Di, 12. Dezember 2017

Unwetterschäden

29.10.2017 19:55

1600 Helfer waren im großen Sturmeinsatz

Zahlreiche umgestürzte Bäume, viele abgedeckte Dächer, einige demolierte Baustellen-Absperrungen: Die Berufsfeuerwehr aus der Stadt und ihre Freiwilligen Kameraden aus dem ganzen Bundesland leisteten am Sonntag einmal mehr hervorragende Arbeit und arbeitete nacheinander die hunderten Einsätze ab.

"Es ist einer der schwersten Stürme der vergangenen Jahre was die flächige Ausdehnung betrifft. Er fällt aber nicht in die Kategorie mit Stürmen wie Kyrill", weiß Michael Butschek, Meteorologe der ZAMG. Dennoch: Von den maximalen Windböen her, blieb dieses Ereignis sogar hinter den Erwartungen. Auch wenn am Aberg in Maria Alm bei einer Station des Lawinenwarndienstes unglaubliche 152 km/h gemessen wurde. Bei der Rudolfshütte waren Spitzen von 139 und auf der Schmittenhöhe 137 km/h zu messen, in Golling 110, Abtenau 111, am Flughafen Salzburg 95 und in Mattsee 96 km/h.

68 Feuerwehren und rund 400 Einsätze
Die enormen Böen bescherten den Einsatzkräften in Salzburg massenhaft Arbeit. Die Landeswarnzentrale meldete von 7 Uhr früh bis zum Abend hin rund 400 Einsätze, 68 Feuerwehren waren im Einsatz mit 1600 Männern und Frauen. Im Flach- und Tennengau existierte so gut wie kein Ort, in dem es keine Schäden gab, auch der Pongau und der Pinzgau waren stark betroffen, einzig der Lungau blieb verschont.

Aufgrund der Wetterprognosen sorgte die Berufsfeuerwehr vor. Anstatt der normalen Mannschaftsstärke von 31 Mann, standen am Sonntag bis 16 Uhr 50 Mann parat. 100 Einsätze arbeiteten sie ab, sie bekamen dabei auch Hilfe von 53 Freiwilligen.

"Es ging vor allem um umgestürzte Bäume, die zum Teil auf Stromleitungen fielen, die Straßen blockierten oder auch auf Autos stürzten. Wir mussten einige Kamin-Abdeckungen sichern und waren auch auf Baustellen im Einsatz, wie bei der Strubergasse", berichtet Einsatzleiter Stefan Jakolitsch.

Stark betroffen im Flachgau war neben Neumarkt und Anif auch Grödig. Hier rückte die Feuerwehr gleich 23 Mal aus. "Die erste Alarmierung bekamen wir um 9 Uhr. Die Einsatzorte verteilen sich von Fürstenbrunn bis St. Leonhard", berichtet Ortsfeuerwehr-Kommandant Markus Schwab, der mit 50 Leuten aufräumte.

Zahlreiche Warnungen gab es im Vorfeld des Sturms, dennoch gab es einige Unbelehrbare. Trotz heftiger Böen starteten manche Personen ihre Jogging-Runde oder den Sonntagsspaziergang, auch dort, wo bereits zahlreiche Bäume umgestürzt waren. Für Kopfschütteln sorgte auch ein Kite-Surfer auf dem Wallersee.

Böen hinterließen Spur der Verwüstung
Besorgte Zeugen schlugen Alarm, weil dieser offenbar gegen Sturm und Wellen kämpfte. Als die Wasserretter gerade Richtung Fenningerspitz ausrückten, war der Sportler aus dem Wasser.

Markus Gewolf von der Salzburger Wasserrettung: "Die Sturmleuchten waren seit 7 Uhr früh aktiviert. Diese sollen die Sportler warnen. Man soll nicht mehr ins Wasser gehen oder schnell das Ufer aufsuchen", erinnert er noch einmal.

60 Einsätze hatten die Freiwilligen in Hallein zu bewältigen. Dabei kam es auch zu brenzligen Situationen. "Wir konnten eine absturzgefährdete Solaranlage gerade noch sichern", berichtet Kommandant Josef Tschematschar. Die Winterstallstraße und die Schützengasse waren zum Teil komplett abgeschnitten. Schuld war neben dem Windwurf eine abgerissene Stromleitung. "Es war uns wichtig, dass wir das schnell lösen. Das Gebiet wäre im Notfall das Rote Kreuz und uns per Fahrzeugen nicht erreichbar gewesen", so Tschematschar.

Im Pongau kämpften vor allem die Gasteiner gegen die Sturmschäden, wie etwa in Bad Hofgastein. "Auch wir hatten zahlreiche abgedeckte Dächer und umgestürzte Bäume. Ein Baum fiel auf einen Zug und die Fahrleitung", hieß es von dort. 120 Personen mussten 1,5 Stunden ausharren. "Die Strecke war in beide Richtungen gesperrt. Wenn ein Zug auf der Strecke stehen bleibt, können wir aus Sicherheitsgründen die Tür nicht öffnen", erklärt Bernhard Rieder von den ÖBB.

Waghalsige Anflüge: Piloten mussten durchstarten
Heftige Sturmböen legten auch den Flughafen zum Teil lahm: "Wir hatten in der starken Zeit 30 bis 40 Knoten. Das ist sehr erheblich. Es wurden Maschinen nach Linz, Graz, Frankfurt und München umgeleitet", schildert Airport-Sprecher Alexander Klaus. Nur ein British Airways-Pilot konnte bei Sturmspitzen ein Luftloch nutzen und ungehindert landen. Einige Handy-Videos zeigen , wie verschiedene Maschinen vom Süden her mit wackeligen Tragflächen auf Salzburg zukamen und wegen aufkommender Seitenböen im letzten Moment durchstarteten.

Eine Salzburgerin, die in einer Ryan Air-Maschine von London nach Salzburg saß, berichtet über den Süd-Anflug. "Als wir Richtung Berge flogen, hat es uns richtig durchgebeutelt. Ich dachte mir ,Bitte versuch nicht zu landen’. Als er dann die Schleife flog, merkte man, dass das Flugzeug abdriftet. Der Pilot startete durch und wir landeten in Linz. Dort mussten wir eine Stunde im Flieger warten, weil die Crew wegen der Böen die Türen nicht öffnen konnte."

Iris Wind/Sabine Salzmann, Kronen Zeitung

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