Mi, 23. Mai 2018

Schauspielhaus

18.11.2017 19:05

"Hiob": Von schwarzweiß bis grellbunt

Ein Meisterwerk wie Joseph Roths Roman "Hiob" auf die Bühne zu hieven, ist eine gewagte Herausforderung. Regisseur András Dömötör bewältigt diese Aufgabe am Grazer Schauspielhaus mit Anstand. Doch nicht nur das Bühnenbild pendelt zwischen schwarz-weiß und grellbunt.

Joseph Roth hat die Geschichte des russischen Juden Mendel Singer, der einen Schicksalsschlag nach dem anderen hinnehmen muss, seinen Glauben verliert und damit an den biblischen Hiob erinnert, 1930 als einen der großen Romane des 20. Jahrhunderts veröffentlicht. Darin behandelt er heute immer noch brandaktuelle Themen wie Heimat, Migration, Tradition und Freiheit. Wohl einer der Gründe, den Roman mittlerweile schon mehrfach (die Bühnenfassung schuf Koen Tachelet 2008) auf die Bühne bringen zu wollen.

Der junge ungarische Regisseur András Dömötör versucht in seiner Fassung die eindringliche Erzählweise Roths zu betonen, indem er die Schauspielerin Elmira Bahrami mit Kommentaren und Geige spielend durch den Abend führen lässt. Er hält sich an die Zweiteilung des Romans (das russische Dörfchen Zuchnow und Amerika), verdeutlicht das auch mit verschiedenen Farben und Tempi sowie dem gut gelösten Rollenwechsel seiner beiden Hauptakteure Mendel und Menuchim (Florian Köhler und Franz Solar - beide in großer Form).

Dennoch mischen sich hier in die vielen berührenden Momente schrille Oberflächlichkeiten - und man sieht sich nicht selten einer gewissen Unentschlossenheit ausgesetzt. Auch Eszter Kálmán zeigt in ihrer Ausstattung mehr starke Kontraste und weniger Zwischentöne, wechselt vom tristen Schwarzweiß ins überzeichnete Grellbunt.

Kein verlorener Abend
Für Gänsehaut-Momente sorgen die Schauspieler, allen voran Köhler und Solar, aber auch Susanna Konstanze Weber als Singers Ehefrau Deborah. Raphael Muff und Ferdinand Seebacher verkörpern die Söhne, die so gar nicht den Wünschen ihres Vaters entsprechen und die er beide verliert; Tamara Semzov die Tochter, die ein ähnlich tragisches Schicksal erleidet. Fredrik Jan Hofmann muss dafür den Mac schon fast als amerikanische Karikatur geben.

Alles in allem ein Abend, der viele schöne Momente beinhaltet, einige davon aber achtlos verschenkt und dadurch an Kraft verliert. Aber auf keinen Fall ein verlorener Abend.

Michaela Reichart, Kronen Zeitung

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