Sa, 18. November 2017

Kritik unter Tränen

07.11.2017 21:11

Ruth Elsner: „Verbrechen an meinem Mann begangen“

Ruth Elsner - Ehefrau von Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner - spricht im Interview mit der Rechercheplattform Addendum über ihr verlorenes Vertrauen in die österreichische Justiz. Im Prozess gegen ihren Mann seien "sehr viele korrupte Dinge passiert" und sowohl die zuständige Richterin als auch ein Staatsanwalt hätten sich dadurch "total in die Höhe gearbeitet".

Elsner erklärt gleich zu Beginn des Gesprächs mit Christoph Hanslik, dass sich ihre Sicht auf die österreichische Justiz "total geändert" habe. Am Anfang habe sie geglaubt, "dass hier alles mit rechten Dingen zugeht, dass es ein unabhängiges Gericht gibt, dass es eine Staatsanwaltschaft gibt, die einfach da ist, um Dinge aufzuklären, aber das hat sich ja, ich muss sagen, um 100 Prozent ins Gegenteil gedreht".

"Überzeugt, dass hier ein Verbrechen begangen wurde"
Sie sei jetzt "nicht mehr davon überzeugt, dass hier alles mit rechten Dingen zugegangen ist", erklärt sie. Vielmehr ist sie sicher, "dass hier sehr viele korrupte Dinge passiert sind, dass hier wirklich an meinem Mann ein Verbrechen begangen wurde, von dem ich aber hoffe, dass das irgendwann einmal gesühnt wird und dass hier wirklich die Verantwortlichen vor den Vorhang gebeten werden und zur Verantwortung gezogen werden".

Mitschuld an der Inhaftierung ihres Mannes seien unter anderem die Medien gewesen. Denn: "Ein Artikel in der Zeitschrift 'News' hat unmittelbar zur Verhaftung meines Mannes geführt und ist sogar im Akt als Beweis für die Fluchtgefahr, die ja vier Jahre aufrechterhalten wurde. Das war ja eine unglaubliche Sache."

"Politik wollte nicht, dass ihr das Thema zur Last gelegt wird"
Elsner zeigt sich überzeugt davon, dass das Verfahren beeinflusst wurde: "Wenn da Einfluss genommen wird vonseiten der Politik, werden schon gewisse Kanäle nicht begangen, die normalerweise in einem Verfahren begangen werden. Ja, die Motivation ist unterschiedlich gewesen. Also, die Politik, die SPÖ damals im Wahlkampf, wollte, dass dieses Thema nicht ihnen zur Last gelegt wird, dass die Wähler nicht sagen, ihr könnt ja nicht einmal eine Bank führen, wie wollt ihr da einen Staat regieren, wie wollt ihr da Finanzen regeln, wenn ihr nicht einmal eine Bank im Griff habt."

Deshalb sei der Prozess inszeniert worden: "Es ist eine Inszenierung gewesen, der ganze Prozess war wie eine Inszenierung, es war wie ein Schauprozess."

"Für mich ist die Sache nicht abgeschlossen"
Am Ende des Interviews zeigt sich Ruth Elsner weiterhin kämpferisch. "Für mich ist die Sache nicht abgeschlossen", stellt sie entschlossen und schließlich mit Tränen in den Augen fest. "Wenn man unschuldig ist und man wird so vernichtet, mit allem, was man jemals aufgebaut hat, dann steht einem dieser Kampf zu."

Sie wünscht sich, "dass mein Mann wieder gesund wird" und dass sie noch "schöne Jahre zusammen haben" können. Ihr größter Wunsch ist, dass ihr Mann "in der Öffentlichkeit wieder rehabilitiert wird".

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Redaktion
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