Sa, 25. November 2017

Eishockey-Teamchef

12.11.2017 10:58

Bader: „Mir ist egal, wie alt ein Spieler ist“

Um Haaresbreite verfehlte Österreichs Eishockey-Nationalteam beim Turnier in Innsbruck Platz eins. Nach der knappen 1:2-Niederlage im letzten Spiel am Samstag gegen Dänemark belegte der Gastgeber Platz drei, im Hinblick auf die A-WM 2018 sammelte Teamchef Roger Bader aber viele positive Erkenntnisse. Im Interview mit der "Krone" plauderte der 53-Jährige über seine jungen Wilden, Routine und Jürgen Klinsmann.

"Krone": Ihr Fazit nach dem Turnier in Innsbruck dürfte ein positives sein?
Roger Bader: Von der Leistung her sicher. Wir waren bei der Niederlage nach Verlängerung gegen Norwegen auf Augenhöhe, haben Südkorea beim 8:3-Sieg dominiert und gegen Dänemark nach ausgeglichenen 40 Minuten im letzten Drittel ganz klar den Ton angegeben. Schade, dass es am Ende nicht zum Turniersieg gereicht hat.

Beeindruckend war auch, wie die zahlreichen jungen Spieler in Innsbruck frech drauf los spielten.
Ich habe Wertschätzung für diese Spieler, hatte sie bereits in der U20. Es ist einfach notwendig, diese Spieler einzubauen. Weil wir im Nationalteam nicht nur kurz-, sondern auch mittel- und langfristig denken müssen. Wir bereiten uns auf die A-WM 2018 in Dänemark vor, bauen aber gleichzeitig eine Mannschaft auf, die sich für die Olympischen Spiele 2022 qualifizieren kann. Es kann sein, dass von den jungen Spielern nur einer oder zwei die WM 2018 machen werden, aber ich bin überzeugt, dass mehrere von ihnen das Gros der Mannschaft in einigen Jahren bilden werden.

Team-Debütant Dominic Zwerger hat in Innsbruck gleich getroffen, zählt nun wohl auch zum Kandidaten-Kreis für die A-WM.
Das tut für mich grundsätzlich jeder. Wenn etwas typisch ist für meine Amtszeit der ersten zwölf Monaten, dann ist es die Verjüngerung der Mannschaft und ein Verbreitern des Kaders. Ich habe alte Zöpfe abgeschnitten, in dem ein Spieler nicht nur auf Grund seines Namens gesetzt ist. Ich hab geschaut, was braucht es für Qualitäten, Schnelligkeit und Tempo. Ich weiß, dass junge Spieler viel mehr leisten können, wenn man ihnen die Gelegenheit gibt. Trotzdem brauchen wir die erfahrenen Spieler bei der WM, wir werden sie auch 2018 haben, auf die gute Mischung kommt es an.

Weil bei einer A-WM die "Routine" umso mehr gefragt ist.
Ich kann mit dieser Floskel "Routine" nichts anfangen. Was heißt Routine? Wenn ein Spieler 50 Länderspiele vorzuweisen hat, doch im nächsten April nicht in Form ist, hilft uns das nicht weiter. Wir brauchen nicht Routine - wir brauchen gute Spieler. Es ist nicht so, dass einer nur dabei ist, weil er jung ist. Es ist mir völlig egal, wie alt ein Spieler ist und bei der WM sein wird. Was zählt, ist die Qualität, die Rolle, die er in meinem Team hat. Ich habe den Markt geöffnet, weil ich der Meinung bin, dass wir uns schon längst verjüngen hätten müssen. Das machen andere permanent.

Sie entwickeln das Team stetig weiter, ließen in Innsbruck daher auch Fitnesstests durchführen.
Ich möchte es beim Nationalteam so halten, wie es einst Jürgen Klinsmann und Jogi Löw beim deutschen Fußball-Nationalteam praktiziert haben. Mit neuartigen Trainings-Methoden, über die alle den Kopf schüttelten - heute machen es aber alle. Ich möchte, dass die Spieler im Nationalteam nicht denselben Test machen wie im Klub, den Horizont erweitern. Dass sie hier auch profitieren von neuartigem Gedankengut und Erkenntnissen. Besagten Test aus der Schweiz, wo Schnelligkeit und Ausdauer überprüft werden, hat niemand davor gekannt. Er lieferte bei unseren Spielern sehr gute, aber auch weniger gute Ergebnisse.

Das Nationalteam sieht sich nun erst in drei Monaten wieder, beim nächsten Vorbereitungs-Turnier im Februar in Dänemark.
Im Dezember sind wir eine der wenigen Nationen in ganz Europa, die keine Liga-Pause einlegen, um ein Turnier zu absolvieren. Fast all unsere Konkurrenten haben im Dezember ein Turnier. Natürlich stört mich das. Aber ich kann es im Moment nicht ändern.

Sie werden in Zukunft wohl versuchen, eine Änderung zu erwägen.
Ich bin auch Sportdirektor des Verbandes, als solcher versuche ich in allen Bereichen, die das österreichische Eishockey voranbringen können, Impulse zu setzen. Das wäre nur einer von vielen Impulsen, die ich setzen möchte.

Hinter den Erwartungen blieb in Innsbruck die Zuschauer-Zahl bei den Österreich-Matches.
Eines meiner Ziele wäre, das Nationalteam so populär zu machen, dass mehrere Tausend Leute zu solch einem Turnier kommen. Dazu müssen wir eine ständige A-Nation werden. In der Schweiz ist jedem klar: Wenn das NationaLteam populär ist, hat es Einfluss auf die Liga. Es gibt mehr Zuschauer, mehr Sponsoren und auch mehr Kinder, die zum Eishockey kommen. Dort unterstützt jeder das Nationalteam, jeder gibt was in diesen Topf rein, da können am Ende alle aus diesem Gesamt-Topf wieder raus schöpfen. Ich sehe in Österreich auch schon Tendenzen in die positive Richtung, aber es ist noch nicht so, dass jeder große Klub das Nationalteam tatkräftig unterstützt. Und zwar nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten.

Was brauchen der Verband und auch das Team?
Wir brauchen finanzielle Mittel und Manpower. Die Vereine werden davon profitieren, sollten wir es mal schaffen, eine Top-12-Nation zu sein, die auch ständig bei Olympischen Spielen dabei ist. Aber zunächst muss man investieren, ehe man rausschöpfen kann. Dieses Bewusstsein hat sich verbessert, es gibt aber auch noch Luft nach oben. Das heißt, dass sie uns nebenamtliche Trainer zur Verfügung stellen fürs Nationalteam, dass wir auch Gelder generieren können, weil wir brauchen Gelder für unsere Programme. Wir müssen diese Programme ausbauen. Wenn wir besser werden, hat es auch Einfluss auf die Klubs. Als die Schweiz vor vier Jahren WM-Silber holte, hatte in der darauf folgenden Saison jeder Klub im Schnitt um 500 Fans mehr. Einfach nur, weil das Nationalteam populär war. Dieses Gefühl muss noch viel stärker kommen. Und um jetzt den Kreis zu schließen: Dann werden auch mehr Fans zum Nationalteam kommen.

Christian Reichel, Kronen Zeitung

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