Fr, 24. November 2017

Mysteriöses Flackern

11.11.2017 06:31

„Zombie“-Supernova stellt Astronomen vor Rätsel

Eine im September 2014 beobachtete Supernova mit dem Katalognamen iPTF14hls gibt der Wissenschaft Rätsel auf. Als damals ein 800 Millionen Lichtjahre entfernter massereicher Stern explodierte, schien alles ganz normal. Das Spektrum des dabei ausgestrahlten Lichtes entsprach genau dem einer Supernova vom Typ IIP, die nach maximal 100 Tagen erlöschen sollte. Doch ein Jahr später mussten die Forscher feststellen, dass sie noch immer leuchtete.

Anstatt kontinuierlich dunkler zu werden, flackerte die Supernova über fast zwei Jahre wiederholt auf (siehe Grafik unten), als würde sie immer wieder explodieren. Auch heute, mehr als drei Jahren später, sei die Explosionswolke immer noch zu sehen, berichten Astronomen um Iair Arcavi vom Las Cumbres Observatory in Kalifornien.

Stern explodierte bereits anno 1954 einmal
Bei der Suche auf Hinweise zur Vorgeschichte des Sterns fanden die Forscher zu ihrer Überraschung zudem heraus, dass sich anno 1954 exakt an derselben Position bereits eine Supernova ereignet hat. Die Daten würden dafür sprechen, dass es damals einen energiereichen Prä-Supernova-Ausbruch gegeben haben, den der Stern offenbar irgendwie überlebt habe, so die Wissenschaftler. "Diese Supernova verstößt gegen alles, was wir über ihre Funktionsweise zu wissen glaubten", wird Arcavi in einer Mitteilung zitiert. Die Beobachtung passe zu keinem bekannten Supernova-Typ.

Möglicherweise handele es sich um die erste Beobachtung einer sogenannten pulsierenden Paarinstabilitätssupernova, einem bislang hypothetischen Typ. Dabei wird es in den Kernen sehr massereicher Sterne so heiß, dass die Energie in Paare von Materie- und Antimaterieteilchen umgewandelt wird. Die resultierende Explosion schleudert zwar die Außenschichten des Sterns ins All, lässt aber den Kern intakt, so dass sich der Prozess über Jahrzehnte wiederholen kann, bis der "Zombie"-Stern endgültig in einer Supernova explodiert, so die Theorie.

Vermutlich neuer Supernova-Typ
Tatsächlich haben die Astronomen errechnet, dass der Stern von iPTF14hls ursprünglich ein Gigant mit der 90- bis 130-fachen Masse unserer Sonne war. Allerdings kann das Modell der pulsierenden Paarinstabilitätssupernova nicht alle Beobachtungen erklären. Außerdem sollte dieser Supernova-Typ eigentlich nur im jungen Kosmos vorgekommen sein, so die Forscher. Möglicherweise handle es sich bei der ungewöhnlichen Supernova um einen ganz neuen, bislang unbekannten Typ von Sternexplosion.

Wilhelm Eder
Redakteur
Wilhelm Eder
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden