Di, 12. Dezember 2017

Mehr Sicherheit

05.12.2017 16:34

Steirische "Tunnelohren" sind in England gefragt

Quietschende Bremsen, ein lauter Tuscher - und nur Sekunde später ist die Verkehrsmanagement-Zentrale der Asfinag alarmiert. Das von Joanneum Research (JR) entwickelte "Akut"-System registriert ungewöhnliche Geräusche in Tunnel und wird in immer mehr Röhren installiert - derzeit erstmals auch in England.

Was bei Pernegg begann, weckt jetzt sogar in China Interesse: Im Kirchdorftunnel auf der S 35 startete vor sieben Jahren das "Akut"-Pilotprojekt. "Bis jetzt hat es keine Ausfälle gegeben, wir mussten nur zweimal die Festplatte tauschen", sagt Projektleiter Franz Graf von Joanneum Research.

Rettungskräfte sind schneller vor Ort
Der große Vorteil von "Akut" ist der Zeitvorsprung: Mikrofone erkennen Geräusche wie einen Aufprall, Türenschlagen oder Hupen, sofort erscheinen die entsprechenden Videobilder in der Zentrale, die Ampeln beim Tunnelportal können auf Rot geschaltet werden. Die Einsatzkräfte sind rascher vor Ort. Bei einem Reifenplatzer im Juli 2016 Bosrucktunnel hätte es ohne "Akut" beispielsweise viereinhalb Minuten länger gedauert.

In 17 österreichischen Tunneln ist das System bereits installiert. "Bis 2029 sollen es 56 sein. Wir investieren insgesamt 25 Millionen Euro", sagt Asfinag-Vorstandsdirektorin Karin Zipperer. In der Steiermark läuft aktuell der Einbau des Systems im Gleinalm- und im Walder Tunnel, es folgen bis 2020 der Plabutschtunnel (im Zuge der großen Sanierung) sowie bis 2029 der Tanzenberg- und die beiden Gratkorntunnel.

Aufträge aus England winken
Auch internationale Aufträge sind im Visier. Aktuell läuft die Installation von "Akut" im gut 500 Meter langen, südenglischen Southwick-Tunnel. Laut Joanneum-Research-Geschäftsführer Wolfgang Pribyl soll das Pilotprojekt die Tür für weitere Aufträge der staatlichen Autobahngesellschaft "Highways England" öffnen. Interessenten gibt es auch in Skandinavien. In Norwegen zum Beispiel haben wenig befahrene Tunnel in den Fjordregionen derzeit nur wenig Sicherheitssysteme, für sie könnte "Akut" interessant sein.

Die steirischen Forscher von Joanneum Research tüfteln übrigens bereits am nächsten Coup: das akustische Erkennen von Geisterfahrer im Freien.

Jakob Traby, Kronen Zeitung

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