Sa, 16. Dezember 2017

"Vier Pfoten"-Aktion

07.11.2017 12:03

Für drei vietnamesische Bären hat Leiden ein Ende

Am Montag brachte die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" die ersten Asiatischen Schwarzbären in ihre neue Auffangstation, den Bärenwald Ninh Binh im Nordosten von Vietnam. Unter den drei Tieren war auch die Bärin "Hai Chan", die vor der Rettungsmission ein schreckliches Dasein als sogenannte Gallebärin fristete. Unter qualvollen Schmerzen war ihr regelmäßig der für die traditionelle chinesische Medizin als wertvoll erachtete Gallensaft abgezapft worden.

Obwohl diese Praxis seit 1992 in Vietnam offiziell verboten ist, gibt es dort noch immer rund 400 Farmen mit geschätzt insgesamt 1300 Bären. Die "Vier Pfoten" planen, bis zu 100 weitere leidende Bären in das eigene, artgemäße Tierschutzzentrum zu überstellen.

Das große Leid hinterließ seine Spuren
Die letzten zehn Jahre haben ihre Spuren an "Hai Chan" hinterlassen: Stressstörungen, vergrößerte Nebennieren und zwei fehlende Vorderpfoten. "'Hai Chan' hat den Großteil ihres Lebens auf einer Farm in einem winzigen Metallkäfig in einem dreckigen und schlecht belüfteten Raum verbracht. Nicht nur die miserablen Haltungsbedingungen, sondern auch die mangelhafte Ernährung und die schmerzhafte Prozedur des Gallesaft-Abzapfens haben der Bärin stark zugesetzt. Wir gehen auch davon aus, dass ihre Pfoten amputiert und zur Produktion von Bärentatzenwein verwendet wurden", sagt "Vier Pfoten"-Bärenexperte Carsten Hertwig.

Ein Leben ohne Qualen für drei gerettete Bären
Das Team der Tierschutzorganisation brachte die Bärin mit zwei weiteren Bären namens "Thai Van" und "Thai Giang" - gerettet von einer anderen Farm - in den neu errichteten Bärenwald Ninh Binh. Dort erwartet die ersten drei Bewohner des artgemäßen Bärenschutzzentrums umfassende medizinische Betreuung und ein Leben ohne Qual.

Vom Hinterhof ins Freigehege
Bärin "Thai Van" und Bär "Thai Giang" haben ebenfalls eine schwierige Vergangenheit durchlebt. Ihr Besitzer hat die beiden 16-jährigen Asiatischen Schwarzbären bis vor kurzem noch als Haustiere im Hinterhof einer Stahlproduktionsfirma gehalten. Ob sie davor auch für die Gallensaftgewinnung missbraucht wurden, ist unklar. "Am Gesundheitszustand sehen wir aber, dass die zwei Bären genauso schlecht gehalten wurden. Ihre Zähne sind abgestumpft, und beide Tiere sind voll mit Parasiten. Zudem fehlen 'Thai Van' einige Finger. Wir sind froh darüber, dass der Besitzer uns die Bären anvertraut hat", berichtet Hertwig. Nach einer mehrwöchigen Quarantäne mit weiteren Untersuchungen werden alle drei Vierbeiner in ihre Freigehege entlassen.

Neustart im Bärenwald Ninh Binh
Nach knapp einem Jahr harter Arbeit wurde vor kurzem der erste Bauabschnitt des "Vier pfoten"-Bärenschutzzentrums im Nordosten von Vietnam abgeschlossen. Das Areal mit vier großen Freigehegen für über 40 Bären umfasst derzeit knapp vier Hektar. Auf dem Grundstück befinden sich zudem zwei Bärenhäuser mit Innenboxen, eine Quarantäne- und eine veterinärmedizinische Station, eine Futterküche sowie ein Verwaltungsgebäude. Nach seiner Fertigstellung wird der Bärenwald Ninh Binh ein artgemäßes Zuhause für bis zu 100 gerettete Bären sein.

Das Geschäft mit dem Gallensaft
Bärengalle gilt seit mehreren tausend Jahren als Heilmittel in der traditionellen chinesischen Medizin und ist bis heute ein begehrtes Produkt in vielen asiatischen Ländern. Obwohl in Vietnam der Verkauf und Konsum von Bärengalle verboten ist, leiden dort noch immer geschätzt 1300 Tiere auf rund 400 Bärenfarmen. Durch das regelmäßige, brutale Abzapfen des Gallensafts und die fehlende medizinische Versorgung leiden die Bären an verschiedensten Erkrankungen wie Infektionen, Abszessen, Blutvergiftung und Leberkrebs. Die extrem schlechten Haltungsbedingungen auf den Bärenfarmen führen außerdem zu massiven Verhaltensstörungen wie Selbstverstümmelung.

Gemeinsamer Kampf gegen Tierleid
Im Jahr 2005 startete die vietnamesische Regierung eine Kampagne mit dem Ziel, Bärenfarmen flächendeckend zu schließen. Alle sich in Gefangenschaft befindlichen Bären wurden mit Mikrochips versehen und registriert. Damit wollte man sicherstellen, dass keine neuen Bären mehr auf den Farmen aufgenommen werden. Die registrierten Bären gingen zwar ins staatliche Eigentum über, dennoch mussten sich die Bärenfarmbetreiber weiter um sie kümmern - zumindest bis die Behörden sie abholten und in lokale Auffangstationen brachten oder die Tiere verstarben. Zudem verpflichteten sich die Betreiber, nie wieder Gallensaft von den Bären zu extrahieren.

Die "Krone Tierecke" begleitete die "Vier Pfoten" zum Lokalaugenschein nach Vietnam - mehr dazu lesen Sie HIER.

Unterstützen auch Sie die Rettungsmission!
2017 bekräftigte die Regierung Vietnams nochmals ihre Pläne, Bärenfarmen endgültig zu schließen und Bären gezielt zu retten. Die "Vier Pfoten" unterstützen dieses Vorhaben durch gemeinsam durchgeführte Rettungsmissionen und hat außerdem eine internationale Kampagne gestartet. Tierfreunde weltweit können eine Petition unterschreiben, die die vietnamesische Regierung zusätzlich ermutigen soll, alles Nötige zu tun, um Bärenfarmen endgültig zu beenden. Über 580.000 Unterschriften wurden bereits gesammelt.

Auch Spenden werden dringend benötigt - jeder Euro zählt!

Spendenkonto: UniCredit Bank Austria AG
IBAN: AT20 1200 0097 0632 7511
Kennwort: GALLENBÄREN

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Redaktion
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