Di, 12. Dezember 2017

Dalkurd FF

09.11.2017 13:47

Kurdisches Flüchtlingsteam wirbelt Schweden auf

Dalkurd, das Team der Kurden in Schweden, schaffte, was vor 13 Jahren, bei seiner Gründung, noch keiner für möglich hielt: Als Meister der zweiten Liga stehen sie nun als Aufsteiger in Schwedens höchster Spielklasse (genannt Allsvenskan) fest.

Dalkurd ist - laut Statuten - ein Symbol für die 40 Millionen Kurden weltweit, der Besitzer ist Kurde, die Sponsoren sind Kurden, die Spieler sind Kurden. Die Mannschaft existiert erst seit 2004, begann in der schwedischen Kreisliga (8.Liga), schaffte jetzt aber, wie im Vorjahr, den Durchmarsch.

Schon der Name erinnert daran, dass wir es hier mit einer schwedisch-kurdischen Mannschaft zu tun haben. "Dal" verweist auf die Region Dalarna, wo die kurdische Mannschaft vor 13 Jahren in der 40.000 Einwohner-Kleinstadt Borlange gegründet wurde. "Kurd" steht für Kurdistan.

2004, vor 13 Jahren haben kurdische Flüchtlinge den Klub gegründet. Der Verein hatte sich primär zum Ziel gesetzt, die kurdischen Jugendlichen von der Straße wegzubringen. Ihre Rechnung ging auf, schon im ersten Jahr gewann das Team mit lauten 16-17-Jährigen die schwedische Kreisliga.

Der Klub ist ein schwedisch-kurdischer Mix, im Wappen des Teams sieht man die kurdische Nationalfarben und zwei Pferde, die Symbole der schwedischen Region Dalarna. Interessanterweise spielen bei Dalkurd nicht mehr ausschließlich Kurden, in der Mannschaft sind mindestens 10 Nationalitäten vertreten, darunter Spieler von Sierra Leone, USA, Palästina. Die Mannschaft fixierte Ende Oktober mit einem 1:0 über das Traditionsteam GAIS den Aufstieg. 6.500 Zuschauer feierten in Borlange.

Sportdirektor Adil Kiliz gab im Gespräch mit der deutschen Fanzeitschrift "11Freunde" zu Protokoll: "Man kann davon ausgehen, dass so ziemlich jeder Kurde in der Türkei, im Irak, im Iran, in Syrien, im Libanon oder sonst wo mitbekommen hat, dass wir aufgestiegen sind. Natürlich spüren wir diese Anteilnahme und diese massive Unterstützung. Sie haben uns dorthin gebracht, wo wir jetzt sind. Es ist eine völlig verrückte Reise, die wir hingelegt haben. Ich wusste aber immer, dass wir nicht aufzuhalten sein würden".

Todesflieger knapp entkommen
Einmal wäre aber alles Fußballkönnen zu wenig gewesen: Es war die Mannschaft von Dalkurd, die 2015 in die Schlagzeilen kam, weil sie durch einen Zufall den Germanwings-Flug 9525 am 24. März 2015 von Barcelona nach Düsseldorf verpasst hatte. Sie wurden umgebucht, das Schicksal schrieb ein neues Drehbuch, eines, in dem ihnen das Glück hold blieb. Auch diesem Gefühl ist der Aufstieg in die höchste Spielklasse zu verdanken.

Akademien fast 4.000 Kilometer voneinander entfernt
Dalkurd hat mittlerweile eine Akademie sowohl in Borlange als auch in Erbil. Der Kapitän des Teams Peshraw Azizi meint: "In Kurdistan halten die Menschen zu Real Madrid, Barcelona und zu Dalkurd." Stürmer Ahmed Awad beteuert : "Es sind sagenhafte Gefühle, wenn man einem Volk, das so dermaßen unterdrückt wird, so viel Freude bereiten kann."

Am meisten freut sich Dalkurd auf die Erreichbarkeit der internationalen Bewerbe nächstes Jahr: Gegen Galatasaray und Fenerbahce spielen, das wäre ihr Wunsch, und das in kurdischen Nationalfarben. Unmöglich scheint das nicht mehr.

krone Sport
Redaktion
krone Sport
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden