Di, 12. Dezember 2017

Nach "Herwart"

30.10.2017 22:30

Aufräumarbeiten dauern noch Tage

Die ÖBB hatten heute Nachmittag zwischen Steeg-Gosau und Bad Aussee noch einen Schienenersatzverkehr eingerichtet. Die Katrin-Bergbahn in Bad Ischl wird erst morgen, Dienstag, wieder ihren Betrieb aufnehmen. Am Tag, nachdem Sturm "Herwart" in Oberösterreich getobt hatte, kehrte heute Alltag ein - auch bei den Stromversorgern.

Heute, kurz vor 9 Uhr, im Netzführungszentrum der Energie-AG-Tochterfirma Netz Oberösterreich in Linz: Da, wo 24 Stunden zuvor noch Hochbetrieb an allen Arbeitsplätzen herrschte, war wieder Ruhe eingekehrt. "Zum Glück war ,Herwart‘ ein angekündigtes Ereignis, wir konnten unsere Mannschaft vorwarnen", atmete Leopold Fiedler durch, der das Netzführungszentrum leitet, in dem 40 Mitarbeiter beschäftigt sind.

250 Mitarbeiter im Einsatz
250 Energie-AG-Beschäftigte standen vor allem am Sonntag im "Herwart"-Einsatz, davon die meisten im Freien, wo es Leitungen zu reparieren gab. "Die Kunst ist, dass die Mitarbeiter sicher arbeiten können", sagt Fiedler. "Herwart" ist abgezogen. Seine Spuren - wir berichteten - werden aber noch länger zu sehen sein. So werden die Aufräumarbeiten noch tagelang dauern - etwa bei der HTL in Leonding, wo Teile des Dachs abgedeckt wurden, aber auch jene bei den Stromversorgern, die unter Hochdruck die Schäden am Netz wieder reparieren.

Wieder alle am Netz
Heute stand dann auch endgültig fest, bei wie vielen Haushalten in Oberösterreich es aufgrund des Super-Sturms dunkel blieb. 70.000 waren im Energie-AG-Versorgungsgebiet betroffen, die Linz AG vermeldete 21.000 Haushalte, die vorübergehend ohne Strom geblieben waren. Während die Linz AG schon Sonntagabend wieder alle Kunden versorgen konnte, dauerte es bei der Energie AG bei einigen Betroffenen bis heute, um sie ans Netz zu bringen. Bäume, die auf Leitungen gestürzt waren, und Brüche von Strommasten waren dabei die häufigsten Schäden. "Solche Ereignisse zeigen, wie wichtig Vorsorge im Bereich des Stromnetzes ist", sagt Energie-AG-Generaldirektor Werner Steinecker, der übrigens am Sonntag auch selbst vom Ausfall betroffen war.

Ähnlich wie im August
Die OÖ-Versicherung erwartet ein ähnliches Schadensausmaß wie beim Sturm Mitte August. "Wir rechnen mit 6000 bis 7000 Schadensfällen", sagt Sprecher Günther Waldhäusl. Noch wurden keine großen Schäden gemeldet.

Acht verheerende Stürme in den letzten zehn Jahren
Der Sturm war mit 140 km/h über unser Land gebraust - stärker war nur Orkan "Kyrill", der im Jahr 2007 mit 148 km/h Millionenschaden angerichtet hat. Seither gab es bei uns sieben derart starke Stürme. Vor "Herwart" hatte heuer im August eine Orkanböe für eine Tragödie gesorgt, als in St. Johann am Walde ein Festzelt verweht wurde, wobei zwei Besucher starben, 140 verletzt wurden. Tragisch verlief auch ein Sturm vor "Kyrill": So war bei Windböen von bis zu 140 km/h Ende Oktober 2002 bei Freistadt ein Fahrzeug auf die Gegenfahrbahn geblasen worden, es kam zu einer Kollision mit drei Toten. Ein Sturm mit Böen von bis zu 140 km/h hatte im Jahr 2000 ebenfalls ein Todesopfer gefordert: In Ennsdorf war ein Arbeiter von einer umstürzenden Mauer erschlagen worden.

218 Millionen Euro Schaden 1990
Enorme Schäden richteten Stürme in Oberösterreich auch schon vor der Jahrtausendwende an: So hinterließen im Jahr 1990 die Sturmtiefs "Vivian" und "Wiebke", die in Linz-Hörsching 147 km/h erreichten, 218 Millionen Euro Schaden. Ende Jänner 1994 richtete ein Sturm 7,3 Millionen € Schaden an.

Minus 4,6 Grad am Feuerkogel
Das kalte und stürmische Monatsende konnte nichts ändern: Der Oktober fiel größtenteils sonnig und mild aus, sagt Alexander Orlik von der ZAMG. Die Niederschläge sanken ob der Enns um 37 Prozent, in Vöcklabruck schien 137 Stunden die Sonne.

"Krone": Jetzt wütete "Herwart", doch der Oktober war mild.
Alexander Orlik: Ja, er fiel überdurchschnittlich warm und sonnig aus und liegt 1,4 Grad über dem Mittelwert. Er ist einer der 25 wärmsten Oktober der rund 250-jährigen Messgeschichte.

"Krone": Wie sieht Ihre Bilanz für Oberösterreich aus?
Orlik: Am sonnigsten war es im Oktober in Vöcklabruck, wo wir 137 Sonnenstunden gemessen haben.

"Krone": Und welcher Ort war ob der Enns am wärmsten?
Orlik: Der Temperaturhöchstwert wurde am 5. Oktober in Weyer mit exakt 24,6 Grad gemessen. Den Tiefstwert gab’s in Freistadt am 20. Oktober mit 1,2 Grad und auf den Bergen auf dem Feuerkogel mit minus 4,6 Grad am Montag.

Barbara Kneidinger, Johann Haginger, Johannes Nöbauer, Kronen Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden