Fr, 17. November 2017

Schlafmangel & Süßes

14.11.2017 12:38

Iso-Syndrom: So macht das Handy die Kids krank

Das Smartphone ständig in der Hand, nebenbei Fast-Food essen und immer öfter die Schule schwänzen: Diese Trias, die vor zwanzig Jahren noch undenkbar gewesen wäre, kommt mittlerweile so häufig vor, dass sie bereits einen eigenen Namen hat: Iso-Syndrom. Die Bezeichnung setzt sich aus I für Internetsucht, S für schulvermeidendes Verhalten und O für Obesitas zusammen. Immer mehr Jugendliche sind davon betroffen.

Wenn ein Phänomen einen Namen bekommt, ist das meistens ein Zeichen dafür, dass es häufiger wird. Mehr als vier Stunden sind unter 30-Jährige jeden Tag online - ist das noch normal? Ab wann wird das Smartphone zur Sucht? Wenn man Angst hat, ohne Mobiltelefon unerreichbar für soziale und gesellschaftliche Kontakte zu sein, nennt man das Nomophobie. Das Kofferwort steht für  "No-Mobile-Phone-Phobia", was wörtlich übersetzt "Kein-Mobiltelefon-Angst" bedeutet. Eine Studie in Großbritannien ergab, dass 2012 bereits 66 Prozent der Briten davon betroffen waren.

#Das Iso-Syndrom

Die Insula ist ein Rehazentrum in Deutschland für übergewichtige junge Menschen. Am Smartphone spielen, übergewichtig sein und Schule schwänzen treten mittlerweile so häufig zusammen auf, dass der ärztliche Leiter der Einrichtung, Wolfgang Siegfried, bereits von einer neuen Krankheit spricht: dem Iso-Syndrom. Sobald er hundert Fälle ausgewertet hat, will er entscheiden, ob er der Fachwelt ein neues Leiden präsentiert. Dann wird sich zeigen, ob das Iso-Syndrom den Rang einer eigenen Krankheit bekommt.

#Schlafentzug

"Diese Trias kommt tatsächlich häufig vor. Die Computerspiele sind im Prinzip ja aufgebaut wie Drogen. Man soll nicht mehr aufhören zu spielen. Sie sind schon so ausgetüftelt, weil man den User so gut kennt", erklärt Christian Beer, Psychotherapeut bei der Wiener Couch. Jugendliche, die eine enge Struktur tagsüber hätten, würden dann eben in der Nacht spielen und zu müde für die Schule sein. "Tatsächlich schlafen die Menschen heute eineinhalb Stunden weniger als früher - wegen der medialen Dauerberauschung", sagt der Psychotherapeut.

#Selbststeuerung ist wichtig

"Die sozialen Medien zielen ja darauf ab, den Präfrontalen Cortex auszuschalten, der für die Selbststeuerung zuständig ist. Das Ganze ist eine klassische Negativspirale", erläutert Beer. Im letzten Jahr hat der Wiener Psychotherapeut drei Jugendliche mit diesen Symptomen behandelt: "Meist sind es nur Phasen. Trotzdem wird die berufliche Karriere verzögert. Im schlimmsten Fall wird dann zu Drogen gegriffen. Bei denen geht es ja auch um den kurzen Entspannungszustand. Aber hat man andauernd nur Entspannung, wird das Leben sinnlos, weil die Planung nicht mehr funktioniert."

#Rausch ohne Drogen

Zu einer problematischen Internetnutzung kommt es nur dann, wenn die Fähigkeit zur Selbstregulation eingeschränkt ist. Smartphone-Sucht selbst ist auch noch kein klinischer Begriff und kann nicht offiziell diagnostiziert werden. Trotzdem können die Symptome mit einer substanzbezogenen Sucht wie der von Drogen verglichen werden.

#Die ersten Symptome

Die Therapie- und Beratungsstelle für Mediensucht in Wien ist eine Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche und deren Angehörige. Dort wird Hilfe geboten bei exzessiver Nutzung von Internet, PC und Smartphone. Die Beratungsstelle hat eine Liste ausgearbeitet mit Symptomen, die erste Anzeichen einer Sucht zeigen. Darunter fällt Kontroll- und Abstinenzverlust, unwiderstehlicher Drang Online-Angebote zu nutzen, Auftreten von Entzugserscheinungen wie Unruhe und Gereiztheit und die Vernachlässigung von Pflichten und sozialen Kontakten.

#Was kann man tun?

Das Iso-Syndrom und die Smartphone-Sucht sind vor allem ein Phänomen der Zeit. Um sie gar nicht erst entstehen zu lassen, sollte man sehr früh mit Sport oder einem Musikinstrument beginnen. "Das stärkt die Selbststeuerung. Regelmäßiges, konzentriertes Tun ist wichtig und der Spaß steht im Vordergrund. Im Gegensatz zur Schule, in der die künstliche Einteilung der Welt in Fächer dazu führt, dass die Kinder gar nicht wissen, wofür sie eigentlich lernen", meint Beer. Also: Das Handy auch mal ausschalten und sich in die reale Welt begeben.

November 2017

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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