Mi, 13. Dezember 2017

RTL in Beaver Creek

03.12.2017 21:41

Sensationell! Hirscher triumphiert beim Comeback

Was für ein sensationelles Comeback von Marcel Hirscher! Bei seinem ersten Riesentorlauf seit seinem Knöchelbruch im August raste Österreichs Ski-Superstar am Sonntag in Beaver Creek gleich auf Platz eins - ein grandioser Triumph!

"Ich habe im zweiten Durchgang brutal gepokert. Ich habe einen Ski gewählt, den ich vorher im Wettkampf noch nie gefahren bin. Das tut man normal nicht, aber es hat gepasst", schmunzelte Hirscher im Zielraum nach seinem Husarenritt im zweiten Durchgang. Im ersten war er hinter Stefan Luiz und Ted Ligety noch auf Rang drei gelegen.

Feller Vierter
Hirscher verwies letztlich den Norweger Henrik Kristoffersen (+ 0,88) und den zur Halbzeit vorangelegenen Deutschen Stefan Luitz (+ 1,03) auf die weiteren Podestränge. Manuel Feller wurde Vierter (+ 1,04).

Hirscher hatte wegen seiner Verletzung Monate der Vorbereitung auf den neuen RTL-Ski verpasst und in der Woche vor dem Rennen in den USA täglich hart daran gearbeitet, seinen Rückstand zu reduzieren. Dann überraschte der Weltmeister schon mit Platz drei zur Halbzeit ebenso wie der krank gewesene Feller als Vierter. 

Ski noch nie gefahren
Dem nicht genug setzte Hirscher im Finale alles erfolgreich auf eine Karte. Er schnallte einen im Rennen noch nie gefahrenen Ski an und schaffte mit Laufbestzeit noch den Sprung zum 46. Weltcupsieg. Seinem 23. im Riesentorlauf und dem insgesamt vierten in Beaver Creek. Sein dortiger Dauerrivale, der fünffache Beaver-RTL-Sieger Ted Ligety war zwar Halbzeit Zweiter, fiel dann aber auf Platz sieben zurück. Luitz verpasste den ersten deutsche RTL-Sieg seit langem knapp. 

"Ordentlich hergewatscht"
Hirscher hingegen bewies einmal mehr, dass der "der beste der Welt" (Kristoffersen) ist. "Anfangs der Woche haben mich die Jungs noch ordentlich hergewatscht. Das, viel Erfahrung und mein starkes Team haben mir sehr geholfen," erklärte Hirscher. "Wir haben ganz schnell ein Mittel gefunden, um schneller zu werden." 

Hirscher war schon beim Slalom-Comeback in Levi als Halbzeit-Dritter stark gefahren, dann aber auf Platz 17 zurückgefallen. Gefahr auf Wiederholung bestand nicht. "Mein Fuß ist nun deutlich besser, ich spüre ihn unterm Fahren überhaupt nicht mehr", sagte Hirscher. 

Der erste Saison-Riesentorlauf - nach Sölden-Absage - war trotz der extrem Höhenlage von fast 3.000 Metern Seehöhe in Beaver Creek wie immer eine lange und kräfteraubende Angelegenheit. Dazu kam so heftiger und böiger Wind, dass sogar das Zielbanner abgebaut werden musste. 

Fast erstickt
Hirscher und Feller sorgten mit den Plätzen drei und vier trotzdem schon zur Halbzeit beim ersten Einsatz der RTL-Ski mit 30 statt 35 Meter Radius für Überraschungen. Hirscher hat wegen seiner Knöchelverletzung Riesen-Testrückstand. Feller war die ganze Woche krank gewesen, japste in der Pause nach Luft und musste gestützt werden. "Es war ein Gefühl, als würdest du fast ersticken", sagte der Tiroler. 

Hirscher setzte dann dort, wo er 2015 hinter Ligety WM-Zweiter geworden war und im Dezember danach zum zweiten Mal gewonnen hatte, noch einen drauf. Als es im Finale trotz eines kleinen Fehlers grün aufleuchtete, kam beim Salzburger sofort die Faust weil klar war, dass ein Podest fix ist. "Sensationell", kommentierte er dann seinen Sieg. 

Nicht ganz so perfekt lief es für Feller. "Ich habe viel Tee getrunken und inhaliert und so viel Ruhe wie möglich gegeben", berichtete der Tiroler. Sein erstes Podest verpasste er dennoch lediglich um nur eine Hundertstelsekunde. "Sowas ist immer ärgerlich. Ich bin aber angesichts der Verkühlung sehr zufrieden", sagte er. "Der Mut zur Lücke hat sich ausgezahlt. Das Hundertstel hole ich mir bei einem wichtigeren Rennen zurück." 

Mayer, Reichelt, Leitinger out
In Abwesenheit des verletzten Philipp Schörghofer schaffte neben Hirscher und Feller aus dem ÖSV-Lager gerade noch Marcel Mathis den Sprung in das Finale. Neben den beiden Speed-Spezialisten Matthias Mayer und Hannes Reichelt erwischt es schon in Lauf eins auch Roland Leitinger.

"Ich bin auf einer Welle zu weit gekommen und am Innenski hergefallen. Es war leider fast schon ein Anfängerfehler", ärgerte sich Leitinger. "Ewig schade, ich war megagut drauf", sagte der Vizeweltmeister. "Aber so ist eben das Skifahrerleben." Leitinger tröstete sich damit, dass es "in sechs Tagen in Val d'Isere schon wieder weiter geht und ich dort einige Male schon gut gefahren bin." 

Für Reichelt und Mayr endete die Rückkehr zum Riesentorlauf schon in Lauf eins. Ein einmaliges Comeback müsse es dennoch nicht bleiben, sagte Reichelt. "Ich muss aber mehr mit den Spezialisten trainieren und schauen, ob ich konkurrenzfähig bin. Dann probier's ich nochmal." Dass der erste Lauf von ÖSV-Coach Janez Slvnik stark drehend gesetzt war, quittiert der Salzburger so: "Mir kommt vor, sie wollen uns nicht dabei haben." 

Mathis kam nach einem verpatzten Finale über Platz 27 nicht hinaus. "Das waren wieder die alten Muster. Auf diesem Level kannst du nicht irgendwie runterwedeln." 

Nach dem Rennen begann sofort ein neues Rennen. Weil die Maschine aus Frankfurt wetterbedingt ausgefallen war, mussten Hirscher und Co. in Denver Ersatzflüge suchen.

Das Ergebnis:
1. Marcel Hirscher (AUT) 2:37,30 1:18,09 1:19,21

2. Henrik Kristoffersen (NOR) 2:38,18 +00,88 1:18,77 1:19,41
3. Stefan Luitz (GER) 2:38,33 +01,03 1:17,70 1:20,63
4. Manuel Feller (AUT) 2:38,34 +01,04 1:18,34 1:20,00
5. Justin Murisier (SUI) 2:38,48 +01,18 1:18,34 1:20,14
6. Loic Meillard (SUI) 2:38,62 +01,32 1:18,75 1:19,87
7. Ted Ligety (USA) 2:38,66 +01,36 1:17,99 1:20,67
8. Filip Zubcic (CRO) 2:38,77 +01,47 1:18,63 1:20,14
9. Matts Olsson (SWE) 2:38,95 +01,65 1:18,72 1:20,23
10. Tommy Ford (USA) 2:39,24 +01,94 1:19,20 1:20,04
11. Trevor Philp (CAN) 2:39,27 +01,97 1:18,92 1:20,35
12. Alexis Pinturault (FRA) 2:39,28 +01,98 1:19,70 1:19,58
13. Manfred Mölgg (ITA) 2:39,30 +02,00 1:18,78 1:20,52
14. Zan Kranjec (SLO) 2:39,36 +02,06 1:19,13 1:20,23
15. Luca de Aliprandini (ITA) 2:39,50 +02,20 1:18,84 1:20,66
16. Stefan Hadalin (SLO) 2:39,55 +02,25 1:19,91 1:19,64
17. Björnar Neteland (NOR) 2:39,57 +02,27 1:19,61 1:19,96
18. Andre Myhrer (SWE) 2:39,61 +02,31 1:19,03 1:20,58
19. Riccardo Tonetti (ITA) 2:39,62 +02,32 1:19,70 1:19,92
20. Fritz Dopfer (GER) 2:39,76 +02,46 1:19,15 1:20,61
21. Florian Eisath (ITA) 2:39,82 +02,52 1:19,84 1:19,98
22. Leif Kristian Nestvold-Haugen 2:40,10 +02,80 1:19,56 1:20,54
23. Elia Zurbriggen (SUI) 2:40,25 +02,95 1:19,81 1:20,44
24. Gino Caviezel (SUI) 2:40,39 +03,09 1:19,30 1:21,09
25. Roberto Nani (ITA) 2:40,61 +03,31 1:19,66 1:20,95
26. Aleksander Aamodt Kilde (NOR) 2:41,85 +04,55 1:19,01 1:22,84
27. Marcel Mathis (AUT) 2:41,96 +04,66 1:19,91 1:22,05
28. Thomas Fanara (FRA) 2:46,22 +08,92 1:19,16 1:27,06

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