Skurriler Nebenjob

Gib Pfote: Wiener sitten Katzen statt Kinder

Babysitting, Haussitting und jetzt Tiersitting: Viele berufstätige Menschen wollen trotz der wenigen Zeit die sie haben, nicht auf eine Samtpfote oder ein Hündchen verzichten. Damit die Vierbeiner nicht den ganzen Tag alleine sind, werden Tiersitter gebraucht - die Anfrage nach Personen, die mit den besten Freunden des Menschen kuscheln, spielen, Gassi gehen und sie füttern, steigt. City4U hat mit Wienern gesprochen, die Tiere, statt Kinder hüten.

Das Angebot der Tiersitter ist breit gefächert. Von Gassi gehen über Hausbesuche zu Betreuung über Nacht im Eigenheim oder beim Auftraggeber. Den gestressten Tierbesitzern und natürlich den Vierbeinern soll es an nichts fehlen. Auf Internetseiten wie Pawshake, Tiersitter24 und vielen weiteren mehr kann man sich den passenden Sitter für seinen Liebling raussuchen. Die Preise variieren je nach Leistung: Hausbesuche gibt es ab sieben Euro, die Betreuung bei der Gastfamilie über Nacht kostet zwischen 15 und 40 Euro. Der durchschnittliche Lohn für einen Tiersitter liegt bei sieben bis neun Euro pro Stunde - tagsüber.

#Liebevoll und pünktlich

"Jeder Mensch kann zum Beispiel aufgrund von Krankheit in die Situation kommen Tiersitting zu benötigen. Manche Menschen planen Tiersitting schon bei Anschaffung des Tieres mit ein", erläutert Roya Hollnsteiner vom Pfotenzentrum, das Tiersitter vermittelt. "Wir legen bei der Auswahl der Tiersitter ganz besonderen Wert auf Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und Flexibilität. Selbstverständlich achten wir darauf, dass die Sitter Erfahrung haben und einen liebevollen und verantwortungsvollen Umgang mit den Vierbeinern pflegen."

#Der ideale Job für tierliebe Studenten

Tom, 20 Jahre alt und Medizinstudent aus Wien ist seit Oktober als hauptsächlich Katzensitter tätig. Auf der Plattform Pawshake bietet er seine Dienste an. "Ich bin durch eine Freundin von mir darauf gekommen. Wirkliche Herausforderungen gibt es in diesem Beruf gar keine für mich. Das lästigste ist möglicherweise der Anfahrtsweg, wenn der Besitzer nicht gerade um die Ecke wohnt", erzählt Tom im City4U-Talk. Die größte Freude daran seien natürlich die Tiere, wie der Student bekräftigt. Auch langweilig werde ihm mit den Vierbeinern nie: "Einmal habe ich 15 Minuten lang die Katze gesucht, bis ich bemerkt habe, dass die schneeweisse Dame auf dem schneeweissen Teppich liegt."

#Auftragslage variiert

Die Verdienstmöglichkeiten sind unterschiedlich. "Jobs zu bekommen ist eine große Herausforderung. Es hat sehr viel mit Eigeninitiative, Werbung und Mundpropaganda zu tun", berichtet Tiersitterin Lily und ergänzt: "Weiters sind da natürlich die verschiedenen Tiere auf die du eingehen musst. Bei Katzen ist das natürlich nicht so schwer wie bei Hunden. Bei beiden muss ich natürlich sehr viel Zeit und Geduld investieren, damit es den Tieren dann auch gut geht." Es gebe keine "Standardlösung" für jedes Tier. Auf alle müsse man sich gesondert einlassen. Über 30 exzellente Bewertungen auf pawshake zeigen, dass die Studentin das tut.

#Vertrauen gewinnen

Das Vertrauen der Tiere und ihrer Besitzer zu gewinnen, ist das A und O im Job des Tiersitters. Nur dann fühlen sich alle Beteiligten auch wirklich wohl und verbringen eine gute Zeit. "Ich erlebe sehr oft lustige Momente mit Tieren. Zum Beispiel ging ich einmal mit einem Hund spazieren und auf der Straße traf ich auf einen anderen Hund inklusive Besitzer, den ich sonst auch ausführe. Das Herrchen hatte mich davor erst ein- oder zweimal gesehen, da ich einen Zweitschlüssel habe, aber sein Hund hat mich sofort erkannt und kam auf mich zugerannt. Das war sehr lustig, als der Hund mich erkannt hat, der Besitzer jedoch nicht", schmunzelt Lily.

#Abschied fällt schwer

Neben lustigen Momenten gibt es aber auch emotionale. "Der Abschied fällt immer schwer. Vor allem wenn man schon länger auf das Tier aufpasst", betont Tom. Wenn man schon längere Zeit einen Hund oder Katze  sittet, schließt man sie fast so ins Herz wie der eigentliche Besitzer. "Ich hatte jahrelang eine Hündin auf die ich immer aufpassen musste, Mable. Einmal musste der Besitzer sogar für drei Monate wegziehen und in dieser Zeit hat sie bei mir gewohnt. Als sie dann krank geworden ist und eingeschläfert werden musste war das unendlich traurig. Auch heute denke ich noch oft an sie", so Lily.

#Kinderersatz

"Mein Tipp ist die Jobs professionell und seriös anzugehen. Haustiere sind für viele Menschen ein Kinderersatz und gehören zur Familie - wenn man dann die Wünsche der Besitzer übergeht oder nicht ernst nimmt wird man von dem Besitzer vermutlich nicht mehr gebucht", rät Lily, die mittlerweile so viel Freude an ihrem Nebenjob hat, dass sie bald ein eigenes Gewerbe gründen möchte und unter www.lilyspets.at als selbstständige Tiersitterin durchstarten will.

Jänner 2018

Was meint ihr dazu? Postet uns in den Kommentaren oder schreibt uns mit Hashtag #City4U auf Facebook, Twitter oder Instagram!

Viktoria Graf
Viktoria Graf
Kommentare
Mehr