So, 22. April 2018

Cross? Over!

22.01.2018 15:38

Citroen C3 Aircross: Picasso fährt auf Wolke 7

Style gehört zum Wichtigsten, was Citroen in seine Autos hineinbaut, um sich zu unterscheiden. Was früher Avantgarde war, ist heute poppig, bunt und ein bissl anders. Das gilt ganz besonders für den Citroen C3 Aircross, dem man beim besten Willen nicht ansieht, dass er technisch gesehen ein Opel Crossland X ist. Doch er opfert der Optik keinen Deut an Alltagstauglichkeit. Der kleine Springinsfeld ist praktisch und sehr komfortabel.

Die Diskussion, ob er ein SUV oder ein Van oder ein Sonstwas ist, sparen wir uns hier. Auch das Modewort Crossover kann ich nicht mehr hören. Der Citroen C3 Aircross ist der Nachfolger des C3 Picasso, beim Generationswechsel etwas gewachsen und ein sehr geräumiger, kleiner Kompaktwagen, der auf 4,15 Meter Länge mehr unterbringt als manch größerer Kompakter.

Auffälliger als die meisten ist er sowieso. Hoch angebrachte Tagfahrlicht-LED-Schlitze werden von Chromspangen umfasst, die sich aus dem Markenlogo herausziehen. Die Scheinwerfer befinden sich hinter großen Klarglasscheiben in der Form quergelegter Lkw-Rückspiegel. Angedeutete Offroadinsignien sind reine Designzutaten, die ganze Form des Franzosen knutschig-knuddelig.

Der FahrerInnenplatz ist leicht erhöht und erlaubt beste Übersicht über den mächtigen, Van-artigen Vorderwagen und alles, was davor passiert. Wenn sich der Blick nicht ablenken lässt vom kreativen Innenraum, der vor allem mit der aufpreispflichtigen Zweifarbigkeit im Testwagen recht chic daherkommt.

Richtig viel Platz und richtig flexibel
Die wahren Fähigkeiten liegen jedoch im relativ opulenten Platzangebot. Man sitzt sowohl vorn auch als hinten sehr großzügig und bequem, selbst wenn vier 1,90 Meter große Menschen Platz nehmen. In dem Fall passen in den Kofferraum 410 Liter Gepäck. Der Clou ist die (ab Ausstattung "Shine") um 15 Zentimeter geteilt verschiebbare Rücksitzbank, die zwar die Kniefreiheit in Reihe zwei auf Null verringert, das Ladevolumen hingegen auf 520 Liter erweitert. 60:40 umklappbar ist die Rückbank schon in der Basisausstattung. Die Skidurchreiche gibt es erst ab Shine.

Macht nicht den Reifenfehler!
Wir werfen per Knopfdruck den 120 PS starken 1,6-Liter-Turbodiesel an und legen ambitioniert los - was die Vorderräder zu einem munteren Zerren an der Lenkung animiert. Später, auf nasser Straße, wird das noch schlimmer, weil auf dem Testwagen Allwetterreifen (Hankook Kinergy 4s) montiert sind, die jede Regenfahrt zur Rutschpartie machen.

Auf der anderen Seite zeigt das Zerren natürlich, dass der Motor schon recht früh ein gutes Drehmoment liefert: maximal 300 Nm bei 1750/min., da ist der Turbogedenkmoment recht kurz. Wenn man das Sechsgang-Schaltgetriebe gut erwischt (manchmal hakt es zwischen zweitem und drittem Gang), schafft man den Sprint auf 100 km/h in 9,8 Sekunden, das Höchsttempo ist bei 183 km/h erreicht.

Für die Klasse erstaunlich komfortables Fahrerlebnis
Ansonsten fährt sich der Citroen C3 Aircross sehr komfortabel. Das Fahrwerk gleicht auch sehr schlechte Straßen einigermaßen geschmeidig aus, das Geräusch im Innenraum bleibt auch auf der Autobahn auf angenehm niedrigem Niveau. Auf der anderen Seite darf man sich natürlich keine sportlichen Fahreigenschaften erwarten. Die Lenkung ist recht gefühllos, das Fahrwerk untersteuernd ausgelegt und wenn man die Sitze nach Seitenhalt fragen würde, hätten sie auch dann keine Antwort parat, wenn sie sprechen könnten. Defensiv ist auch der Auffahrwarner, der öfter warnt, als mir lieb ist. Aber das wird wohl an meinem Fahrstil liegen.

Allradantrieb wird nicht angeboten. Wird es rutschig, soll die Traktionshilfe "Grip-Control" (ab Shine) für Vortrieb sorgen. Besser wären jedoch bessere Reifen.

Einziges echtes Komfortmanko ist die Heizung, die deutlich zu lange braucht, bis sie bei leichten Minusgraden für angenehme Temperaturen im Innenraum sorgt. Auf der Heimfahrt vom Nassfeld Richtung Wien hat es (bei ca. -1 Grad) etwa zwei Stunden gedauert. Tipp für die Bestellung: Nicht die Sitzheizung vergessen - die ist bei jedem Ausstattungsniveau aufpreispflichtig.

Bedienung per Touchscreen
Ab der Ausstattung "Feel" wird der C3 Aircross über einen 7-Zoll-Touchscreen bedient. Der reagiert nicht immer auf Anhieb, hat zu kleine Schaltflächen und ist auch nicht der übersichtlichste. Aber er ist halt so en vogue! Trotzdem braucht eine Klimaregulierung dezidierte Schalter statt Displayintegration. Und die Scheibenwischerbedienung erhärtet den Verdacht, dass in der Entwicklungsabteilung Leute sitzen, die nicht selbst Auto fahren: Den Hebel nach unten drücken löst ein einmaliges Wischen aus - zusätzlich aktiviert es aber auch die Wischautomatik (die miserabel funktioniert). Drückt man den Hebel nochmals, wird nicht gewischt, sondern lediglich die Automatik abgeschaltet. Zum Glück gibt es zusätzlich eine Intervallschaltung.

Klappern gehört zum Kunstwerk
Zwei Dinge können einem den Spaß am Citroen C3 Aircross verderben. Kleinigkeiten. Zum einen nicht verwendete Sicherheitsgurte: Die klappern an der Verkleidung. Auf der Rückbank lässt sich das vermeiden, wenn man sie in die vorgesehene Lasche an der Lehne einhängt. Hat man die Lehne umgeklappt, geht das allerdings nicht. Und am Beifahrersitz gibt es keine Lasche. Da hilft nur, nicht allein zu fahren oder aber die Schnalle im Gurtschloss einzuklinken.

Punkt zwei: Der Spurverlassenswarner warnt nur akustisch, per Piepston. Das ist prinzipiell schon mal unsinnig, aber in diesem Fall besonders lästig, weil man diesen Assistenten nach jedem Motorstart neu deaktivieren muss. Und dann leuchtet ständig eine orangefarbene Kontrollleuchte am Tacho.

Unterm Strich
27.500 Euro kostet der Testwagen mit dem 120-PS-Diesel, was angesichts der Ausstattung verhältnismäßig günstig ist. Mit dabei ist hier zum Beispiel das "Techno-Paket HiFi" um 750 Euro, das Mirror Screen, Kabellose Smartphone Aufladung, HiFi Soundsystem und das hervorragend ablesbare Head-up Display umfasst. Stoff/Leder-Kombi, Rückfahrkamera usw. sind auch an Bord. Eine Zweizonen-Klimaautomatik ist nicht erhältlich.

Die Basisversion des Citroen C3 Aircross ist ab 15.490 Euro zu haben: An Bord ein 82-PS-Benziner, der nervtötende, piepsende Spurhalteassistent, ein Tempomat, aber weder Radio noch Klimaanlage! Das gibt es erst ab Feel um 2000 Euro mehr.

So ist der Citroen C3 Aircross also ein ganz peppig-poppiges Familien- und Freizeitmobil, mit dem es sich gut leben lässt, wenn man seine sportlichen Ambitionen nicht beim Autofahren, sondern im Freizeitsport auslebt.

Warum?

  • Poppige Optik
  • Komfortables Fahrverhalten

Warum nicht?

  • Unnötiger Pieps-Spurwarner, der nicht deaktiviert bleibt

Oder vielleicht …

… Opel Crossland X, Renault Captur, Fiat 500L Cross

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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