Fr, 24. November 2017

„Krone“-Gespräch

10.11.2017 17:00

Mastodon: Eingängigkeit durch Trauer und Schmerz

Mit ihrem aktuellen Album "Emperor Of Sand" haben die US-Progressive-Metaller Mastodon wieder zur Eingängigkeit zurückgefunden, obwohl man darauf private Verluste zu verarbeiten hatte. Drummer Brann Dailor erklärt uns im Interview, warum die stilistische Zwanglosigkeit zum Erfolg führte und wie sehr sich die einzelnen Musiker die Unbeschwertheit ihrer Kindheit erhalten konnten. Für das Konzert im Wiener Gasometer am 13. November haben wir zudem 2x2 Tickets für Sie bereitgestellt.

In einer Zeit, in der die großen Rock-Headliner längst an die Pension denken oder nur mehr in sehr unregelmäßigen Abständen zu großen Touren aufbrechen, ist die Frage nach den zukünftigen Zugpferden evidenter denn je zuvor. Natürlich, Foo Fighters, Volbeat, Ghost und wie sie alle heißen mögen, können die Festivalbillings mittlerweile tragen, doch an eine große Schwemme erfolgreicher jüngerer Bands ist nicht zu denken. Doch hinter den Urgrößen der Stromgitarrenwelt verbergen sich unzählige Kleinode, die auf ihre Chance warten, um zuzubeißen und sich selbst zu einer unverzichtbaren Konstante in der Musikwelt zu befördern. Ganz vorne dabei ist das US-amerikanische Metal-Kollektiv Mastodon, das sich seit mittlerweile 17 Jahren jeglicher Genrekategorisierungen entzieht und auch mit dissonanten Klängen größere Hallen füllen kann.

Veränderungswillen
Dabei zeigt ihr aktuelles Album "Emperor Of Sand" - auch dank der eingängigen Ohrwurm-Single "Show Yourself" - die Band so zugänglich und massentauglich wie schon lange nicht mehr. Zugegeben - Massentauglichkeit bei Mastodon bedeutet für den durchschnittlichen Radiohörer noch immer große Herausforderung, doch die Komplexität von "Blood Mountain" oder "The Hunter" hat man vorerst beiseitegelegt. "Wir suchen immer nach Veränderungen, um die Dinge frisch zu halten", erklärt uns Drummer Brann Dailor im "Krone"-Interview, "niemand will einen Sound zum tausendsten Mal reproduzieren. Die meiste Zeit geht man ohnehin in die eigene Vergangenheit zurück, weil dort nun einmal die Ursprünge deines Grundsounds verortet sind. Es ist jedenfalls nicht so, dass ich morgens aufwache und einen Dubstep- oder Drum-&-Bass-Track im Kopf habe."

Gerade die stilistische Vielseitigkeit ohne dabei Kompromisse einzugehen oder sich und seine Identität für schnellen Erfolg verkaufen zu wollen, sind verantwortlich dafür, dass Mastodon sich über die Jahre eine treue Fanbase aufbauen konnten, die sich stets vergrößerte. "Würden wir uns darauf einigen können, einen Funk-Song zu schreiben, wäre auch der sofort auf einem Album von uns zu hören", fasst Dailor die Liebe zur musikalischen Veränderung zusammen. So entstand etwa auch die unlängst veröffentlichte EP "Cold Dark Place", die aus Outtakes der Songwriting-Session der letzten beiden Alben besteht und vornehmlich vom exzentrischen Gitarristen Brent Hinds geschrieben wurde. "Ich habe hier ziemlich dunkle, gruslige, schöne und melancholische Musik geschrieben, die man durchaus ein bisschen mit den Bee Gees vergleichen kann."

Nach dem Baukastensystem
Obwohl die vier Charaktere in der Band unterschiedlicher nicht sein könnten, schaffen sie es immer wieder all ihre Stärken so zu kanalisieren, dass das fertige Endprodukt stets aufs Neue zu überraschen und zu überzeugen weiß. Dailor erklärt die Magie innerhalb der Band. "Eigentlich ist das bei uns ganz simpel. Wir setzen uns zusammen, spielen auf unseren Instrumenten herum und suchen nach guten Riffs. Manchmal sind die Ergebnisse daraus ziemlich spontan und reaktionär. Im Endeffekt fügen wir nur eine Idee nach der anderen ein und setzen all das nach dem Baukastensystem zusammen." Nur so scheint es möglich, dass so unterschiedliche Songs wie eben "Show Yourself" oder "Jaguar God" überhaupt gleichberechtigt auf ein- und demselben Album stehen können.

So leichtfüßig die Instrumentierung auf "Emperor Of Sand" auch sein mag, so schwer und drückend war die Konzeptionierung. Lose beruht das Werk auf unterschiedlichsten privaten Tragödien und Todesfällen, die rund um das Bandcamp für Erschütterung sorgten. "Jede Tragödie wird unweigerlich Teil deiner Persönlichkeit. Die eine mehr, die andere weniger, aber du musst immer den Mut zusammennehmen, um stets nach vorne zu schauen. Wenn dir nahestehende Menschen sterben, realisierst du unweigerlich, dass jedes Leben sein Ende hat. Das bedeutet aber auch, dass du wieder an Bewusstsein gewinnst und dich umso stärker an die wichtigen Dinge im Leben wendest."

Kindheit bewahrt
Trotz der bleiernen Schwere können die mitten in ihren 40ern steckenden Musiker noch locker das Kind im Manne hervorholen. "Meine Familie ist ja sowieso gewohnt, dass ich mich wie ein Idiot aufführe", lacht Dailor, "nun aber im Ernst: ich finde es toll, dass wir immer noch zusammensitzen und gemeinsam an den Songs feilen, wie es heute auch die 15-jährigen Kids tun, wenn sie von ihrer ersten Band träumen. Das Kribbeln, deinen Bandkollegen etwas Tolles zeigen zu können, das du gerade selbst geschrieben hast, das ist noch gleich stark vorhanden wie vor 15 Jahren. Wir müssen heute aber nicht mehr alle Bäume ausreißen, die sich uns in den Weg stellen. Wenn du Menschen um dich herum verlierst, denkst du trotz aller Jugendlichkeit in anderen Bahnen."

2x2 Tickets gewinnen!
Alles andere als Trauerstimmung herrscht jedenfalls am 13. November, wenn Mastodon gemeinsam mit Red Fang und den Russian Circles im Wiener Gasometer für Stimmung sorgen. Wir haben 2x2 Karten für Sie zur Verlosung bereitgelegt. Schicken Sie uns dafür eine E-Mail mit Ihren Daten an pop@kronenzeitung.at und beantworten Sie folgende Frage korrekt: "Wie oft wurden Mastodon bereits für einen Grammy nominiert?". Unter allen richtigen Antworten losen wir die Gewinner aus. Einsendeschluss ist Montag, 13. November, 12 Uhr (am Konzerttag!). Die Gewinner werden von uns benachrichtigt. Konzertkarten erhalten Sie noch unter www.musicticket.at.

Robert Fröwein
Redakteur
Robert Fröwein
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