Sa, 26. Mai 2018

A4-Schlepperprozess

24.11.2017 16:11

Erschütterndes Gutachten: Drei Stunden Todeskampf

Fünf Monate nach Beginn des A4-Schlepperprozesses im ungarischen Kecskemet ist das Verfahren noch lange nicht abgeschlossen. Dennoch geht es nun in die Winterpause. An den vergangenen vier Verhandlungstagen gab unter anderem ein Gerichtsmediziner erschütternde Details bekannt: Die 71 in einen luftdicht versperrten Kühllastwagen gepferchten Flüchtlinge starben langsam und qualvoll. Einige kämpften drei Stunden lang gegen den Erstickungstod.

Wie der Gerichtsmediziner ausführte, waren 68 Opfer spätestens drei Stunden nach der Abfahrt des Kühlwagens an der serbischen Grenze tot. Nur drei Männer, die an der Türe standen und ziemlich groß waren, lebten länger. Sie profitierten davon, dass diese sich wenige Millimeter öffnete und geringste Mengen Sauerstoff durchließ.

Bandenchef befahl trotz Klopfgeräuschen: "Weiterfahren!"
Hatte Richter Janos Jadi ursprünglich geplant, das Verfahren bis Jahresende abzuschließen, so werden 2018 wohl noch viele Verhandlungstage folgen. Verlesen werden muss zum Beispiel noch jenes Protokoll der Polizei, das den Hauptangeklagten Samsooryamal Lahoo schwer belastet: Zum Zeitpunkt des Todestransportes im August 2015 wurde die Schlepperbande bereits abgehört. Obwohl der Fahrer des Kühl-Lkw stehen bleiben wollte, weil die Flüchtlinge sich durch Klopfen bemerkbar gemacht hatten, gab der afghanische Bandenchef die Anweisung: "Weiterfahren!"

Ob die aus Österreich geladenen Zeugen tatsächlich vor Gericht aussagen werden, ist nach wie vor unklar. Ihr Nichterscheinen im Oktober wurde seitens des Gerichts damit begründet, dass die Ladungen nicht zugestellt werden konnten. Die Adressen seien offenbar nicht mehr aktuell. Mit Unterstützung der österreichischen Behörden konnten nun die neuen Anschriften ermittelt werden. Es erfolgten neuerliche Ladungen, die Zeugen blieben jedoch erneut fern.

Nun Winterpause bis 22. Jänner
Insgesamt sind 14 Männer angeklagt, drei sind noch flüchtig. Sie sollen für den grausamen Erstickungstod der 71 Flüchtlinge verantwortlich sein, deren Leichen im August 2015 in einer Pannenbucht bei Parndorf gefunden wurden. Der Prozess wegen unter anderem qualifizierten Mordes und Schlepperei im Rahmen einer kriminellen Vereinigung wird am 22. Jänner fortgesetzt.

Kronen Zeitung/krone.at

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