Do, 23. November 2017

History

28.10.2017 17:33

Wo Menschen über den Tod hinaus weiterleben

130.000 haben am Kommunalfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden. Auch verdiente Salzburger und prominente Fremde. Wie etwa Ladislaus Almasy, der"englische Patient".

Die Stadt der Toten ist in Salzburg fast annähernd so groß wie die der Lebenden: Mehr als 130.000 Menschen haben ihre letzte Ruhestätte auf dem Kommunalfriedhof gefunden, den die Stadt Salzburg erst 1870 anliegen ließ - auf dem Grund des früheren Sandbichlgutes. Opfer einer Cholera-Epidemie waren 1883 übrigens die ersten Bestatteten.

Es war Bürgermeister Rudolf Biebl, der den Anstoß zum größten Salzburger Friedhof gab. Er verwirklichte auch den Bau der Karolinenbrücke. Biebl ist wie viele Salzburger Bürgermeister hier bestattet, so etwa auch Ignaz Harrer (1826-1905). In den drei Jahren seiner Tätigkeit ließ er zahlreiche Schulen, darunter den Vorläufer der HTL sowie die Fürstenbrunner Wasserleitung und die heutige Christian Doppler Klinik errichten. In nur drei Jahren! Die Straße von Lehen in die Klinik wurde später nach ihm benannt.

Ein Rundgang durch das riesige und friedliche Areal birgt so manche Überraschung, die mitten hinein führt in unglaubliche und erstaunliche Lebensgeschichten. Kaum jemand weiß, dass der Mann, der als Vorbild für den mit 12 Oscars prämierten Film des "Englischen Patienten" nach dem Roman von Michael Ondaatje in Salzburg begraben liegt. Ladislaus Almásy (1895-1951) war eine schillernde Figur, er war Entdecker, Pilot, fand als Saharaforscher die vergessene Oase Zarzura wieder. 1921 schon chauffierte er Ex-Kaiser Karl bei seinem gescheiterten Versuch, in Ungarn wieder die Kaiserkrone zu übernehmen. Im Zweiten Weltkrieg war er Abwehroffizier der Deutschen Wehrmacht und schleuste deutsche Spione hinter die britischen Linien in Nordafrika. Im letzten Kriegsjahr wieder zurück in Ungarn, rettete er jüdische Familien vor der drohenden Deportation. Almásy erkrankte 1951 bei der Durchreise in Salzburg an Amöbenruhr und starb hier im Spital.

Bleiben wir bei den Piloten: Auch dem Flug-Pionier Igo Ettrich (1879-1967) ist ein ansehnliches Grab am Kommunalfriedhof gewidmet. Seine "Ettrich-Taube" unternahm 1912 den ersten erfolgreichen Flug über Salzburg. 25.000 Menschen sahen das einmalige Ereignis damals.

Aus den Anfängen der Fliegerei ist auch einer der erfolgreichsten und heute vergessenen Piloten der k.u.k-Luftwaffe im Ersten Weltkrieg hier begraben: Frank Linke-Crawford, in den letzten Kriegsmonaten an der Piave 1918 abgeschossen. Auch den Namen von Maximilian Karl Graf O‘Donell von Tyrconell (1812-1895) kennt heute niemand mehr. Der Adelige rettete 1853 Kaiser Franz Josef bei einem Mordanschlag das Leben, durfte sich dafür ein Haus am Mirabellgarten bauen (heute Mirabellplatz 2). 1859 erwarb er auch das Schloss Goldegg.

Zurück zu den Fliegern: Auch die weltberühmteste Fliegerin, Hanna Reitsch (1912-1979) liegt hier begraben. Sie war Segelflugweltmeisterin, flog als erste Frau einen Hubschrauber und ein Raketenflugzeug, war Pilotin Adolf Hitlers und setzte ab 1951 ihre Flieger-Karriere in den USA fort, wo sie von Präsidenten John F. Kennedy geehrt wurde.

Anna Bertha Königsegg ist eine der Heldinen, die hier ihre letzte Ruhe fanden: Die Ordensschwester der Vinzentinerinnen wurde als Gegnerin der Euthanasie von den Nazis verhaftet, opferte ihr eigenes Vermögen, um beeinträchtigten Menschen ein Quartier im Konradinum oder in Schernberg zu geben. Auch Oberst Hans Lepperdinger, der die Stadt Salzburg kampflos den Amerikaner übergab und so vor der Zerstörung rettete, hat hier sein Ehrengrab. Endlos ist die Liste der Persönlichkeiten, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Dazu ein Buchtipp: Friederike Zaisberger, Reinhard Heinisch, Johann Baumgartner und Guido Müller haben dazu ein Buch verfasst: "Leben über den Tod hinaus" listet viele Prominente am Kommunalfriedhof auf. Erhältlich bei der Friedhofsverwaltung.

Wolfgang Weber, Kronen Zeitung

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