Fr, 20. April 2018

Syrischer Fotograf:

05.01.2018 09:22

Zerrissen zwischen den Fronten

"Das erste Gefühl, das ich hatte, als ich hier angekommen bin, war, dass ich endlich durchatmen kann", erinnert sich Ammar Khadour (26). Seit einigen Wochen lebt der syrische Fotokünstler auf Einladung der Kulturvermittlung Steiermark als "artist in exil" in Graz. Im Interview erzählt er von der traurigen Lage in seiner Heimat, vom Malen mit der Kamera und seinen Plänen für die Zeit in Österreich.

"In meiner Heimat als Fotograf zu arbeiten, kann sehr gefährlich sein", erzählt Ammar Khadour. "Ich mag rostige Orte und Gegenden, die ihre Geschichte sichtbar vor sich hertragen. Aber wenn man diese ungewöhnlichen Plätze fotografieren will, verstehen syrische Polizisten und Sicherheitsleute oft nicht, was man da macht und glauben, dass man Orte für Attentate ausforscht."

Das Gefühl in Syrien nutzlos zu sein
Vom Alltag zeichnet er ein tristes Bild: "Die einzigen Syrer, die glücklich sind, sind die, die Teil des Krieges sind, weil sie das Gefühl haben, etwas Sinnvolles mit ihrem Leben zu machen. Alle anderen jungen Menschen haben ein Gefühl, in ihrer Heimat, die zwischen zwei extremen Fronten zerrissen wird, nutzlos zu sein." Um als Künstler wachsen zu können, musste er weg aus seiner Heimat, hat sich für zahllose Stipendien beworben und schließlich in Graz einen Hafen gefunden.

Malen mit der Kamera
Als klassischer Fotograf betrachtet er sich nicht: "Ich betreibe Malerei mit der Kamera", beschreibt er. "Wenn ich in den Straßen etwas sehe, Details, die für mich wie Malerei aussehen, will ich Menschen darauf aufmerksam machen", erklärt er: "Oft ist es einfach nur Müll, oder es sind beschmierte Wände oder Details des menschlichen Körpers. Ich finde interessant, dass arabische Schriftzeichen für einen Österreicher abstrakt sind, für uns aber eine Bedeutung haben, sehr lustig oder traurig sein können, aber auf jeden Fall eine Kultur widerspiegeln."

Nicht Flüchtling, sondern Suchender
In Graz bereitet er gerade eine Ausstellung vor. "Und ich beginne über neue Projekte, neue Motive nachzudenken." Auch ein Studium an der Angewandten in Wien wäre eine Option für die Zukunft. "Aber zuerst muss ich einmal Deutsch lernen." Und er sagt: "Ich will kein Flüchtling sein, sondern ein Suchender. Und eines Tages nach dem Krieg will ich wieder zurück nach Syrien. Denn ich habe mein Land verlassen müssen, obwohl es voller neuer Projekte gewesen wäre."

Einblicke in die Arbeit von Ammar Khadour hier

Christoph Hartner
Christoph Hartner

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