Di, 21. November 2017

Ganz ohne Tierleid

09.11.2017 09:49

Zu Besuch bei der Steirer Gänse-Mama

Ein Überraschungsbesuch ist bei Margit Fritz wirklich nicht möglich! 180 Weidegänse schnattern schon aus der Ferne los - und glauben Sie uns: Wenn so eine Hundertschaft mit schlagenden Flügeln lauthals schreiend auf einen zurennt - das kann schon was! "Ich mag sie einfach, diese Tiere", strahlt da die Margit Fritz. "Und vermisse ihr Geschnatter sehr, wenn sie nicht mehr da sind…"

Das ist speziell bis Ende November der Fall; die nächste "Partie" ist dann zu Weihnachten dran… Aber: "Natürlich leben sie auch hier, um zu sterben. Aber bis dahin haben sie es schön!", betont die fesche Steirerin, die auch Mutterkuhhaltung ebenfalls nur auf der Weide durchführt. "Anders würde ich es nie machen! So reingequetscht in Ställe oder Käfige. Nein. Niemals."

"Ich bin die erste Bezugsperson"
So haben die Weidegänse hier in Fernitz-Mellach (Waldweg 12) das aller-, allerschönste Leben. Das "Gössel", wie das Gänsebaby heißt, kommt quasi aus dem Brutei zur Margit: "Muttertier haben sie keines, das stimmt - ich bin die erste Bezugsperson. Aber was sie gar nicht gewohnt sind, vermissen sie wohl auch nicht." Jedem einzelnen Gössel zeigt sie in Folge, wo es Wasser findet. "Trinken können sie von selbst, das ist ihr Instinkt. Sie könnten sogar wegfliegen." Tun sie aber nicht.

Denn freiwillig gehen sie nicht weg von den saftigen, mit duftenden Kräutern gespickten Biowiesen, auf denen sie hektarweise herrlichen Auslauf haben. Dazu macht das Frauerl ihnen noch Brennnessel-Chips - "gut für den Darm und für die Vitalität -, und es gibt hofeigenes Getreide, aber "nur minimal zum Grünfutter". Sie betont: "Ich setze auf Natur. Bei uns Bauern werden auch männliche Gänse gegessen." Sinnlosen Tod männlicher Küken würde sie generell niemals unterstützen, das hält sie übrigens auch bei ihren Biohühnern so, wo Hahn wie Henne gegessen wird. "So wie es früher ja auch immer war!" Bemerkenswert.

Ein Lebensende ohne Stress
Und mit ihrem Zugang fährt sie offensichtlich sehr gut. Ihre Tiere sehen weder Medikamente noch Antibiotika - dennoch gab es allein heuer keinen einzigen Ausfall. "Das freut mich schon." Und sie sterben ohne Stress. Am "bewussten" Tag kommt der Schlachter ins Haus, dann werden sie in einem Stall "hineingefüttert", fressen beruhigt und selig - bis sie in sekundenschnelle, ohne es kommen zu sehen, betäubt und dann getötet werden.

"Kunden fragen sehr genau nach"
Auf all das, sagt Fritz, legen ihre Kunden - "und ich auch!" - immens viel Wert. "Sie fragen schon sehr genau nach, wollen sich meinen Hof auch anschauen. Nach dem Motto: Ich esse lieber weniger Fleisch - aber dafür hochwertiges, gutes. Die Flexitarier sind unsere Chance und Zukunft." Die sieht demnach für die 45 steirischen Weidegänse-Betriebe, die gesamt 5000 Gänse halten, gut aus. Verkauft wird bei Margit Fritz nur ab Hof ("weil ich bis dahin die optimale Reifung des Fleisches und Kühlung sicherstellen will"). Infos unter der Telefonnummer 0664/739 09 977 sowie unter www.weidegans.at.

Christa Blümel & Jürgen Radspieler, Kronen Zeitung

Natürlich wäre es das Schönste, wenn wir alle kein Fleisch essen würden, kein Tier für unseren Genuss sterben müsste. Aber das ist halt nicht die Realität. Menschen essen Fleisch. Aber aus einer Verantwortung kann sich kein einziger davonschleichen: Wir entscheiden mit unserem Einkauf, ob das Tier, vom Schwein bis zur Pute, halbwegs artgerecht gelebt hat. Oder stattdessen gelitten! Brutal behandelt oder in grauslichen Massentierhaltungen etwa. Oder, wie am Bild oben, zeitlebens bewegungslos gequetscht in Käfige. Entenmast. Gänsestopfleber. Fotos mit halbtoten Gänsen, denen man das Stopfrohr brutal runtergestoßen hat, können wir gar nicht zeigen.

Als Konsument bewusst entscheiden
Man muss nicht einmal ein Tierfreund sein, dass einem da der Appetit vergeht; es reicht, auf sein eigenes Wohl zu schauen. Sarah Wiener, immerhin Top-Köchin, sagte jüngst zur "Krone", dass in keinem ihrer Lokale Gänsestopfleber angeboten würde: "Sowas ist ein Krankheitsbild! Das muss man sich doch mal vor Augen halten!" Kann sowas dann gut sein? Gesund? Genuss? Also, bitte, immer nachfragen! Auch im Lokal. Woher das Fleisch kommt, wie das Tier gehalten wurde. Bewusste Entscheidungen treffen. Und sich nicht selber in die Tasche lügen. Denn wer billig Fleisch kauft, macht sich vielfach mitschuldig an Tierleid. Vergleichen Sie bitte einfach die Bilder!

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