Mi, 22. November 2017

Amtsinhaber bleibt

12.11.2017 21:13

Slowenien: Pahor gewann Präsidentenwahl

Amtsinhaber Borut Pahor hat die slowenische Präsidentenwahl am Sonntag gewonnen. Pahor setzte sich in einer Stichwahl mit 53,1 Prozent der Stimmen gegen den Lokalpolitiker und Ex-Comedian Marjan Sarec durch, wie die slowenische Wahlkommission nach Auszählung aller Stimmen mittelte. Sarec zielt indes bereits auf das Premiersamt und will bei der Parlamentswahl im Juli antreten.

Der Bürgermeister der Stadt Kamnik hatte den haushohen Favoriten vor drei Wochen unerwartet in eine Stichwahl gezwungen. Sarec hatte im Wahlkampf die Anti-Establishment-Karte gespielt und tiefgreifende Veränderungen versprochen. Beobachter sehen den 39-Jährigen nun als Anwärter auf das Amt des Ministerpräsidenten. Die beiden letzten Parlamentswahlen hatten jeweils politische Quereinsteiger gewonnen.

Er werde bei der Parlamentswahl antreten, "wenn die Menschen dies wollen", sagte der Bürgermeister am Samstagabend unter dem Jubel seiner Anhänger. "Ich bin als Clown in dieses Rennen eingestiegen - und jetzt ist das so ein knappes Rennen", jubelte er. Die Wähler hätten gezeigt, "dass die Zeit für einen Generationenwechsel gekommen ist". Sarec hatte im Wahlkampf tiefgreifende Reformen des politischen Systems versprochen, darunter eine Stärkung der Position des Ministerpräsidenten und eine Änderung des Wahlsystems.

Neues Rekordtief bei Wahlbeteiligung
Die Wahlbeteiligung erreichte mit gut 40 Prozent ein neuerliches Rekordtief. In der ersten Runde hatten nur 44 Prozent der Wahlberechtigten votiert, was einer der Gründe für das schwache Abschneiden Pahors war. Viele seiner Unterstützer dürften zu Hause geblieben sein, weil Umfragen ihm eine klare absolute Mehrheit im ersten Wahlgang vorhersagten.

Pahor hatte sich bei der Stimmabgabe am Vormittag zuversichtlich gezeigt. "Heute bin ich viel ruhiger als im ersten Wahlgang", sagte der 54-Jährige. Er hatte im Wahlkampffinish einen Imagewechsel versucht, um den Angriff des politischen Newcomers abzuwehren. Vor fünf Jahren hatte der sozialdemokratische Ex-Premier mit demonstrativer Bürgernähe, die bis hin zu "Arbeitseinsätzen" als Straßenarbeiter oder Müllmann reichte, um Stimmen geworben und so den distinguierten Diplomaten Danilo Türk aus dem Präsidentenpalast vertrieben.

Fast über Populisten-Image gestolpert
Im jetzigen Wahlkampf wäre Pahor seine Attitüde des "positiven Populisten" aber fast auf den Kopf gefallen. Namhafte Intellektuelle warfen ihm vor, mit kindischen Instagram-Postings das Amt des Staatsoberhauptes trivialisiert und sinnentleert zu haben. Damit ermöglichte es Pahor ausgerechnet dem früheren Kabarettisten und Politikerimitator Sarec, sich als seriöse Alternative zu präsentieren. Die Aufgabe des Präsidenten sei es nicht, "die Menschen zu amüsieren", betonte Sarec, der den meisten Slowenen bis vor wenigen Monaten vor allem als Kunstfigur "Serpentinsek" bekannt gewesen war.

Der knappe Wahlsieg Pahors dürfte vor allem dem konservativen Oppositionsführer Janez Jansa Kopfzerbrechen bereiten. Er war nämlich der Hauptleidtragende der politischen Quereinstiege bei den Parlamentswahlen 2011 und 2014, vereitelten sie ihm doch jeweils sicher scheinende Wahlsiege. Beobachter mutmaßten, dass sich Jansa insgeheim einen Sieg Sarec' bei der Präsidentenwahl wünschte, um diesen aus dem Parlamentsrennen zu halten. Offen unterstützen konnte er den Lokalpolitiker aber nicht, zählt doch der Gottseibeiuns der slowenischen Rechten, der postkommunistische Ex-Präsident Milan Kucan, zu Sarec' "Paten".

 krone.at
Redaktion
krone.at
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden