Di, 12. Dezember 2017

Burgenland

27.11.2017 10:48

Von der Reise ins pannonische Paradies

Wer sich ins Burgenland begibt, darf sich nicht nur auf genussvolle Stunden in aller Üppigkeit freuen, sondern auch auf ehrliche Gastfreundschaft - und so manches gute Glaserl Wein genießen.

Beim grünen Eingangstürl endet die Sie-Zone so werden wir von Hans Bauer und seinem Labrador Frankie, der richtig lächeln kann (samt Zähnezeigen), in Pöttelsdorf herzlich begrüßt. Ab sofort sind wir mit beiden per Du. Ein Glas Rosé-Frizzante, und schon tauchen wir ein in eine Genuss-Welt der ganz besonderen Art. Wulka-Prosciutto - mit Meersalz und traditionellen Gewürzen gebeizt - über Buchenholz geräuchert. Hauchdünn aufgeschnitten, liegt er mit Bauchspeck vom Heide Wuggerl (einer speziellen Schweinerasse - nicht die Nachbarin) auf dem Teller. Umrahmt von würzigem Bergkäse, der in aller Ruhe neun Monate reifen durfte.

Reifen als Winzer durfte auch der Hausherr, der ursprünglich nur zwei Weingärten vom Großvater geerbt hatte. Heute 2,5 Hektar, die auf den Hängen des Rosaliengebirges stehen, ausschließlich händisch bewirtschaftet. Blaufränkisch, Zweigelt, Merlot, Grüner Veltliner, Sauvignon Blanc, Muskateller, Rosé keltert. Rasch vergeht die Zeit auf dem heimeligen Weingut - einem original burgenländischen Streckhof -, in dem große Gläser gefüllt mit unzähligen Korken von fröhlichen Stunden zeugen. Zum Abschied - beim grünen Tor - bekommen wir noch Philosophie mit auf den Weg: "Der Einzige, der den Wein wirklich macht, ist der liebe Herrgott!" Und "Starke Weine gibt es nicht - nur schwache Trinker!"

Das wollen wir so nicht auf uns sitzen lassen und begeben uns geradewegs ins Südburgenland. Übers "Hochgebirge". Zählt doch der Geschriebenstein mit seinen 879 Metern zur höchsten Erhebung des Burgenlandes. Die Blätter der Mischwälder sind bunt verfärbt - späte Sonne zeichnet gerade hier im Südburgenland noch einmal weich.

Im Weinbaugebiet Eisenberg machen wir halt bei den Winzern mit Weltruf wie Christoph Wachter, Faulhammer oder Krutzler, bevor wir unsere müden Häupter nach einem großartigen Abendessen in die futuristisch anmutenden Kuben der Weinberge bei Familie Wachter-Wiesler in Deutsch-Schützen betten dürfen. Inmitten der Rieden schmiegen sich 10 Holzhäuschen, die auf 24 Quadratmetern so ziemlich alles bieten, was man sich wünschen kann. Man schläft unter Sternenhimmel ein - wacht auf inmitten des kleinsten Weinbaugebietes des Burgenlandes. Gleich nach dem Frühstück geht’s auch schon wieder los. Nach Unterwart zum Bauernhof Szabo. Dort wird frisches Bauernbrot im alten Holzofen gebacken - wir verkosten Geselchtes, Knoblauchwurst und Kernöl. Die Leute stehen in dem kleinen Geschäft Schlange.

Weiter geht’s nach Bildein in Lendls Backstube. Quasi im Hinterhof logiert einer der besten Lebkuchen-Bäcker unseres Landes. Original Pinkataler Lebkuchen - wahlweise mit Nuss-, Kürbiskern- oder Uhudlermarmelade- Füllung werden serviert. Diverse Torten sowieso. Gebacken wird nach uralten Rezepturen. Erfahren wir von Erich Lendl. Der noch den alten Lehrberuf des Lebzelters und Wachsziehers erlernen durfte. Für den deutschen Bundespräsidenten kochen durfte hingegen Jürgen Csencsits, der im 120 Einwohner zählenden Ort Harmisch seinen elterlichen Gasthof vor mittlerweile 10 Jahren in einen futuristisch anmutenden Gourmettempel verwandeln konnte. Zaubert kulinarische Kunstwerke. Und für Reini, den Fotografen, ein knuspriges Martinigansl. Dämmerstunde. Abschiedsrunde.

Zurück geht’s wieder übers "Hochgebirge". Eine Stunde später dann vorbei am Neusiedler See. Ein wenig wehmütig sagen wir dem Burgenland Adieu - beenden eine kulinarische Reise im pannonischen Paradies …

Ingrid Altermann, Kronen Zeitung

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