Mo, 28. Mai 2018

Demonstration

20.11.2017 21:06

Aufregung bei der Gatterjagd

Freunde werden sie in diesem Leben wohl nicht mehr: Landesjägermeister Mayr-Melnhof und Martin Balluch, Obmann des Vereins gegen Tierfabriken. Am Montag gerieten die beiden im Rahmen einer angemeldeten Gatterjagd aneinander, die Polizei musste schlichten. Eine Seite tobt, die andere beschwichtigt.

Seit Jahren decken sich Maximilian Mayr-Melnhof und Balluch mit Anzeigen ein. Zuletzt ging es um Hass-Postings im Internet, Balluch wurde - nicht rechtskräftig - zu 38.000 € Entschädigung verurteilt.

Am Montag die nächste Runde: Erneut war eine Gatterjagd in der Antheringer Au angesetzt. "Alles korrekt angemeldet", wie Mayr-Melnhof der "Krone" versichert. "Es war eine von zwei Jagden pro Jahr." Wieder fanden sich Demonstranten dort ein. "Vermummt, nur die Augen waren zu sehen", warnten Mayr-Melnhof und seine Aufpasser vor dem Sperrgebiet. "Die meisten haben sich angemessen verhalten, einige nicht", alarmierte Mayr-Melnhof die Polizei. "Ein Demonstrant wurde zur Feststellung der Identität auf die Inspektion mitgenommen. Damit war für uns die Sache erledigt."

Das sieht Obmann Balluch naturgemäß anders: In einer Aussendung spricht er von einem "schwer angeschossenem und blutenden Wildschwein, das in Panik vor der Hundemeute und den geifernden Schützen flüchtet". Und davon, dass Tierschützern die Kameras geraubt wurden und zwei von ihnen nach Attacken sogar verletzt ins Spital gebracht werden mussten. "Es waren unfassbare Szenen. Um die Aufnahmen der Tierquälereien um jeden Preis zu verhindern, ist Mayr-Melnhof sogar bereit, zu Gewalt zu greifen", polterte Balluch. Vorwürfe, die wohl wieder die Behörden und natürlich die Gerichte auf den Plan rufen.

Kronen Zeitung

Martin Balluch: Tierethiker und Hawking-Assistent

  • Martin Balluch (53) ist Obmann des Vereins gegen Tierfabriken (VGT), der 1992 nach Schweizer Vorbild gegründet wurde. Der Verein zählt 18.000 Mitglieder und finanziert sich ausschließlich über Spendengelder.
  • Immer wieder gerät der Verein mit dem Gesetz in Berührung. 2008 werden mehrere Tierschutzaktivisten, darunter drei VGT-Mitglieder, wegen des Vorwurfs der Bildung einer kriminellen Vereinigung fest genommen. Im folgenden Prozess wurden alle 13 Beschuldigten frei gesprochen. Umgekehrt erfolgten dann Anzeigen gegen den Staatsanwalt sowie ermittelnde Beamte, eine Klage auf Schadenersatz aber abgelehnt.
  • Im Visier des VGT ist auch der Salzburger Landesjägermeister Maximilian Mayr-Melnhof, weil Salzburg laut VGT "neben Niederösterreich das letzte Bundesland ist, das die Gatterjagd noch erlaubt."
  • Martin Balluch kann durchaus auf einen bemerkenswerten Lebenslauf blicken: Er studierte Mathematik, Physik und Astronomie an der Universität Wien, promovierte 1989 an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg zum Doktor der Physik. In den 1990er-Jahren assistierte er neben Stephen Hawking an der Universität Cambridge.
  • Dort startete er auch sein Tierschutz-Engagement. Zurück in Wien begann er die Aktionen des Vereins gegen Tierfabriken zu koordinieren. Er sieht sich als Tierethiker und schreckt auch vor unkonventionellen Methoden nicht zurück: 2007 beantragte er die Sachwalterschaft für einen Schimpansen: Das Medienecho war enorm, das Gericht lehnte seinen Antrag aber ab.

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