So, 19. November 2017

Düsterer Report

04.11.2017 11:48

US-Klimabericht widerspricht Donald Trump klar

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump versucht alles, um die menschliche Rolle beim Klimawandel herunterzuspielen. Doch der jüngste offizielle Klimaschutzbericht, den 13 US-Behörden wenige Tage vor der Bonner Klimakonferenz veröffentlicht haben, widerspricht den Position der Trump-Regierung zum Klimawandel in weiten Teilen. Vielmehr wird darin klar ausgedrückt, dass die globale Erwärmung zum weitaus größten Teil von Menschenhand verursacht wird.

Trotz des krassen Kontrasts zu eigenen vertretenen Standpunkten versuchte das Weiße Haus nicht, die per Gesetz alle vier Jahre vorgeschriebene Veröffentlichung zu blockieren. Auch bewahrheiteten sich die Befürchtungen vieler in der wissenschaftlichen Gemeinde nicht, dass die Trump-Regierung vor der Publikation Änderungen an den wissenschaftlichen Schlussfolgerungen im Report vornehmen könnte. Das sei nicht geschehen, zitierten Medien mehrere Experten.

In dem Bericht wird unter anderem vor einem möglichen Anstieg der Meeresspiegel um bis zu gut 2,40 Meter bis zum Jahr 2100 gewarnt. Auch listet der Report die Schäden auf, die als Folge der globalen Erwärmung um ein Grad Celsius seit 1900 bereits in den USA entstanden seien. "Es ist extrem wahrscheinlich, dass menschliche Aktivitäten, insbesondere der Ausstoß von Treibhausgasen, die dominante Ursache der seit Mitte des 20. Jahrhunderts beobachteten Erwärmung ist", heißt es in dem 2000 Seiten umfassenden, mehrteiligen Dokument. Es gebe dafür "keine alternative Erklärung".

Trump: Klimawandel "Erfindung"
Vor seiner Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten hatte Trump den Klimawandel wiederholt als "Erfindung" bezeichnet. Danach sind seine Äußerungen zwar vager geworden, aber der Republikaner hat damit begonnen, unter seinem demokratischen Vorgänger Barack Obama beschlossene Klimaschutzmaßnahmen zurückzufahren.

Weltweit angeprangert wurde der von ihm verkündete Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen. Die USA müssen sich daher auch erneut auf Kritik bei der internationalen Klimaschutzkonferenz in der kommenden Woche in Bonn einstellen - zumal vor dem Hintergrund des neuen Reports. Im Einzelnen führen die Autoren darin an, dass die vergangenen 115 Jahre nun die wärmste Periode in der Geschichte der modernen Zivilisation darstellten. In den vergangenen Jahren habe es außerdem "rekordbrechende Wetterextreme" gegeben, die mit dem Klima zusammenhingen.

Küstenstädte zunehmend Überflutungen ausgesetzt
Auf die USA bezogen wird unter anderem darauf verwiesen, dass jeder Teil des Landes bereits von den Folgen des Klimawandels betroffen sei. Der Westen erlebe extremere Hitze und Regenfälle und mehr große Wald- und Buschbrände, der Südosten größere Dürre, der Mittlere Westen häufigere Überschwemmungen. Mehr als 25 Küstenstädte seien zunehmend oft Überflutungen ausgesetzt. Es sei zu erwarten, dass sich diese Trends fortsetzten.

Gewarnt wird darüber hinaus vor Ungewissheiten - Veränderungen, die Forscher heute noch nicht vorhersehen und die möglicherweise radikale Veränderungen im Klimasystem erzeugen könnten. Es könnten neue Klimalagen entstehen, "die sich sehr von denen in der jüngeren Vergangenheit unterscheiden".

"Report sagt, was Wissenschaftler wollen"
Angesichts solcher starker Formulierungen und der offenen Widersprüche gilt es als bemerkenswert, dass die Trump-Regierung anscheinend nicht einmal Versuche unternommen hat, die wissenschaftlichen Erkenntnisse im Report abzumildern. "Ich kann mit ziemlicher Überzeugung sagen, dass es keine politische Beeinflussung der wissenschaftlichen Schlussfolgerungen gegeben hat", zitierten "Washington Post" und "New York Times" den leitenden Autoren der Studie, David Fahey von der US-Behörde für Ozeanografie. "Dieser Report sagt, was die Wissenschaftler wollen."

Wie es hieß, habe es zu diesem Zeitpunkt in der US-Regierung wenig Appetit auf einen größeren Konflikt in der Klimafrage gegeben: Man wolle sich stattdessen voll darauf konzentrieren, Trumps Pläne für eine umfassende Steuerreform im Kongress durchzubringen - ein Vorhaben, von dem sich Trump und die Republikaner großen Aufwind versprechen.

Weißes Haus spielt Aussagekraft herunter
Allerdings versuchte das Weiße Haus, die Aussagekraft des Reports herunterzuspielen. "Das Klima hat sich geändert und ändert sich stets", hieß es in der schriftlichen Erklärung eines Sprechers, Raj Shah. Weiter wurde darauf hingewiesen, dass im Report selbst betont werde, das Ausmaß des künftigen Klimawandels hänge stark von "andauernden Ungewissheiten über die Sensibilität des Klimas" für Treibhausgas-Emissionen ab.

Erstellt wurde der Report von Hunderten Wissenschaftlern in der Regierung und der akademischen Welt, die Nationale Akademie der Wissenschaften in den USA überprüfte ihn vor der Weiterleitung an die 13 Regierungsbehörden.

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