Skurriler Nebenjob

Als Rikscha-Fahrer durch die Wiener Innenstadt

Sie sind bereits nicht mehr aus dem Wiener Innenstadt-Bild wegzudenken: Die Fahrrad-Taxis. Die sogenannten Rikschas kennt man eigentlich aus dem ostasiatischen Raum, aber vor einigen Jahren haben sie auch den Weg zu uns gefunden. Egal, ob vom Stephansdom zum Karlsplatz oder zum Kahlenberg - Fahrer Juraj tritt für seine Kunden, zu denen auch zahlreiche Promis und Politiker gehören, kräftig in die Pedale.

Im Jahr 2001 hat das erste Pedal-Taxi der Firma Faxi seine vorsichtigen Runden gedreht. Seit nunmehr 13 Jahren kutschiert Juraj Siroky bereits Touristen und Einheimische durch die Stadt. "Ich bin mit meiner Frau einmal mitgefahren und das hat mir sehr gut gefallen. So bin ich dann zu diesem Job gekommen", erzählt der 38-Jährige im City4U-Talk. Laut der Faxi-Homepage ist das Fahren mit der modernen Elektro-Rikscha "wie zu Fuß gehen ohne müde zu werden".

#Der Weg ist das Ziel

Besonders beliebt bei Touristen sind die Stadtführungen. Auch in der großen Sommerhitze kommen die Besucher gemütlich von A nach B. Durch das entschleunigte Tempo der Rikscha hat man genug Zeit die Sehenswürdigkeiten zu betrachten. Ein bis zwei solcher Stadtführungen fährt Juraj pro Tag: "Jetzt im Winter sind Sightseeing-Touren kürzer, da den Leuten zu kalt ist. Außer den Russen, die halten auch eineinhalb Stunden im T-Shirt aus." Eine 30-minütige Stadtführung schlägt mit 39 Euro zu Buche. Zum Ausprobieren: Eine Fahrt vom Stephansdom zum Karlsplatz kostet 10 Euro. Besonders teuer wurde es für zwei Amerikaner im Sommer: "Sie wollten zum Kahlenberg rauf. Ich habe gesagt okay und nannte den Preis. Sie waren einverstanden und es ging los. Der Weg rauf ist ja weit und da muss man ganz schön viel treten. Es war auch ein sehr heißer Tag und gerade da ist der Motor überhitzt und ich musste mit reiner mechanischer Kraft bis ganz hinauf. Ich war fix und fertig oben." Aber der Fahrtpreis von 300 Euro, den die Amerikaner auch bezahlt haben, hat etwas entschädigt.

#Prominenz setzt auf Fahrrad-Rikschas

Doch nicht nur die Touristen schätzen das flotte und umweltbewusste Fortbewegungsmittel. "Ich bin schon mit vielen Prominenten gefahren. H.C. Strache ist schon einmal mein Gast gewesen. Richard Lugner und Niki Lauda ebenso. Frau Schönborn ist mein Stammgast, sie fährt manchmal den ganzen Tag mit mir", berichtet Juraj. Auch die ehemalige Bezirksvorsteherin der Wiener City, Ursula Stenzel, hat, als sie berufsbedingt noch viel zwischen Karlsplatz und Graben unterwegs war, den Fahrrad-Taxi-Dienst in Anspruch genommen. Auch Heinz Fischer in seiner Funktion als Bundespräsident ließ sich samt Gattin von den Pedalrittern von einem Ort zum anderen bringen.

#Das größte Idol

Besonders gut erinnert sich Juraj an seine Fahrt mit der österreichischen Legende Udo Jürgens: "2010 habe ich ihn in die Eden Bar geführt. Mit dabei waren zwei Damen, die sicher 40 Jahre jünger waren als er. So war er ja bekanntlich." Einige Jahre später, nach dem Tod von Jürgens, stiegen zwei Pensionistinnen aus Deutschland in Jurajs Rikscha. "Sie wollten zum Ehrengrab von Udo am Zentralfriedhof und haben mir gesagt, dass sie extra deswegen nach Wien gekommen waren. Ich habe ihnen dann von der Fahrt mit ihm erzählt und dass sie jetzt genau da säßen, wo er 2010 saß. Darüber waren sie so begeistert, am gleich Platz zu sitzen, wie ihr größtes Idol. Das fand ich sehr schön", beschreibt Juraj.

#Freidenker

Schlechte Erfahrungen in diesem Job habe der sportliche Mann bis jetzt noch keine gemacht. "Einmal hat mich ein Betrunkener während der Fahrt andauernd angepöbelt. Dafür habe ich aber dann ein angemessenes Trinkgeld bekommen", schmunzelt Juraj. Skurrile Erlebnisse hatte er jedoch schon einige: "Nach der Regenbogenparade habe ich zwei Herren mitgenommen, die wollten, dass ich mit ihnen in eine dunkle Gasse fahre, sie verstehen? Das habe ich aber abgelehnt. Obwohl das Faxi natürlich sehr offen ist. Es ist ein Freidenker-Beruf."

#Konkurrenzkampf

Die Verdienstmöglichkeiten sind unterschiedlich, da der Beruf wetterabhängig ist. Durchschnittlich verdient man zwischen 100 und 200 Euro pro Tag - je nachdem wie viele Stunden man unterwegs ist. Auch der Konkurrenzkampf ist hart: "Die Taxis und Fiaker waren am Anfang etwas neidisch, weil wir ihnen einen Teil der Kunden wegnahmen. Jetzt herrscht aber großteils ein gutes Verhältnis zu den Mitbewerbern", findet Juraj.

Jänner 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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