Sa, 16. Dezember 2017

2 Jahre nach Paris

12.11.2017 20:51

Wie der blutige Terror die Menschen verändert hat

Heute vor zwei Jahren starben 130 Menschen in Paris durch die Hand der Terrormiliz IS. Für die Franzosen wurde der 13. November 2015 zu ihrem ganz eigenen "9/11". In einem groß angelegten Forschungsprojekt untersuchen Wissenschaftler nun, wie der Terror die französische Gesellschaft nachhaltig verändert.

Stolz hält David Fritz Goeppinger seinen linken Arm in die Kamera. Zwei wichtige Werte stehen da, in römischen Zahlen: Es ist ein Datum, der 13. November 2015. An jenem Tag wurde der 25-Jährige Zeuge des IS-Massakers in der Konzerthalle Bataclan. 90 Menschen starben. Doch David überlebte. Genauso wie seine Freunde. Für dieses Glück steht der zweite Wert - fünf von fünf: "Wir waren fünf Kumpel vor der Attacke. Und fünf danach", erklärt er.

Laura Leveque (32) wurde bei dem Anschlag unter "Dutzenden toten Körpern" begraben. Die Last der Erinnerung trägt sie heute symbolisch auf ihren Schultern - mit zwei großflächigen Tätowierungen. So wie David und Laura ließen sich Hunderte Franzosen nach der Terrorattacke ein Tattoo stechen. Als Zeichen gegen den Terror.

Forscher analysieren Langzeitfolgen
Doch was genau spielt sich unter der (Haut-)Oberfläche der Überlebenden ab? Dieser Frage gehen Forscher bei einer Studie nach. Im Zentrum steht das gesellschaftliche Gedächtnis - und welche Folgen ein so einschneidendes Ereignis auf die Menschen hat. Programmleiter Francis Eustache: "Wir wollen verstehen, wie sich die Erinnerungen im Laufe der Jahre verändern."

Dazu führen Forscher Videointerviews mit 1000 Menschen durch - darunter mit Überlebenden, aber auch mit unbeteiligten Franzosen. Sie sollen innerhalb von zehn Jahren viermal zu ihren Erinnerungen befragt werden.

Knapp die Hälfte leidet an Belastungsstörungen
Bereits 2016 untersuchten Psychiater 120 Betroffenen der Anschläge. Knapp die Hälfte der Teilnehmer entwickelte eine posttraumatische Belastungsstörung. Eustache: "Typisch dafür sind Symptome des Wiedererlebens. Bilder, Töne, Gerüchte, die sich der Person aufdrängen. Man glaubt, dass diese Eindrücke aufs Neue präsent sind."

Dieses Video zeigt die erste Sekunden des Bataclan-Anschlags:

2018 und 2021 werden dieselben Überlebenden noch einmal befragt. MRT-Aufnahmen sollen dabei - im wahrsten Sinne des Wortes - sichtbar machen, welche Spuren der Terror in den Köpfen der Menschen hinterlassen hat ...

Kronen Zeitung/krone.at

Rückblick: Als der Terror Paris traf

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