Mi, 13. Dezember 2017

Viele Tipps

04.11.2017 12:00

Wirksamer Einbruchsschutz

Beim Einbruchschutz zeigen ganz einfache Maßnahmen oft große Wirkung. Der Einzelne kann viel tun, um sich und sein Eigentum zu schützen - wenn er es Einbrechern nicht zu leichtmacht.

Immer dann, wenn das Jahr zu Ende geht und die Tage kürzer werden, steigt leider regelmäßig auch die Zahl der Wohnungseinbrüche. Klar: Draußen bricht schon am Nachmittag der Abend heran, viele Menschen sind noch nicht zurück von der Arbeit. Im Schutz der Dunkelheit haben Einbrecher leichtes Spiel. Niemand ist da, der sie stören könnte.

Die meisten Dämmerungseinbrüche finden in der Zeit von November bis Jänner statt, wobei die Täter bevorzugt zwischen 16 und 21 Uhr unterwegs sind, abhängig von der jeweiligen Dämmerungszeit. Es gibt auch noch eine zweite Tagesspitze: relativ viele Einbrüche werden zur Mittagszeit verübt. Zu den Tatorten zählen Wohnungen ebenso wie Wohnhäuser, die gut an die Hauptverkehrsverbindungen angebunden sind - und deshalb eine rasche Flucht ermöglichen. Ruhige Siedlungsgebiete mit schwer einsehbaren Grundstücken sowie ebenerdig gelegene Wohnungen stehen besonders häufig im Visier der Langfinger.

Hausgemachte Schwachstellen
Die Täter versuchen zumeist, durch gewaltsames Öffnen von Terrassentüren oder gartenseitig gelegenen Fenstern, Türen bzw. Kellerzugängen in das Wohnobjekt einzudringen. Dabei nutzen sie oft ganz einfache Hilfsmittel, brechen mit einem Schraubenzieher, einer Zange oder einem Brecheisen schlecht gesicherte Türen oder Fenster auf.

Man erkennt: In vielen Fällen würden schon einfache Maßnahmen reichen, einen Einbruchsversuch zu verhindern - oder wenigstens zu erschweren. Grundsätzlich gilt nämlich: Je mehr Hindernisse dem Einbrecher in den Weg gelegt werden, desto schwerer kommt er ans Ziel. Und so zynisch es klingt - die Chance ist hoch, dass er weiterziehen und sich ein weniger gut geschütztes Objekt suchen wird.

Eigenverantwortung
Sinnvolle technische Einbruchsicherungen am Haus oder an der Wohnung sind eine Sache. Das richtige Verhalten der Bewohner ist mindestens ebenso wichtig. Was nützt die modernste Alarmanlage, wenn sie der letzte, der das Haus verlässt, nicht einschaltet? Kein Witz, sondern zum Himmel schreiende Tatsache im Alltag der Ermittlungsbeamten. Deshalb appelliert die Polizei auch gezielt und eindringlich an die Eigenverantwortung der Menschen, wenn es um wirksame Einbruchsbekämpfung geht.

Weniger Einbrüche
Ausreichender Eigenschutz und richtig gesetzte Präventionsmaßnahmen können eine Menge bewirken - das zeigt ein Blick in die jüngste Kriminalstatistik: Bei 40 Prozent aller Wohnraumeinbrüche in Österreich blieb es nämlich zum Glück beim Versuch - dem Täter gelang es also nicht, die Tat zu vollenden und Diebesgut zu entwenden. In Wien ist diese Zahl sogar noch etwas höher (42 Prozent).

Seit mittlerweile vier Jahren unternimmt die Exekutive verschiedene, gezielte Maßnahmen gegen die sogenannten Dämmerungseinbrüche. Mit messbarem Erfolg. Zahlreiche Einbruchsserien konnten seit dieser Schwerpunktsetzung geklärt werden, Spitzenreiter war dabei eine Serie in Niederösterreich mit (aktueller Stand) zehn zugeordneten Wohnraumeinbrüchen. Die Zahl der Anzeigen gegen derartige Dämmerungseinbrüche ist in Österreich im vergangenen Jahr um 3,1 Prozent gesunken.

Generell ist die Anzahl der Wohnraumeinbrüche in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Gleichzeitig ist die aktuelle Aufklärungsrate von zehn Prozent die höchste im Zehn-Jahres-Vergleich. Wurden vor zehn Jahren österreichweit rund 20.000 Einbrüche begangen, waren es zuletzt (2016) "nur" noch knapp 13.000.

Bauliche Maßnahmen
Wenn es um rein baulichen Einbruchschutz geht, ist die Produktpalette des Marktes enorm breit gefächert. Bei einer so großen Auswahl kann man leicht den Blick aufs Wesentliche verlieren. Was ist wirklich wichtig - was kann man sich sparen? Das Um und Auf beim Einbruchschutz sind zunächst gut gesicherte Türen und Fenster. Zusätzlich leistet eine moderne Alarmanlage wertvolle Dienste, weil sie nicht zuletzt auch abschreckende Wirkung hat. Alle Experten raten zu einer ausgewogenen Mischung aus verschiedenen mechanischen und elektronischen Sicherheitsmaßnahmen.

Macht zu die Tür
Unter einer einbruchhemmenden Tür versteht man ein vollständiges Türelement einschließlich Zarge (= Rahmen). Bei einem Neu- oder Umbau wird von der Polizei und anderen Fachleuten der Einbau von geprüften, einbruchhemmenden Türelementen nach Ö-Norm B5338 ab Widerstandsklasse 3 (mit Mehr- fachverriegelung und Distanzsperre), empfohlen.

Widerstandsklassen geben an, wie viel Einbruchsicherheit der entsprechende Gegenstand bietet: Türen, Fenster oder auch Rollläden einfach in sechs verschiedene Widerstandsklassen (RC 1-6) unterteilt, wobei 1 als sehr unsicher und 6 als besonders sicher gilt. Das ist für den Laien leicht verständlich, er muss sich nicht in komplexe technische Details vertiefen. Für private Zwecke gilt eine Widerstandsklasse von 3 oder 4 als ausreichend sicher.

Derartige Türen bzw. Fenster beschäftigen den durchschnittlichen Einbrecher für mindestens fünf bzw. zehn Minuten, selbst wenn er mit besserem Werkzeug anrückt. Bei der Gewährung von Landesförderungen (etwa zum Einbau von einbruchhemmenden Sicherheitstüren) gilt sehr oft Widerstandsklasse 3 als Mindestanforderung.

Ein wehrhaftes Schloss
Ein gutes Schloss ist gerade gut genug. Noch mehr Sicherheit bieten Eingangstüren mit zwei Schlössern verschiedener Bauart oder eine Mehrfachverriegelung. Die Sicherheit der Tür wird durch Mehrfachverriegelungen wesentlich erhöht, diese lassen sich auch nachträglich in die meisten Türen einbauen. Die Industrie bietet hier verschiedene Möglichkeiten an - jedenfalls müssen die Zargen entsprechend massiv ausgeführt sein.

Querriegelschlösser als Zusatzschlösser sind sinnvollerweise nur an Türen mit tragfähigen Türangeln zu montieren. Der Sicherheitswert der Verriegelung hängt wesentlich von der Befestigung der Schließkästen im Mauerwerk ab.

Es sollten nur Sicherheitszylinder zum Einsatz kommen, die aufbohr-, nachsperr- und abreißsicher sind. Der Außenbeschlag muss aus gehärtetem Stahl bestehen und von innen verschraubt sein. Ein vom Fachmann montiertes Zusatzschloss mit Sicherheitsbügel erhöht den Widerstandswert der Türe erheblich. Außerdem bietet ein Fangbügel zusätzlichen Schutz gegen ungebetene Besucher, die in die Wohnung eindringen wollen, wenn die Tür nur einen Spalt weit geöffnet ist.

Fenster als Sicherheitslücke
So wie bei den Türen gilt auch für alle Fenster: Wenn neu- oder umgebaut wird, bietet sich der Einbau von einbruchhemmenden Fensterelementen zwingend an. Eine Widerstandsklasse von mindestens 3 ist empfehlenswert, besonders hoher Widerstand wird durch sogenannte Pilzkopfbeschläge und Zwillingsbolzenverschlüsse erreicht.

Entscheidend ist, dass alle Komponenten wie Rahmen, Fenster, Beschläge, Fenstergriff und Glas aufeinander abgestimmt sind. Insbesondere der Fensterrahmen muss fest mit dem Mauerwerk verschraubt sein. Einschäumen alleine genügt nicht! Bei älteren Fenstern kann der Schutz durch Zusatzbeschläge mitunter erhöht werden.

Bei Einfamilienhäusern und Wohnungen, deren Fenster leicht erreichbar sind, sollten diese mitsamt Rahmen derart beschaffen sein, dass sie Körpergewalt und einfachem Werkzeug standhalten. Ein abschließbarer Fenstergriff wird empfohlen.

Auch Dachluken sind nichts anderes als Fenster. Entsprechende Schutzmaßnahmen sind deshalb genauso geboten wie im Erdgeschoß. Vor allem, wenn Aufstiegshilfen wie Sichtschutzwände, Blumenspaliere, Gartenmöbel oder frei herumliegende Leitern vor Ort greifbar sind.

Sichere Rollläden
Ein Standardrollladen bietet keinerlei Hindernis für Einbrecher. Er kann durch einfaches Hochschieben leicht überwunden werden und dient lediglich dem Sonnen- und Sichtschutz. Mit nachträglichen Zusatzmaßnahmen lassen sich aber auch Standardrollläden zumindest gegen das Hochschieben sichern.

Wo Rollläden gegen das Vorziehen und das Hochschieben Widerstand bieten sollen, müssen sie in stabilen, fest verankerten Führungsschienen laufen und durch Stifte oder Sperren im oberen Drittel gesichert sein. Einbruchhemmende Rollläden haben aufgrund des verwendeten Materials und der Konstruktion einen höheren Widerstandswert. Es gelten die gleichen Widerstandsklassen wie bei Fenstern und Türen auch.

Grundsätzlich sollten Rollläden nur in der Nacht geschlossen sein (um untertags keinerlei Hinweise darauf zu geben, dass die Wohnung gerade leer steht). Trotz des Einbaus von geprüften einbruchshemmenden Rollläden, kann auf die Sicherung der Fenster nicht verzichtet werden.

Rund ums Grundstück
Offene Gartentüren, Garagentore oder Hofeinfahrten laden geradezu dazu ein, ein Grundstück zu betreten. Selbstschließende Gartentore oder Tore mit elektrischem Türöffner schaffen praktische Abhilfe.

Eine möglichst lückenlose Außenbeleuchtung, eventuell in Verbindung mit Bewegungsmeldern, ist ratsam - Einbrecher scheuen naturgemäß das Licht! Außensteckdosen sollten abschaltbar sein. Entfernen Sie auch alles, was Eindringlingen als "Kletterhilfe" nützlich sein könnte (Leitern, Gartenmöbel usw.). Zu vermeiden sind Trennwände oder Bepflanzungen bei Türen oder Fenstern, die Tätern Sichtschutz bieten. Ein diesbezüglicher Klassiker ist die schlecht gesicherte Garage, von der aus man ungesehen ins Wohnhaus gelangen kann. Es ist zu prüfen, ob zwischen Garage und Wohnhaus unbedingt eine Türe benötigt wird. Falls ja, sollte man am besten schon bei der Planung ein einbruchhemmendes Garagentor vorsehen.

Elektronische Abwehr
Eine Gegensprechanlage bei der Haustür ist sinnvoll - man muss sie eben auch entsprechend nutzen und sollte nie jemanden ungefragt ins Stiegenhaus einlassen.

Viele potenzielle Einbrecher lassen sich von einer Alarmanlage deutlich mehr abschrecken als z.B. von einer Videoüberwachungsanlage. Es macht also Sinn, - neben den nötigen mechanischen Sicherungen - auch den Einbau einer Alarmanlage in Betracht zu ziehen. Von Billigprodukten und Selbstmontage ist dringend abzuraten. Beim Einbruchsschutz sollten wirklich nur Professionisten zu Werke gehen! Nur so ist die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen auch gewährleistet.

Die Polizei empfiehlt:

  • Gute Nachbarschaft und gegenseitige Hilfe sind enorm wichtig. Zusammenhalt schreckt Täter ab!
  • Vermeiden Sie jegliche Anzeichen von Abwesenheit. Leeren Sie Briefkästen und beseitigen Sie Werbematerial.
  • Schließen Sie beim Weggehen alle Fenster, Terrassen- und Balkontüren.
  • Vermeiden Sie Sichtschutz, der dem Täter ein ungestörtes Einbrechen ermöglicht.
  • Räumen Sie weg, was Einbrecher leicht nützen können - Leitern, Kletterhilfen, Werkzeug
  • Verwenden Sie bei Abwesenheit in den Abendstunden Zeitschaltuhren und installieren Sie eine Außenbeleuchtung.
  • Sichern Sie Terrassentüren und lassen Sie nur hochwertige Schlösser und Schließzylinder einbauen.

Günther Kralicek, wohnkrone.at

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden