Öffi-Securitys:

"Wir sind nicht nur zum Strafen und Ermahnen da"

Seit einem halben Jahr sind sie bereits in der Wiener U-Bahn unterwegs, um den täglich zweieinhalb Millionen Fahrgästen der Wiener Linien mit Rat und Tat zur Seite zu stehen: Die Security-Mitarbeiter. Ausgestattet mit roter Sicherheitsweste, Funkgerät, Abwehrschaum und Notfallset sorgen sie für die Einhaltung der Hausordnung und erhöhen das subjektive Sicherheitsgefühl der Wiener und Touristen. Immer gern gesehen sind sie aber trotzdem nicht.

Der 26-jährige Michel ist Quereinsteiger und war bis vor kurzem noch im Einzelhandel tätig. "Ich habe mich für diesen Job entschieden, weil der Leistungsdruck nicht so hoch ist. Hier muss ich nicht täglich gewisse Verkaufszahlen präsentieren. Jedoch habe ich mit Menschen zu tun, was mir bei einer Arbeit sehr wichtig ist", erzählt er im City4U-Talk. Seine Kollegin Claudia ist seit Oktober 2017 als Security im Wiener U-Bahn-Netz unterwegs. Vorher war die 37-Jährige als Kellnerin beschäftigt.

#Die richtigen Umgangsformen

Bevor sie ihre siebeneinhalb-stündigen Arbeitstage beginnen konnten, stand ein fünfwöchiges Training am Programm. "Dort wurde man kommunikativ geschult und weiterführend im Umgang mit verschiedenen Ethnien. Ich kann mit einem Russen zum Beispiel nicht so reden wie mit einem Araber. Genauso wie ich mit einem jungen Menschen nicht so wie mit einem alten spreche", erklärt Michel. Kommunikative Stärken sind in diesem Job unerlässlich, schließlich muss man Menschen oft auf ihr Fehlverhalten bezüglich der Hausordnung ansprechen, was erfahrungsgemäß nicht bei jedem gut ankommt. Trotzdem gehe es in diesem Beruf aber nicht in erster Linie um das Ermahnen oder Bestrafen, sondern ums Helfen.

#Handtaschen, Raucher, Skater

"Einmal hat eine Dame ihre Handtasche verloren und ist panisch zu mir gekommen. Es ist schön, wenn man Menschen in solchen Situationen helfen kann", bekräftigt Claudia. Wer denkt, die Securities seien nur dazu da, um Strafen für das unerlaubte Rauchen am Bahnsteig zu verteilen, der irrt: "Wir sind nicht nur zum Ermahnen der Leute da. Unser Tätigkeitsfeld ist breit gefächert", sagt Michel. Natürlich müsse man Passagiere häufig auf die Hausordnung aufmerksam machen: "Ein Skater ist einmal am Hauptbahnhof auf dem rammelvollen Bahnsteig in etwa 30 Zentimeter vor dem Abgrund zu den Schienen gefahren. Da hab ich mir schon gedacht 'Ich glaube, dein Leben ist dir mehr wert, als dein Verhalten annehmen lassen würde'." Oft fielen den Leuten auch Gegenstände auf die Schienen und sie wären froh, wenn ein Security-Mitarbeiter in der Nähe ist und ihnen bei der Bergung ihres Hab und Guts helfen würde, meint Claudia.

#Man ist an vielem Schuld

An den großen Bahnhöfen wie West- und Hauptbahnhof, Karlsplatz, Stephansplatz und Praterstern gibt es Stationsdienste, die stets in Zweiergruppen bestritten werden. Obwohl ihnen die meisten Fahrgäste wohlwollend und dankbar gegenüberstehen, gibt es natürlich auch das Gegenteil. "Am Praterstern hat ein betrunkener Herr einmal kein WC gefunden. Es war schon sehr spät und sie waren alle schon zu. Daraufhin hat er uns beschimpft, weil er meinte wir hätten aus Boshaftigkeit alle WC's versperrt", erläutert Claudia und ergänzt: "Ein anderes Mal gab einer uns persönlich die Schuld, weil die Fahrkartenpreise erhöht wurden." Man sei eben oft der erste und sichtbarste Ansprechpartner und müsste sich daher auch viele Beschwerden anhören. "Das skurrilste für mich war, als mich ein Zwölfjähriger 'Arschloch' beschimpft hat. Da war ich schon baff. Als ich ihn gefragt habe, warum er mich denn so nenne, meinte er, er wäre nicht damit einverstanden, dass ich ihm das Fahren am Bahnsteig verboten hätte. Ich habe dann noch zu ihm gesagt, er kann sich das 'Arschloch' ja denken ohne es auszusprechen", beschreibt Michel amüsiert.

#Das Sicherheitsgefühl ist subjektiv

Man hört aber auch viele Danksagungen. Vor allem in den Nachtstunden teilen ihnen Frauen öfters mit, dass sie froh seien, jetzt nicht alleine am Bahnsteig oder in der U-Bahn zu sein. Auch Männer würden das sagen, sowie ältere Menschen und jene mit Handicap. Obwohl die Bahnhöfe und Züge der Wiener Linien laut Statistik ein sehr sicherer Ort sind, haben trotzdem viele Personen ein mulmiges Gefühl. Durch die Präsenz der Securities wird das subjektive Sicherheitsgefühl gesteigert.

#Wie man in den Wald hinein ruft

"Wir erleben jeden Dienst so viel - Gutes wie Schlechtes", schmunzelt Michel. Mit aggressiven Menschen hätte man natürlich ab und an ebenfalls zu tun. "Wenn man ihnen ruhig entgegenkommt, klappt das aber bei 95 Prozent, dass sie sich dann auch beruhigen", findet der 26-Jährige. Deeskalationsstrategien stehen in der Ausbildung ja auf dem Lehrplan. "Man sollte natürlich keine Angst haben, mit jeder Art von Mensch zu sprechen", weiß Claudia aus Erfahrung. Obwohl manche großen U-Bahnstationen teilweise so gefährlich wie die New Yorker Bronx dargestellt werden, können die beiden Security-Mitarbeiter das nicht bestätigen. "Natürlich gibt es die Hotspots, an denen vielleicht mehr Betrunkene zu finden sind. Aber das heißt nicht, dass es dort gefährlicher ist. Diese Menschen wollen ja meist sowieso ihre Ruhe haben. Es kommt immer darauf an, wie man jemanden gegenüber tritt", berichtet Michel und ergänzt: "Es sind immer alle Menschen und jeder hat seine Vorgeschichte."

Jänner 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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