, setzte er keine Tathandlung", erklärte sein Verteidiger, Robert Morianz, im Eröffnungsplädoyer.

Großteils sind sie geständig

So lief er beim dritten Überfall am 28. Juni auf einen Imbiss nahe der Getreidegasse davon, als die Mitarbeiter zu schreien begannen. Davor hat der mit einer Skimaske verschleierte 17-Jährige seine Pistole auf die Opfer gerichtet, repetierte sogar. Seinen Komplizen habe er vorher "zufällig" getroffen, meinte er auch hierzu. Noch am selben Tag kam es zu einem weiteren Überfall auf eine Trafik in der Münchner Bundesstraße. 3.200 Euro und drei Packerl Tschick war die Beute. Ende Juni überfielen drei Jugendliche einen Bekannten in seiner Wohnung. Ab Juli wurden die Fälle deutlich brutaler: Einem Drogenhändler wurde im Volksgarten Messer und Pistole an den Kopf gesetzt - Beute: 120 Euro plus Handy. Das einzige Faktum, bei dem sich keiner verantwortlich fühlt, ist der Überfall auf die Trafik in der Siebenbürgerstraße: Hier konnte die Trafikantin die Täter verjagen, erlitt aber eine Platzwunde am Kopf.

Opfer immer mit Schreckschusspistole bedroht

Das Ende der Raubserie markierte der wohl verwerflichste Überfall: jener auf eine Passantin am 12. Juli in Lehen. Der Hauptangeklagte hatte damals den Bus verpasst, und soll "aus Zeitvertreib", so Morianz, der Frau ihre Handtasche gewaltsam entrissen haben. Danach kam er in U-Haft und gestand alles. Nächste Woche wird weiterverhandelt.

Antonio Lovric, Kronen Zeitung

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