So, 19. November 2017

Folgen für Klima?

07.11.2017 16:00

Forscher kritisieren Beschneiungs-Studie

"Die künstliche Beschneiung von Skipisten bringt positive Klimaeffekte", jubelte die Seilbahnwirtschaft im Mai über eine Studie der Joanneum Research Forschungsgesellschaft in Graz. Wissenschaftler der Universität Innsbruck zweifelten und kritisierten bei einer Pressekonferenz die zugrunde liegende Methodik massiv. Wesentliche Faktoren seien unberücksichtigt geblieben.

Vereinfacht gesagt geht es darum, klimatisch "kühlende" und "wärmende" Effekte der künstlichen Beschneiung gegeneinander abzuwiegen. Das Institut in Graz (beauftragt u. a. von der Seilbahnwirtschaft) berücksichtigte, dass die länger haltende Schneedecke mehr Sonnenlicht reflektiert. Dieser so genannte "Albedo Effekt" übertreffe die CO2-Emissionen, die andererseits bei der nötigen Stromproduktion entstehen, gleich um das Vierfache!

"Wissenschaftlicher Kodex nicht erfüllt"

"Hier wurden mehrere Punkte des wissenschaftlichen Kodex nicht erfüllt", ortet Georg Kaser, renommierter Klimaforscher an der Universität Innsbruck, Mängel bei Daten, Berechnungsmethode und fachlicher Überprüfung. Sein Kollege Wolfgang Gurgiser (Koordinator des Uni-Forschungsschwerpunkts Alpiner Raum) nannte Punkte:

Faktoren unberücksichtigt

Unberücksichtigt sei geblieben, dass sich CO2-Emissionen selbst nach 1000 Jahren noch zu 20 Prozent in der Atmosphäre befinden. Auch die Emissionen zur Errichtung und ständiger Wartung der Beschneiungsanlagen seien nicht einbezogen, ebenso Emissionen bei der Verteilung des Kunstschnees (Pistenraupen).

Frage nicht zu beantworten

"Im Grunde ist der Klimaeffekt der Beschneiung überhaupt nicht beantwortbar", lautet Gurgisers Fazit. Versöhnlicher klang Michael Rothleitner (Schneezentrum Tirol): "Die Grazer Studie gibt einen Anstoß. Wir sehen die Möglichkeit, 30 Prozent der Ressourcen überhaupt einzusparen." Die Grazer Forscher verteidigten gestern ihre Ergebnisse, man wolle aber gerne kooperieren.

Andreas Moser, Kronen Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden