Mo, 20. November 2017

Krimi-Neuverfilmung

08.11.2017 12:42

„Mord im Orient-Express“: Poirot bleibt der Größte

Rechtzeitig zum Start der kalten Jahreszeit nimmt uns Regisseur Kenneth Branagh auf eine wohlig-warme Zugfahrt mit. Doch wirklich gemütlich machen können es sich der Brite als Meisterdetektiv Hercule Poirot und Stars wie Johnny Depp, Michelle Pfeiffer und Penelope Cruz im opulent und erfrischend modern inszeniertem "Mord im Orient-Express" (Kinostart: 10. November) nicht lange, gilt es doch einen kaltblütigen Mörder dingfest zu machen. Heimlicher Star der Krimi-Neuverfilmung: Poirots aberwitziger Schnurrbart.

"Ein Passagier ist gestorben. Er wurde ermordet": Zum Inhalt von "Mord im Orient-Express" braucht nicht viel gesagt werden, zählt das Werk von Krimi-Queen Agatha Christie wohl zu den bekanntesten Krimi-Klassikern der Weltliteratur. Christie nahm 1934 die Entführung und Ermordung des Lindbergh-Babys, die zwei Jahre zuvor die Welt in Atem gehalten hatte, zum Vorbild. Direkt an den berühmten Fall angelehnt, steht das Mordopfer im Zug im Zentrum eines Mordes an einem entführten kleinen Mädchen - aus einer betuchten Familie der Oberschicht.

Nicht minder groß auch der Weltruhm des Protagonisten von "Mord im Orient-Express", dem seit Jahrzehnten anhaltend populären Detektiv Hercule Poirot, dem eigenen Worten zufolge "wahrscheinlich größtem Detektiv der Welt". Agatha Christie schrieb insgesamt 33 Romane mit Poirot, dem Belgier, der sehr zu seinem Leidwesen - in einem der wohl ältesten Running Gags der Literaturgeschichte - immer wieder für einen Franzosen gehalten wird.

Für die Rückreise von einem seiner Fälle nimmt der Detektiv den titelgebenden Zug und bekommt statt einer entspannenden Fahrt durch Europa eine harte Nuss zu knacken. Dem Briten Kenneth Branagh ("Henry V", "Thor", "Cinderella") gelingt es - als Regisseur hinter der Kamera und als schnurrbärtiger Ausnahme-Ermittler vor der Kamera - dem klassischen Kammerspiel um die Suche nach einem Mörder in einem zugeschneiten Zug durchaus noch neue Töne entlocken. Ein erfreuliches Kunstück, ist es doch die mittlerweile fünften Verfilmung des Krimi-Stoffs.

Opulentes Breitbild-Gewand und Star-Ensemble
Der Shakespeare-Mime inszeniert Christies Roman im opulenten Breitbild-Gewand mit sich selbst in der schnauzbärtigen Hauptrolle.

Mit ihm Zug sitzt ein wahres All-Star-Ensemble aus preisgekrönten Darstellern und Newcomern wie Penelope Cruz, Willem Dafoe, Judi Dench, Johnny Depp, Josh Gad, Derek Jacobi, Leslie Odom Jr., Michelle Pfeiffer, Daisy Ridley und Tom Bateman.

"Mord im Orient-Express" ist überraschend modernes, bildgewaltig in Szene gesetztes Hollywood-Kino. Trotz der doch schon recht angestaubten Vorlage erzählt Regisseur Branagh den Zug-Krimi erfrischend wenig altmodisch. Der Mord wird zwar am Ende aufgeklärt, die eigentliche Kernfrage lautet aber: Was bedeutet es, wenn ein Mensch tötet und was er/sie damit in sich selbst zerstört.

Somit ist es auch im Jahr 2017 immer noch eine wahre Freude, dem Meisterdetektiv Hercule Poirot bei der Arbeit über die Schulter schauen zu dürfen. Und Branaghs fünfte Verfilmung kann sich durchaus mit der wohl bekanntesten Zelluloid-Version aus dem Jahr 1974 von Sidney Lumet mit Albert Finney, Lauren Bacall und Ingrid Bergman messen ...

Kinostart von "Mord im Orient-Express": 10. November

Harald Dragan
Redakteur
Harald Dragan
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