Skurriler Nebenjob

Rent-A-Fan: Falscher Jubel gegen Bezahlung

Man plant eine Veranstaltung, befürchtet aber, dass zu wenig Gäste kommen oder keine gute Stimmung herrschen wird? Kein Problem, Rent-A-Fan! Ein besonderer Nebenjob ist nämlich der des Claqueures. Man wird dafür bezahlt, dass man ordentlich Stimmung macht und viel klatscht. Die meisten denken sich jetzt sicher: "Wow, ich kann nicht nur gratis zu Veranstaltungen gehen, sondern bekomme auch noch Geld dafür!" City4U hat sich die positiven und negativen Seiten des Fan-Seins angesehen.

Als die Fußballweltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan über die Bühne ging, saß Klaus Bernhard zu Hause in Deutschland vor dem Fernseher und war frustriert. Nicht wegen der Leistung der eigenen Mannschaft, sondern weil die Stadien halb leer und dadurch auch die Stimmung nicht gerade überschwänglich war. Doch dann sah man plötzlich Koreaner in dänischen Fußballtrikots den Spielern aus dem hohen europäischen Norden zujubeln. Das koreanische Rent-A-Fan-Programm erfüllte seinen Auftrag.

#Realität wird steuerbar

Bereits 1997 wurde die erste Agentur dieser Art in New York gegründet. Klaus Bernhard führt Rent-A-Fan nun seit mehreren Jahren erfolgreich im deutschsprachigen europäischen Raum. Allein in Österreich gibt es 3.500 Mitglieder, die einige Male pro Jahr als Fans ausrücken. "Firmenfeiern, Musikkonzerte, Theater, Flashmobs, TV. Überall wo man eine Menge von Menschen benötigt, werden wir engagiert", sagt Bernhard stolz im Gespräch mit City4U. Mehr will er jedoch nicht verraten, da keiner seiner Kunden will, dass die breite Öffentlichkeit weiß, dass die jubelnden Fans bei der letzten Veranstaltung in Wahrheit bezahlt wurden. Denn wie es die Homepage treffend formuliert: "Realität wird mit Rent-A-Fan steuerbar".

#Man erlebt was

Die Wienerin Alina* arbeitet schon seit einigen Jahren bei Rent-A-Fan. "In einer Großstadt ist die Auftragslage dichter, als in kleineren Orten. Da gibt es dann oft nur drei Termine pro Jahr, weil man tatsächlich nur die Aufträge erhält, die in der Umgebung des jeweiligen Fans stattfinden", erklärt sie im City4U-Interview. Obwohl die Verdienstmöglichkeiten nicht schlecht sind - man verdient zwischen 16 und 20 Euro pro Stunde - eignet es sich eher als ein Zubrot, denn Nebenjob von dem man leben muss. "Ich war meistens auf Pop-Konzerten von lokalen Stars", sagt Alina.

#Auf geheimer Mission

Im Falle von Konzerten werden die gekauften Fans meist nicht von den Bands selber, sondern vom Veranstalter oder dem Manager gebucht. Aus diesem Grund dürfen die Claqueure nicht auffallen. "Es ist wie, als wäre man Teil einer Art Geheimmission. Man darf auf Konzerten nichts über Rent-A-Fan sagen. Da sitzt man dann da mit einem Lächeln im Gesicht, weil man mehr weiß als die anderen", betont Alina.

#Beerdigung und Parteibetrug

Neben den klassischen Anfragen von Konzerten und Kaufhaus-Eröffnungen gibt es aber auch andere, wie der Rent-A-Fan-Gründer sich erinnert: "Einmal wurden Personen zu einer Beerdigung einer bekannten Persönlichkeit geordert. Dann erhielten wir eine Anfrage von einer Partei, die Leute brauchte, die in die Partei eintreten, abstimmen und wieder austreten. Geld würde keine Rolle spielen. Diesen Auftrag lehnten wir jedoch ab und unterrichteten auch die Partei davon."

#Eigener Flieger

Der Großteil der Einsätze ist aber durchaus fröhlich und lustig. "Es war einmal ein Modelabel, welches in drei Großstädten, darunter Wien, innerhalb von drei Tagen seine Kollektion vorstellte. Unsere Fans wurden von Ort zu Ort geflogen, inklusive Übernachtung und Verpflegung. Eine coole Sache war das. Auch Tanz-Flashmobs sind immer ein tolles Erlebnis, das viel Spaß macht." Man muss als gemieteter Fan also durchaus flexibel sein und auch ein schauspielerisches Talent haben: Von der Trauer auf der Beerdigung über heisse Moves bei Flashmobs bis zu kreischender Groupie bei Konzerten.

#Komisches Gefühl

Trotzdem ist es manchmal komisch für Alina: "Man erlebt schon verrückte Sachen. Man sitzt im Publikum und weiß, dass alle Fanrufe nur gespielt sind. Das ist etwas bizarr. Es gibt halt nichts im Leben, was es nicht gibt. Für Geld kann man so ziemlich alles kaufen, auch die eigenen Fans."

*Name von der Redaktion geändert

November 2017

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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