Do, 23. November 2017

Papua-Neuguinea

02.11.2017 19:30

Lager geschlossen, Flüchtlinge wollen nicht gehen

Eigentlich hätte das Flüchtlingslager auf der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Manus Ende Oktober geschlossen und sämtliche Bewohner in eine nahe gelegene Stadt umgesiedelt werden sollen. Rund 600 Asylwerber weigern sich jedoch, das Gelände zu verlassen. Die Situation im Lager, zu dem die Wasser- und Lebensmittelversorgung bereits von den Behörden gekappt wurde, spitzt sich von Tag zu Tag zu. Die Bewohner benützen derzeit Mülleimer, um Regenwasser aufzufangen. Auf Twitter waren Fotos von Menschen zu sehen, die im Boden nach Wasser gruben.

Die letzte Nahrungsration hatten die Bewohner am Sonntag erhalten. Auch medizinische Versorgung gibt es nicht. Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) rief Australien, das die Regierung des Nachbarlandes für die Versorgung der Flüchtlinge bezahlt, dazu auf, "die sich entfaltende humanitäre Krise zu stoppen". Um "augenblicklich die Lage zu deeskalieren", wurde die Regierung aufgefordert, mit den Behörden Papua-Neuguineas zusammenzuarbeiten.

Angst vor Übergriffen aus der Bevölkerung
Die Flüchtlinge weigern sich vor allem aus Angst vor Übergriffen aus der Bevölkerung, das Lager zu verlassen. Am Dienstag seien Dutzende mit Stöcken und Macheten bewaffnete Einheimische in den Lagerkomplex eingedrungen, sagte ein Geflüchteter der Deutschen Presse-Agentur.

Zudem gibt es nicht genug provisorische Unterkünfte für die Asylsuchenden. Wenn alle 600 das Lager sofort verlassen müssten, "würden viele keine adäquate Unterkunft woanders finden", hieß es vom UNHCR entgegen der Behauptung der australischen Regierung, es gebe genügend provisorische Heime in der Stadt.

Australische Regierung will für Sicherheit nicht garantieren
"Australien bleibt für das Wohlergehen von allen verantwortlich, die nach Papua-Neuguinea gebracht wurden, bis adäquate, langfristige Lösungen außerhalb des Landes gefunden wurden", stellte das UNHCR klar. Australiens Vizepremierministerin Julie Bishop sagte, die Flüchtlinge sollten das Lager verlassen. Für ihre Sicherheit in diesem Fall wollte sie aber nicht garantieren.

Neuseeland will 150 Flüchtlinge aufnehmen
Die Asylsuchenden wollen nun rechtlich gegen die Schließung vorgehen. Australien hatte sein Nachbarland Papua-Neuguinea vier Jahre lang dafür bezahlt, Migranten vor Ort zu versorgen. Das Land nimmt keine Menschen auf, die die Küste per Boot erreichen wollen. Wegen der andauernden humanitären Notlage kündigte Neuseeland am Donnerstag an, 150 Asylwerber aus Manus aufzunehmen. In der Vergangenheit hat Australien solche Angebote häufig abgelehnt.

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Redaktion
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