Do, 23. November 2017

Experten vs. Jäger

13.11.2017 10:09

Wie viele Wölfe verträgt das Land?

Laut dem renommierten Verhaltensforscher Kurt Kotrschal wäre in Österreich locker Platz für mehrere Hundert Wölfe. Und auch 70 Prozent der Österreicher sind nach einer aktuellen WWF-Umfrage positiv auf die Ahnen unserer Hunde eingestellt - hegen Sympathie für die scheuen Tiere, welche schon seit jeher Heimat in Österreich hatten.

Weltweit leben rund 200.000 Wölfe in freier Natur. 30.000 davon in Mitteleuropa. Ein einziges Rudel von nur rund 15 Tieren seit Kurzem auch wieder in Österreich. "Dabei ist unser Land eines der besten Wolf-Habitate überhaupt. Bedenkt man nur etwa alleine die Ötscher-Region oder die Tiroler Alpen - und die extreme Wilddichte, die es in Österreich gibt", so Kurt Kotrschal, Leiter der Konrad-Lorenz-Forschungsstation, der sein Leben seit einigen Jahren den Wölfen gewidmet hat.

Kotrschal kann - ob der Hysterie, die über die wenigen Tiere, die auf dem Truppenübungsplatz im Waldviertel gesichtet wurden, herrscht - nur lächeln. Der Rückkehr auf leisen Pfoten gemeinsam mit anderen Biologen hingegen viel Positives abgewinnen. "Sie gehören absolut zu unserem Ökosystem. Und das seit Jahrhunderten." Sind, was Menschen betrifft, sowieso extrem scheu. Reißen, wenn überhaupt, in der Natur nur junge, alte oder kranke Tiere. Und: Landwirte, die Schafe halten, sollten sich alter Traditionen wieder bewusst werden. Heißt, Hütehunde halten oder auch Weidezäune installieren.

Landesjägermeister fordert Lösungen
Ein wenig unentspannter sieht es hingegen Landesjägermeister Josef Pröll. Denn, so seine Meinung: "Da ist absolut die Politik gefragt - man muss Lösungen anbieten und darf gerade Landwirte und Nebenerwerbsbauern nicht im Regen stehen lassen!" Im Regen stehen lassen sollte man auch nicht die Jägerschaft, die mit Gerüchten aufräumen muss. Etwa, dass Wölfe auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig ausgesetzt wurden. Dem kontert Verhaltensforscher Kotrschal: "Diese Wölfe sind nachweislich aus Lausitz zugewandert (Polen und Ostdeutschland)! Unsere in Ernstbrunn (WSC) sind alle vasektomiert. Können sich gar nicht vermehren. Das ist also Jägerlatein!"

Landesjägermeister Josef Pröll wiederum ist um Kompromisse bemüht. Hält aber ganz dezidiert fest: "Der Wolf darf und soll zurzeit bei uns in Österreich nicht bejagt werden. Daran möchte ich jeden Kollegen mit Nachdruck erinnern. Ohne Punkt und Komma!"

Ingrid Altermann, Kronen Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).