Sa, 18. November 2017

Frauen & Herzinfarkt

31.10.2017 06:00

Das gefährliche erste Jahr

Herzinfarkte sind für Frauen bedrohlicher als für Männer. Besonders im ersten Jahr nach einem solchen Ereignis hat "sie" ein deutlich höheres Risiko, zu sterben, als "er" mit vergleichbarer Krankengeschichte. Daher ist gerade in den ersten 365 Tagen besonders intensive Betreuung der Infarktpatientinnen wichtig.

Der Herzinfarkt gilt nach wie vor als Männerleiden. Das stimmt insofern, als dass die Herren ungefähr zwei Drittel jener Patienten ausmachen, die aufgrund eines Infarktes stationär behandelt werden. Studien der vergangenen Jahre zeigten aber, dass die Damen öfter daran und den Folgen sterben. Einer der Gründe dafür ist, dass Frauen "andere" Herzinfarkte bekommen: Zum Zeitpunkt der Attacke sind sie statistisch gesehen zehn Jahre älter und haben häufiger Begleiterkrankungen wie z.B. Diabetes. Zudem werden Infarkte bei "ihr" seltener durch lokale Gefäßverengungen ausgelöst, die vergleichsweise leicht erweitert werden können. Stattdessen sind die Herzarterien meist diffus befallen und lokale Dehnungsversuche in diesen Fällen nur wenig aussichtsreich.

Frauen sterben öfter
"Schaut man sich den gesamten Untersuchungszeitraum von fünf Jahren nach dem Herzinfarkt an, gibt es keine auffällig großen geschlechtsspezifischen Unterschiede, wenn man Faktoren wie Alter, Begleiterkrankungen und Art der Behandlung herausrechnet", berichtet Erstautorin Dr. Romy Ubrich, Klinik für Innere Medizin I, Kardiologie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, von ihrer Untersuchung. Als Grundlage der Arbeit dienten Daten von rund 4100 männlichen und weiblichen Teilnehmern. "Überrascht haben uns aber die Ergebnisse der ersten 365 Tage nach dem Ereignis: In diesem Zeitraum starben Frauen mehr als eineinhalb mal so häufig wie Männer."

Dafür gibt es verschiedene mögliche Gründe. Prof. Dr. Georg Schmidt, Kardiologe in derselben Klinik und Letztautor der Studie, vermutet, dass gesellschaftliche und psychische Gründe eine wichtige Rolle spielen. "Im Alltag werden nach einem Herzinfarkt oft andere Anforderungen an Frauen gestellt als an Männer. Sie sollen schneller wieder 'funktionieren' und sind dadurch größeren Belastungen ausgesetzt." Ein weiterer wichtiger Faktor sind depressive Erkrankungen. Diese sind nicht nur für sich genommen gefährlich, sondern stellen auch einen Risikofaktor bei anderen Leiden dar. Zukünftige Untersuchungen müssen zeigen, ob sogenannte psychosoziale Faktoren hauptverantwortlich für die festgestellten Unterschiede zeichnen, oder ob es andere, möglicherweise biologische Gründe gibt. Ärzte betroffener Frauen sollten sich im ersten Jahr nach einem Infarkt jedenfalls besonders intensiv um diese Patientinnen kümmern.

Monika Kotasek-Rissel, Kronen Zeitung

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