Sa, 18. November 2017

Unter der Stadt

14.11.2017 14:59

Kanalarbeiter: „Das Klo ist kein Mistkübel!“

365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag - die Kanalarbeiter in Wien sind immer im Einsatz. Rund 250 Männer sorgen für einen reibungslosen Ablauf unter der Erde. Die Kanalräumer verrichten täglich eine kräftezehrende Arbeit. City4U hat sich erkundigt, was den Herren unter den Straßen Wiens das Leben schwer macht. So viel sei schon mal verraten: Strumpfhosen sollten nicht im WC runtergespült werden.

2.500 Kilometer lang ist das öffentliche Wiener Kanalnetz. Das entspricht einer Strecke von Wien nach Paris und wieder retour. 200 Mrd. Liter Abwasser wurden allein 2016 zur Kläranlage in Simmering transportiert. 99 Prozent aller Haushalte der österreichischen Hauptstadt sind an das Kanalnetz angeschlossen. Ein Spitzenwert in Europa. Ohne ein funktionierendes Kanalsystem wäre Wien nicht die saubere und lebenswerte Stadt, die sie ist.

#Das Klo ist kein Mistkübel

Ohne einen Kanal kann das Abwasser aus den Wohnungen und Häusern der Stadt nicht abfließen. Wird er nicht sauber gehalten, verstopft er und das Gleiche passiert. Aus diesem Grund sind Kanalarbeiter unerlässlich. "Alles was Sie reinschmeissen, müssen wir wieder rausholen", appelliert Josef Gottschall, Pressesprecher von Wien Kanal, im Gespräch mit City4U: "Das Klo ist kein Mistkübel. Auch wenn es bequem erscheint." Schließlich werden täglich 15.000 Tonnen abgelagertes Material aus den Kanälen geräumt.

#Hygieneartikel und Strumpfhosen

Im WC landet viel, das nicht hineingehört. "Katzenstreu, Essensreste, Strumpfhosen und andere Textilien, Wattestäbchen oder die Entleerung des Aschenbechers. Viele Leute wissen nicht, dass das nicht in der Toilette runtergespült werden soll", erklärt Gottschall. Auch Damenhygieneartikel stellen ein großes Problem dar. Bereits im Kindergarten sind Kanalarbeiter unterwegs um von ihrer Arbeit zu erzählen und zu lehren, was im WC landen soll.

#Das Fett muss weg

Aber auch was durch die Abwasch in den Kanal kommt kann Folgen haben, weiß der Pressesprecher: "Speisereste, Öl und Fett gehören nicht so entsorgt. Das Fett lagert sich ab, härtet aus und das Abflussrohr wächst dann richtig zu. Wenn es einmal verklebt ist, fängt es auch an zu stinken." Deswegen soll man das Öl aus der Pfanne in Gurkengläsern oder dem Wiener Ölsammelkübel sammeln und bei den Problemstoffsammelstellen abgeben. Alternativ kann man die Fettrückstände auch mit einer Küchenrolle abwischen und mit dem Restmüll entsorgen.

#Handys landen oft im Kanal

Die Notrufstelle von Wien Kanal, der sogenannte "Verstopfungsdienst" ist 24 Stunden am Tag besetzt. Über 1.000 Einsätze konnten im letzten Jahr verzeichnet werden. Die häufigsten Gründe sind Handys und Autoschlüssel, die in den Gulli gefallen sind. Meistens können die Kanalarbeiter die Utensilien wieder herausholen. Diese Einsätze sind jedoch kostenpflichtig.

#Räuber und Leichenteile

Was man weder über den Kanal noch generell entsorgen sollte, sind Leichenteile. Auch das ist schon mal passiert, wie Gottschall erzählt: "Ein bis zwei Mal wurden Leichenteile über die Kanalisation entsorgt, die auch gefunden wurden. Aber das ist schon 100 Jahre her." Noch nicht so lange her ist ein spektakulärer Juweliereinbruch, bei dem die Täter über die Kanalisation einen Tunnel gegraben haben und genau vor der Kassa im Geschäft wieder ans Tageslicht kamen. Die Beute transportierten sie dann auch im Kanal mit einem Schlauchboot ab. "Meine Kollegen haben das Boot gefunden, jedoch nicht den Schmuck. Bis heute wurden die Täter nicht gefasst", sagt Gottschall.

#Absolut lebensgefährlich

Wer auf die Idee kommen sollte, einen Kanal auf eigene Faus zu erkunden, dem rät Josef Gottschall dringend ab: "Sogenannter Kanaltourismus ist absolut lebensgefährlich und schwachsinnig. Das kommt zum Glück auch nicht häufig vor, da sie nur über die Deckel auf der von Autos befahrenen Straße zu betreten sind. Das Abwasser kann jederzeit umgeleitet werden. Auch wenn man sich gerade in einem leeren Rohr befindet, kann sich das so schnell ändern und gegen die Wassermassen hat man keine Chance."

November 2017

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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