Mi, 13. Dezember 2017

Fernöstlich

06.11.2017 08:00

Hongkong – Metropole zwischen Ost und West

Hongkong - eine Stadt voller Gegensätze. Modern und traditionell zugleich, fernöstlich und doch so europäisch wie kaum eine andere Großstadt Asiens. Es ist mein erster Besuch hier in Hongkong.

Bereits auf dem Weg zum Penta Hotel auf der Halbinsel Kowloon stelle ich fest, Asiens zweitgrößter Finanzplatz ist schon aufgrund seiner geographischen Lage eine Attraktion für sich. Bergketten, zum Meer hin abfallend, umsäumen die schmalen Küstenstreifen auf denen dicht gedrängt Wolkenkratzer an Wolkenkratzer sich dem Himmel entgegenrecken. Als die Engländer die Insel Hongkong 1841 als Kriegsbeute besetzten, ahnte wohl niemand, dass hier einst eine Millionenmetropole entstehen würde. Es mangelte schlicht an bebaubaren Flächen. Also erweiterten die Briten ihr Territorium 1860 um die Halbinsel Kowloon und 1898 um das angrenzende Festland und weitere Inseln, die für 99 Jahre von der chinesischen Regierung gepachtet wurden und 1997 an die Volksrepublik China zurückfielen.

Seitdem ist die Stadt eine chinesische Sonderverwaltungszone mit freier Marktwirtschaft und hoher Autonomie. In Hongkong - was übersetzt "duftender Hafen" heißt, leben heute rund 7,3 Millionen Menschen, die Bevölkerung hat weltweit die höchste Lebenserwartung. Der Platz ist immer noch knapp, und so wächst Hongkong vor allem in die Höhe. Hochhäuser mit bis zu 60 Stockwerken sind keine Seltenheit, und die Mieten haben sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt.

Vincent, ein Hongkong-Chinese, den meine Reisegefährten und ich im Hotel treffen, begleitet uns in der kurzen Zeit, die wir in Hongkong verbringen. Er ist hier geboren, hat in Deutschland studiert und kennt die Stadt wie seine Westentasche. Wie wir bei einer Insel-Tour feststellen, sind die Spuren der Engländer noch allgegenwärtig. So erinnern zum Beispiel die Queens Road, Victoria Harbour oder die seit 1904 in Betrieb stehende Doppeldecker-Straßenbahn sowie vereinzelt erhalten gebliebene Kolonialbauten an die Briten. Und nicht zu vergessen, der Linksverkehr oder die typisch englische Gewohnheit, an den Haltestellen von Bus und Straßenbahn lange, geordnete Schlangen zu bilden. Auch beim "High Tea" im altehrwürdigen Peninsula Hotel fühlt man sich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt. Im krassen Gegensatz dazu das moderne Hongkong mit den Palästen aus Glas und Stahl, Sitz internationaler Konzerne und Banken.

Vincent verspricht uns einen beeindruckenden Blick auf die Skyline. Mit einer alten Standseilbahn geht es hinauf auf den "Peak". Gemeint ist die mit 552 Metern höchste Erhebung auf Hongkong Island. Wo im 19. Jahrhundert wohlhabende Europäer ihre Villen hatten, um der Hitze der Stadt zu entfliehen, steht heute der Peak Tower, ein Komplex aus Geschäften und Restaurants. Uns jedoch interessiert der in Aussicht gestellte tolle Ausblick, und so wandern wir den schmalen Fußweg entlang bis zum Aussichtspunkt. Unter uns die Häuserschluchten des Finanzzentrums und der Hafen - einfach atemberaubend! Da hat Vincent wahrlich nicht zu viel versprochen.

Eine ganz andere Seite der Stadt erleben wir im Viertel Mong Kok. Hier prägen Straßenmärkte das Bild. Der Blumen-, Vogel- und Zierfisch-Markt sind ein wahres Paradies für Fotografen! Wir schieben uns wie hunderte andere - Touristen wie Einheimische - durch die Straßen, die wegen des Menschenaufkommens teilweise zu Fußgängerzonen erklärt wurden. Was man, an Hongkongs Maßstäben gemessen, durchaus als Seltenheit bezeichnen darf. Überhaupt ist die Stadt ein wahres Shoppingparadies.

In den belebten Einkaufsstraßen und bunten Märkten gibt es alles, was das Herz begehrt und kaum ein Weiterkommen. Wir haben es jedoch ein wenig eilig. Denn auf uns wartet schon eines der typischen chinesischen Boote, mit dem wir gleich eine Rundfahrt durch die berühmte Dschunkenstadt machen werden. Wo bereits James Bond und Lara Croft auf Verbrecherjagd gingen liegen heute noch immer über 100 Motordschunken vor der Kulisse einer Hochhaussiedlung, die, wie uns Vincent erzählt, liebevoll das "Fischerdorf" genannt wird. Allerdings lebt heute niemand mehr ständig hier auf den Schiffen.

Bevor es ins altehrwürdige The Peninsula-Hotel zum Abendessen geht, müssen wir nochmal aufs Wasser. "Symphonie der Lichter" nennt sich eine spektakuläre Lichtershow, die man am besten vom Meer oder der Hafenpromenade aus genießt. Laserkanonen setzen den Hafen ganz im Süden von Kowloon gekonnt in Szene und verwandeln das Hafenpanorama in ein gigantisches Lichttheater.

Macau
Am nächsten Morgen geht es früh los. Eine Stunde braucht das Tragflächenboot für die 65 Kilometer quer über die Mündung des Perlflusses. Dann haben wir Macau, Europas ältesten Vorposten in Ostasien, erreicht. Die einstige portugiesische Provinz wurde 1557 als Handels- und Missionsstation gegründet. Wie wir bei einem Spaziergang durch die Altstadt feststellen können, sind nahezu alle historisch wertvollen Gebäude mittlerweile restauriert und einige davon, wie etwa die Ruine der Kathedrale São Paulo, als UNESCO-Weltkulturerbestätten anerkannt.

Doch die meisten Besucher kommen nicht der charmanten Altstadt wegen nach Macau. Seit in den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts die Casinolizenzen neu vergeben und das Glücksspiel in Hongkong verboten wurde, haben sich hier über 40 Spielcasinos etabliert. Mittlerweile kann die Stadt ihrem amerikanischen Vorbild Las Vegas durchaus das Wasser reichen.

Am meisten sticht das 2007 eröffnete The Venetian ins Auge. Das weltgrößte Spielcasino beherbergt neben 850 Spieltischen auch ein Showtheater, zahlreiche Shops und Restaurants, ein Hotel sowie Kongress- und Ausstellungsflächen. Doch der Name kommt nicht von ungefähr. Bevor wir den Komplex betreten, glauben wir uns schon nach Venedig versetzt. Vorbei am Campanile, schlendern wir über die Rialtobrücke in Richtung Dogenpalast.

Bei einer Gondelfahrt durch das klimatisierte Pseudo-Venedig darf auch ein echter Gondoliere, der zur Freude seiner Passagiere voller Inbrunst "O Sole Mio" schmettert, nicht fehlen. Mehr Kitsch geht fast nicht! Froh, diesem Disneyland für Erwachsene wieder zu entfliehen, wartet - theoretisch - bereits die nächste Herausforderung. Für 500 Hongkong-Dollar können sich Adrenalin-Junkies vom 338 Meter hohen Macau Tower mittels Bungee-Seil in die Tiefe stürzen. 17 Sekunden freier Fall ist allerdings doch nichts für mich.

Zu guter Letzt legen wir noch einen kurzen Stopp bei der ältesten Tempelanlage Macaus ein. Mehrere kleine Gebäude schmiegen sich an einen steilen Hang, darunter das Meer. Der Tempel ist A-Ma, der Schutzpatronin der Schiffer, geweiht. Der Duft von Räucherstäbchen hängt in der Luft und Gläubige haben ihre Bitten und Wünsche auf kleine Zettelchen geschrieben, die überall an den Bäumen und Sträuchern hängen.

Dann heißt es Abschied nehmen von Hongkong, dieser Stadt der Superlativen. Denn bald schon bringt uns die Boing 777 der AUA von Hongkong nach Wien - direkt und bequem.

Eva Bukovec, Kronen Zeitung

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