Fr, 15. Dezember 2017

Pick-up-Attentäter

03.11.2017 04:10

Dramatisches Bild: Letzter Moment vor dem Zugriff

Der Pick-up-Attentäter von Manhattan ist offenbar sehr stolz auf seine Bluttat und soll den Worten von US-Präsident Donald Trump zufolge sogar in seinem Spitalszimmer nach einer Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat gefragt haben. Der 29-jährige Usbeke Sayfullo Saipov hatte ein Jahr lang seine Tat geplant und wollte möglichst viele Menschen töten. Acht Leben konnte er auslöschen, bevor er mit einem Bauchschuss außer Gefecht gesetzt und verhaftet wurde. Mittlerweile hat auch der IS in seiner Online-Zeitung die Verantwortung für das Attentat übernommen. Nach dem heuer bereits vierten Anschlag mit Verbindungen nach Usbekistan gerät jetzt das zentralasiatische Land ins Visier des globalen Anti-Terror-Kampfes.

Der Anschlag auf den Istanbuler Nachtklub "Reina" in der Silvesternacht, das Selbstmordattentat auf die Metro von St. Petersburg am 3. April, der Lkw-Anschlag in der Fußgängerzone von Stockholm vier Tage später und nun das Blutbad in Manhattan - immer waren die mutmaßlichen Täter Usbeken.

Warum Usbekistan? In der früheren Sowjetrepublik in Zentralasien grassieren Armut und Korruption, das Land wird autoritär regiert, Menschenrechte und bürgerliche Freiheiten genießen wenig Schutz. Ein idealer Nährboden für Radikalisierung, sagen Experten: Junge Männer fühlen sich chancenlos - und sind empfänglich für die Heilsversprechen radikalislamischer Gruppierungen wie der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat.

Video: Der Radweg unmittelbar nach dem Angriff mit dem Pick-up

Usbekistan als wichtigstes Dschihadisten-Rekrutierungsgebiet
Unter den zentralasiatischen Republiken ist Usbekistan das wichtigste Rekrutierungsgebiet für Dschihadisten, analysiert die Nichtregierungsorganisation International Crisis Group. Deren unabhängige Experten schätzen die Zahl von IS-Aktivisten aus Zentralasien auf insgesamt 2000 bis 4000.

Der spätere New Yorker Attentäter Sayfullo Saipov war 2010 legal aus Usbekistan in die USA übersiedelt. Inwieweit er bereits in Usbekistan Kontakte zu Dschihadisten hatte, ist noch unklar. Möglicherweise hat er sich erst in den USA radikalisiert. Allerdings hat das FBI einen weiteren Usbeken zur Fahndung ausgeschrieben: Der 32-jährige Mukhammadzoir Kadirov werde gesucht, weil er "Informationen zum tödlichen Angriff" haben könnte, erklärte die US-Bundespolizei am Donnerstag.

Islamisten in Usbekistan schworen IS die Treue
In der mehrheitlich muslimischen Ex-Sowjetrepublik, deren Staatsform laizistisch ist, steht seit den 90er-Jahren die radikale Islamische Bewegung von Usbekistan (IMU) im Visier der Behörden. Die Organisation trat unter anderem für die Einführung des islamischen Rechts, der Scharia, ein. Die IMU wurde für mehrere Bombenanschläge in Usbekistan verantwortlich gemacht. Nach eigener Darstellung waren IMU-Aktivisten auch an dem Angriff auf den Flughafen im pakistanischen Karatschi beteiligt, bei dem im Juni 2014 insgesamt 37 Menschen getötet wurden. Usbekische Sicherheitskräfte verfolgten die IMU mit großer Härte. Viele ihrer Aktivisten wichen ins Nachbarland Afghanistan aus. Im Jahr 2015 schwor die IMU offiziell dem IS die Gefolgschaft.

Der usbekische Staatschef Shavkat Mirziyoyev schrieb nach dem Anschlag vom Dienstag einen Brief an US-Präsident Trump, in dem er neben Beileidsbekundungen auch die Bereitschaft signalisierte, "alles in seiner Macht Stehende" zu tun, um die US-Behörden bei den Ermittlungen zu unterstützen.

IS übernimmt Verantwortung für New-York-Attentat
Der IS hat indes in seiner Online-Zeitung die Verantwortung für den Anschlag in New York übernommen. "Der Attentäter ist einer der Soldaten des Kalifats", heißt es in der "Al Naba"-Zeitung. Beweise für diese Behauptung wurden von der Dschihadistenmiliz freilich nicht präsentiert.

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