Fr, 15. Dezember 2017

Zeit zu Helfen!

14.12.2017 11:23

Ehrenamtliche Arbeit wird nicht mit Geld bezahlt

Ehrenamtliche Arbeit ist eine wesentliche Säule des sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalts. Ohne sie würde es in zahlreichen ländlichen Gemeinden keine Feuerwehren geben, Menschen mit Handicap würden weniger Betreuung erhalten und die Supermärkte würden noch mehr genießbare Lebensmittel entsorgen. Gerade die Weihnachtszeit ist ein guter Rahmen um sich für seine Mitmenschen, Umwelt oder Tiere stark zu machen und auch einmal uneigennützig zu sein.

46 Prozent der österreichischen Bevölkerung ab 15 Jahren engagieren sich in der einen oder anderen Form freiwillig - 3,3 Mio. Menschen leisten also Arbeit ohne Bezahlung ab. Das zeigt der 2. Freiwilligenbericht des Sozialministeriums. Möglichkeiten zu helfen, gibt es viele, sei es in der Nachbarschaft, im Senioren- oder Tierheim. Man könnte Ausflüge mit Kindern gestalten, Lebensmittel einsammeln und verteilen, Migranten Deutsch lernen oder Menschen mit Handycap unterstützen. Die meisten ehrenamtlichen Helfer gibt es in Relation zur Einwohnerzahl in Wien.

#Man will gefragt werden

"Menschen engagieren sich, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Dazu braucht es drei Dinge: Erstens, die Menschen müssen gefragt werden. Laut Studie des Sozialministeriums war der am häufigsten genannte Grund, warum jemand nicht ehrenamtlich tätig ist, weil sie nicht gefragt wurden. Zweitens, braucht es ausdifferenzierte, niederschwellige und wertschätzende Strukturen, damit jeder das Passende für sich findet. Drittens: Die Anerkennung muss unmittelbar und durchüberlegter stattfinden", erläutert Brigitte Pabst, Direktorin der Akademie der Zivilgesellschaft.

Für diejenigen, die noch nicht gefragt wurden: City4U hat einige verschiedene Organisationen herausgesucht, die unterschiedliche Schwerpunkte haben, sodass sicher für jeden das Passende dabei ist:

#Tierquartier Wien

Im 22. Bezirk finden auf insgesamt 9.700 Quadratmetern mehr als 150 entlaufene, ausgesetzte, herrenlose und beschlagnahmte Hunde, rund 300 Katzen und hunderte Kleintiere wie Hamster und Meerschweinchen ein Zuhause auf Zeit. Diese werden medizinisch versorgt, gepflegt und so rasch wie möglich in schöne neue Zuhause vermittelt. "Die derzeit rund 40 ehrenamtlich Tätigen sind eine große Unterstützung und sehr wichtig für das TierQuartier Wien", erklärt Annemarie Hurban, Leitung Marketing und Öffentlichkeitsarbeit des TierQuartiers im City4U-Talk. Neben der Tierpflege engagieren sich die Freiwilligen beispielsweise auch im Marketing-Bereich und bei Veranstaltungen. Im Tierbereich gibt es von Dienstag bis Samstag einen fixen Einsatzplan. "Man sollte bei ehrenamtlichen Tätigkeiten im Tierbereich möglichst regelmäßig einmal pro Woche Zeit haben, damit sich zwischen Mensch und Tier ein Vertrauensverhältnis entsteht", meint Hurban. Mehr Infos zu ehrenamtlicher Mitarbeit im Tierquartier Wien findet ihr hier.

#Wiener Tafel

Ende der 90er Jahre arbeitete Martin Haider als Sozialarbeiter in Wien und erlebte wie viele Menschen in Armut und von der sprichwörtlichen Klostersuppe leben mussten, während die Mülltonnen der Supermärkte von hochwertigen Lebensmitteln übergingen. "Ich überlegte, wie aus diesen beiden gesellschaftlichen Fehlentwicklungen ein Mehrwert für alle entstehen könnte und erkannte, dass die Verbindungsbrücke zwischen Überfluß und Mangel fehlte", erzählt Haider im City4U-Interview. Mit einem Startkapital von 5.000 Schilling entstand die Wiener Tafel. "Das Ehrenamt war von Anfang an eine der Grundsäulen der Tafel-Arbeit. Die Freiwilligen waren immer verlässlich, brachten viel Expertise und Know-How ein, waren hoch motiviert und Multiplikatoren für die Mission der Wiener Tafel. Mehr kann mensch sich von Mitarbeitern wirklich nicht wünschen", sagt er stolz. Im Jahr 2016 hat die Wiener Tafel 508.242 Kilogramm Lebensmittel gerettet und damit 19.000 Armutsbetroffene in 117 Sozialeinrichtungen versorgt. 377 freiwillige Helfer leisteten 21.362 ehrenamtliche Stunden ab. Trotzdem ist der Bedarf an Essen und Hygieneprodukten in den Sozialorganisationen noch lange nicht gedeckt und gleichzeitig landet nach wie vor eine zu große Menge an genießbaren Lebensmitteln im Müll. Wer sich für diese wichtige Organisation engagieren will, hat viele verschiedene Möglichkeiten: Sei es Warensammlung am Naschmarkt, Dienste als Fahrer, Spenden sammeln auf Konzerten oder Infostand-Betreuung bei Veranstaltungen. Hier ist sicherlich für jeden eine passende Tätigkeit dabei.

#Häuser zum Leben

Irgendwann werden wir alle einmal alt. Nicht jeder hat das Glück, sich im hohen Alter geborgen in einer Familie zu wissen. Viele Menschen haben keine Verwandten mehr, die sich um sie kümmern und verbringen ihren Lebensabend im Heim. Das Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser betreibt 30 Häuser zum Leben mit 8.880 Bewohnern in Wien. Viele der Senioren sind noch sehr rüstig, aber eben einsam. Um diesen Damen und Herren eine Freude zu bereiten, kann man sich engagieren. Gemeinsame Spaziergänge, Spiele-Nachmittage, Vorlesen oder Unterstützung bei neuen Technologien verschönern den Senioren das Leben ungemein. Selbst bereichert man sich auch: Durch neue Erfahrungen, die man für das eigene Leben sammeln kann, wenn man mit alten Menschen zusammen ist. Vor allem aber ist jeden ehrenamtlichen Unterstützer der Dank und die Freude der Bewohner sicher.

#Wiener VinziWerke

Nacht- und Abenddienste in der Notschlafstelle VinziPort, Mitarbeit im Second-Hand-Shop - bei den Wiener VinziWerken kann man aus einem großen Spektrum an ehrenamtlichen Tätigkeiten wählen. Der Verein unterstützt mit verschiedenen Projekten viele Menschen, die gerade in einer schwierigen Phase sind. "Man verbringt seine Dienste mit Leuten unterschiedlichster Herkunft und mit den durchwachsensten Biografien. Die Bereitschaft, seine Freizeit mit ihnen zu teilen, trifft auf so viel positive Resonanz, dass man danach mit einem großen Glücksgefühl nach Hause geht", findet Lara Wulz, Pressesprecherin der VinziWerke. Wie in jedem anderen Job, ist es aber auch hier nicht immer einfach: "Das Traurige ist, dass man erkennt, dass Helfen nicht gleich Helfen ist. Man muss allzu oft akzeptieren, dass man für manche Menschen nicht das tun kann, was man gerne möchte. Aber man erkennt, dass auch das in Ordnung ist. Man fungiert als Wegbegleiter." Mindestens einmal im Monat sollte man seine ehrenamtliche Arbeit in der VinziRast machen, je nach Aufgabengebiet auch öfter. Der Lohn dafür ist so gewinnbringend wie Geld: "Man begegnet Menschen mit denen man sonst nie in Kontakt gekommen wäre und erhält Einblick in andere Lebenswelten", sagt Regine Gaber, Koordinatorin der Wiener VinziWerke, im City4U-Talk.

#Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs

Derzeit arbeiten rund 110 Menschen ehrenamtlich bei der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs. Die Aufgaben sind auch hier vielfältig, wie Pressesprecherin Helga Bachleitner beschreibt: "Man kann in einer Gruppe arbeiten oder allein. Man kann bestehende Angebote nutzen oder etwas Neues ins Leben rufen und man arbeitet für Menschen, die oft am Rande der Gesellschaft stehen und verhilft ihnen so zu mehr Teilhabe." Berührungsängste sind unangebracht: Man bekommt eine professionelle Einschulung, Fortbildung und Begleitung. Mitbringen muss man Offenheit und Verlässlichkeit. "Es ist immer wieder schön zu sehen, wie ein selbst von Sehbehinderung betroffener Mensch aufblüht, wenn er hier etwas für andere Menschen tun kann", weiß Bachleitner.

#Die Kinderfreunde

Bereits seit mehr als hundert Jahren gibt es die Kinderfreunde, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Schwächsten in unserer Gesellschaft zu helfen. "Alleine in Wien engagieren sich rund 3.000 Menschen unterschiedlichsten Alters ehrenamtlich für die Kinderfreunde. Sie alle setzen sich damit für eine bessere Welt für Kinder ein, egal ob bei Veranstaltungen in den Bezirken, als VorleserInnen oder LernbegleiterInnen in unseren Kindergärten & Horten oder in den Gruppenstunden", beschreibt BV Franz Prokop, Vorsitzender der Wiener Kinderfreunde, wie man sich engagieren kann. "Die Arbeit bei uns prägt das Leben. Man begegnet unterschiedlichsten Menschen, lernt mehr über sich selbst, erlebt unvergessliche Momente und es entwickeln sich Freundschaften, die oft ein Leben lang halten." Gleichzeitig leistet man einen wertvollen und nachhaltigen Beitrag für die Gesellschaft, indem man unter anderem die Kinder unterstützt, die vom Leben ohnehin nicht verwöhnt werden und sich für faire und gleiche Bildungs- und Lebenschancen einsetzt, denn, sagt Prokop abschließend: "Kinder sind nicht unsere Zukunft, sie sind unsere Gegenwart."

#Mal dies, mal das.

Wenn man sich nicht festlegen möchte oder mehreren Organisationen mit verschiedenen Schwerpunkten helfen will, ist man mit dem Angebot der  Caritas und Ehrenamtsbörse gut beraten. Dort kann man seine Wünsche bezüglich Ort, Art der Tätigkeit und Zeit, die man dafür hat, eingeben und schon bekommt man eine Vielzahl an Vorschlägen für ehrenamtliche Tätigkeiten. "Zu uns kommen Menschen, die eine sinnvolle Aufgabe suchen, bei der sie ihre persönlichen Werte in die Tat umsetzen können. Im Jahr 2017 wurde zudem jede zweite Beratung von Flüchtlingen in Anspruch genommen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, um sich in die Gesellschaft zu integrieren, eine sinnstiftende Aufgabe zu haben und um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern", weiß Mag. Martin Oberbauer, Leiter der Ehrenamtsbörse.

#Anerkennung

Für ehrenamtliche Arbeit wird man nicht bezahlt, man bekommt keine Medaille und der Chef befördert einen auch nicht. Wo ist also die Anerkennung, was ist der Lohn? "Man macht etwas Sinnvolles, das einem zwischenmenschlich viel bringt. Man gewinnt neue Kontakte, es entstehen Freundschaften. Man lernt von den anderen. Man kann in Bereiche hineinschnuppern, die man rein beruflich vielleicht nie kennengelernt hätte. Man kann eben genau ohne Stress und Leistungsanspruch und gegen Geld etwas tun, wovon beide Seiten profitieren", sagt Helga Bachleitner von der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen. Das sollte Lohn genug sein.

Dezember 2017

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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